14. Nachwuchswissenschaftler-Preis der Stadt Potsdam an Dr. David Uhlig

Landeshauptstadt zeichnet junge Wissenschaftler/innen aus der Region aus

Die Jury unter Vorsitz von Oberbürgermeister Mike Schubert hat entschieden, in diesem Jahr Dr. David Uhlig für seine herausragenden Leistungen auf dem Gebiet der Geowissenschaften mit dem Potsdamer Nachwuchswissenschaftler-Preis auszuzeichnen. Dr. Uhlig erhält den Preis für seine am Deutschen GeoForschungsZentrum erarbeitete und „mit Auszeichnung“ bewertete Arbeit „The deep Critical Zone as a source of mineral nutrients to montane, temperate forest ecosystems“. Nach Ansicht der Jury ist das bearbeitete Thema hoch aktuell in Zeiten des Klimawandels.

Die Landeshauptstadt Potsdam zeichnet mit dem mit 5000 Euro dotierten Preis junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Region Potsdam für besondere Leistungen am Beginn ihrer wissenschaftlichen Laufbahn aus.

Dr. David Uhlig zeigt in seiner Dissertation den vollständigen Nährstoffzyklus von Pflanzen auf, wie er bisher nicht bekannt war. Er fügt damit den gut verstandenen biologischen Prozessen innerhalb der Pflanzen die Analyse der Nährstoffbilanzen außerhalb hinzu und zeichnet ein vollständiges Bild des Nährstoffkreislaufs. Oberbürgermeister Mike Schubert: „Es ist sehr schön, dass eine zukunftsweisende naturwissenschaftliche Arbeit ausgewählt wurde. Der Wissenstransfer ist mir wichtig und die von Dr. Uhlig gewonnenen Erkenntnisse sind bei der Erkundung der Widerstandsfähigkeit von Ökosystemen beim Klimawandel von Bedeutung. Darüber hinaus ist seine Dissertation ein hervorragendes Beispiel für die Fachdisziplinen-übergreifende Zusammenarbeit am Wissenschaftsstandort Potsdam.“ Jurymitglied Professor Rolf Emmermann ergänzt: „Die herausragende, interdisziplinäre Arbeit an der Schnittstelle zwischen Biologie und Geologie betritt ein neues Forschungsfeld. Sie verdeutlicht, dass das GFZ das zukunftsweisende Forschungsfeld Bio-Geo in den letzten Jahren sehr gut entwickelt hat.“

„In einer Zeit, in der die Auswirkungen des Klimawandels und die Frage der Welternährung die Menschheit bereits jetzt vor große Anstrengungen stellt, brauchen wir Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler wie David Uhlig, die zielstrebig und kreativ ihre eigenen Wege suchen. Mit völlig neuartigen Isotopenmethoden, die am Deutschen GeoForschungsZentrum Potsdam entwickelt wurden, hat er erstmals anhand chemischer Fingerabdrücke verfolgt, wo und wie Pflanzen wichtige Nährstoffe aufnehmen. Diese Kombination neuer technischer Methoden und neuer Denkweisen ist essenziell, um solche komplexen Themen zukunftsweisend zu erschließen und Lösungen vorzuschlagen“, sagt Professor Dr. Friedhelm von Blanckenburg, der am GFZ die Sektion Geochemie der Erdoberfläche leitet und die Dissertation betreut hat.

„Die Arbeit von David Uhlig zeigt eindrücklich, welche wichtigen Perspektiven in der noch jungen Verknüpfung von Geo- und Bio-Wissenschaften liegen. Der Forschungsstandort Potsdam ist bereits jetzt auch auf diesem Gebiet unter den weltweit führenden Regionen – und wir bauen dieses zukunftsweisende Forschungsfeld am GFZ entscheidend aus: mit unserem GeoBioLab, das in wenigen Monaten eröffnet wird, ebenso wie mit dem Transmissions-Elektronenmikroskop der neuesten Generation, das in dieser Woche in Betrieb genommen wurde“, betont Prof. Dr. Niels Hovius, kommissarischer Wissenschaftlicher Vorstand des GFZ.

Dr. David Uhlig freut sich über die Auszeichnung: „Mit dem Potsdamer Nachwuchswissenschaftler-Preis ausgezeichnet zu werden, ist mir eine Ehre und erfüllt mich mit Stolz. Ebenso motiviert mich der Preis, meine interdisziplinäre Forschung auf dem Gebiet der Ökosystemernährung fortzuführen. Inwiefern sich die Ergebnisse meiner Dissertation über die bis zu Jahrtausende andauernde Ernährung von Waldökosystemen trotz immerwährender Nährstoffverluste auf die Nährstoffversorgung einjähriger landwirtschaftlicher Nutzpflanzen übertragen lässt, ergründe ich derzeit am Forschungszentrum Jülich. Angesichts der wachsenden Weltbevölkerung mit zugleich limitierten Ressourcen lässt sich meiner Dissertation auch eine gesellschaftliche Relevanz zuordnen. Umso mehr freut es mich, dass mit dieser Auszeichnung meiner Doktorarbeit über Academia hinaus Aufmerksamkeit in der breiten Öffentlichkeit verliehen wird. Meinem Doktorvater Prof. Dr. Friedhelm von Blanckenburg danke ich sowohl für die erfolgreiche Nominierung als auch für seine immerwährende und allumfassende Unterstützung während meiner Promotion.“

Neben Oberbürgermeister Mike Schubert gehörten Prof. Dr. Susan Neiman vom Einsteinforum, Prof. Dr. Ulrich Buller, ehem. Forschungsvorstand der Fraunhofer-Gesellschaft, Prof. Dr. Rolf Emmermann, ehem. Vorstand des Deutschen Helmholtz Zentrum GFZ, Prof. Dr. Heinz Kleger, ehem. Universität Potsdam, Prof. Dr. Ralf Engbert von der Universität Potsdam sowie Prof. Dr. Bernd Müller-Röber von der Universität Potsdam der Jury an. In diesem Jahr lagen der Jury 21 Arbeiten zur Bewertung vor.

Hintergrundinformationen

Zur Person

David Uhlig wurde 1986 in Berlin geboren. Er studierte Geologische Wissenschaften mit Schwerpunkt Geochemie an der Freien Universität Berlin. Nach Abschluss seines Masterstudiums wurde Herr Uhlig Doktorand an der Freien Universität und dem Deutschen GeoForschungsZentrum Potsdam und schloss seine Promotion im November 2018 mit Auszeichnung ab. Von April 2017 bis September 2018 war David Uhlig als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen GeoForschungsZentrum Potsdam in der Sektion „Geochemie der Erdoberfläche“ tätig, die von seinem Betreuer Professor Friedhelm von Blanckenburg geleitet wird. Seit Januar 2019 arbeitet David Uhlig als Postdoktorand am zur Helmholtz Gemeinschaft zugehörigem Forschungszentrum Jülich im BMBF-Projekt „Boden als nachhaltige Ressource für die Bioökonomie“. Die Resultate der Promotion sind in hochkarätigen internationalen Zeitschriften publiziert worden.

Zur Arbeit

In seiner Dissertation am Deutschen GeoForschungsZentrum Potsdam und an der Freien Universität Berlin entwickelte David Uhlig ein neuartiges konzeptionelles Verständnis darüber, wie organische und geogene Nährstoffkreisläufe ineinandergreifen, um die Ernährung von Waldökosystemen über bis zu Tausende von Jahren zu gewährleisten. Das gegenwärtige Paradigma zur Ernährung von Waldökosystemen besagt, dass die Wiederaufnahme von Mineralnährstoffen aus in der organischen Auflage des Waldbodens lagernden Pflanzenstreu und deren Zersetzungsprodukten entscheidend zur Waldökosystemernährung beiträgt. Während der Lagerung von Streu in der organischen Auflage des Waldbodens ist sie jedoch permanent einer physikalischen Abtragung (Erosion) und chemischen Auflösung (Verwitterung) unterworfen, woraus zwangsläufig Nährstoffverluste resultieren. Zwar haben Pflanzen Mechanismen entwickelt, um derartige Nährstoffverluste zu minimieren, jedoch können sie nicht gänzlich vermieden werden. Damit Waldökosysteme langfristig kein Nährstoffdefizit erleiden, müssen diese Nährstoffverluste kompensiert werden.

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