26. Statistischer Vergleich der Landeshauptstädte vorgestellt

„Statistisch gesehen noch große Unterschiede zwischen den Landeshauptstädten“, so Dezernent Dieter Jetschmanegg

Der Dezernent für Zentrale Verwaltung, Dieter Jetschmanegg hat heute gemeinsam mit Heike Gumz, Bereichsleiterin Statistik und Wahlen die 26. Ausgabe den Vergleich der deutschen Landeshauptstädte 2018 vorgesellt. Darüber hinaus wurden im Jubiläumsjahr der Deutschen Einheit der erste und der aktuelle Bericht verglichen und die Frage gestellt, ob sich 30 Jahre Deutsche Einheit auch in den Statistiken widerspiegeln.

„Der aktuelle Bericht zeigt deutlich, dass Potsdam im Vergleich der 16 Landeshauptstädte Deutschlands, insbesondere aber verglichen mit den fünf ostdeutschen Hauptstädten und Berlin, eine gute Entwicklung genommen hat“, sagt Dieter Jetschmanegg, Dezernent für Zentrale Verwaltung. „Bei einem Blick auf die Daten des ersten Berichts verglichen mit dem aktuellen können wir sehen, dass es zumindest statistisch gesehen noch große Unterschiede zwischen den Landeshauptstädten gibt. Beispielsweise bei der Versorgung mit Betreuungsplätzen für Kinder, also Kinderkrippen, Kindergärten und Horte. Da liegen Potsdam, Dresden, Magdeburg, Erfurt und Schwerin vorn. Dafür ist das Bruttoinlandprodukt pro Einwohner und auch das Arbeitnehmerentgelt geringer als in den westdeutschen Landeshauptstädten. Um tatsächlich eine Einheit zu werden, braucht es wohl noch mehr Ausdauer“, so Jetschmanegg.

Das frühere Amt für Statistik, Stadtforschung und Wahlen der Landeshauptstadt Potsdam veröffentlichte den ersten Vergleich der deutschen Landeshauptstädte 1995. Auf 40 Seiten wurden damals die 16 Landeshauptstädte anhand ausgewählter Kennzahlen der Jahre 1993 und 1994 aus den Themen Bevölkerung, Wirtschaft und Arbeitsmarkt, Gewerbe, Wohnen, Kultur, Bildung, Verkehr, Kommunalfinanzen und Gesundheitswesen erstmalig miteinander verglichen. 25 Jahre später veröffentlicht der Bereich Statistik und Wahlen in der 26. Ausgabe den Vergleich der Landeshauptstädte. Das Berichtsjahr der vorliegenden Auflage ist das Jahr 2018.

Der Bericht hat sich über die Jahre hinweg sowohl inhaltlich als auch formal im Sinne der statistischen Aufbereitung verändert. Der vorliegende Bericht umfasst 57 Seiten mit insgesamt 40 Tabellen und 32 Abbildungen. Unter den Abbildungen befinden sich eine Wahlkarte (Abb. 31) und eine Infografik zu meteorologischen Kerndaten (Abb. 32). Jedem der elf Kapitel wurde eine inhaltliche Zusammenfassung vorangestellt. Das Wahlkapitel wurde um Daten zur Europawahl 2019 und zu aktuellen Oberbürgermeisterwahlen ergänzt. Erstmalig wurden meteorologische Daten für das Berichtsjahr 2018 integriert und anhand einer Infografik aufbereitet.

Im Folgenden werden zuerst einige Kennzahlen aus dem ersten und dem aktuellen Bericht verglichen. Anschließend soll anhand der aktuellen Zahlen auf weiterhin bestehende, statistisch signifikante Unterschiede zwischen den ost- und westdeutschen Landeshauptstädte hingewiesen werden.

  1. Vergleich zwischen 1993 und 2018

Bevölkerung

Die Bevölkerungsdichte in der Brandenburgischen Landeshauptstadt 2018 ist niedriger als die Dichte der Jahre 1993/94. 2018 lebten durchschnittlich 950 Personen je km², 317 Personen weniger als 1993/94. Dünner besiedelt sind aktuell nur Schwerin und Erfurt. Gemessen an der Bevölkerungszahl war Potsdam 1993 die zweitkleinste Landeshauptstadt – und sie ist es auch heute noch.

1993 lebten in Potsdam 138.618 Einwohnerinnen und Einwohner auf ca. 110 km2, was einer Bevölkerungsdichte von 1.267 Personen je km² entspricht. Zwischen 1993 und 2018 nahm die Bevölkerung Potsdams um fast 40.000 Personen auf 178.347 Einwohnerinnen und Einwohner zu. Keine andere Landeshauptstadt verzeichnete in dieser Zeitspanne eine prozentual größere Bevölkerungszunahme. Mit einem Bevölkerungsplus von 28,7 % führt Potsdam den Vergleich vor München mit 22,7 % an. Aufgrund von Eingemeindungen in der Nachwendezeit haben alle ostdeutschen Landeshauptstädte (mit Ausnahme von Schwerin) ihre Stadtfläche zum Teil deutlich vergrößert. In Potsdam kamen insgesamt fast 80 km² hinzu.

Die Zahl der Lebendgeborenen je 1.000 Einwohner fiel 1993 in den ostdeutschen Städten deutlich niedriger aus als in den westdeutschen Vergleichsstädten. Mit 4,9 Lebendgeborenen je 1.000 Einwohner wies Potsdam 1993 den niedrigsten Wert auf. 2018 ist dieses Ost-West-Gefälle nicht mehr zu erkennen. Im vorliegenden Berichtsjahr kommt Potsdam auf 11 Lebendgeborene je 1.000 Einwohner. Das ist der dritthöchste Wert aller Landeshauptstädte.

Der Anteil der Rentner (65 Jahre und älter) lag 1993 in jeder Landeshauptstadt bei unter 20 %. 25 Jahre später ist dieser Anteil in allen Städten gewachsen. In sechs Städten liegt er heute bei über 20 %. Tendenziell ist der Rentneranteil in den ostdeutschen Vergleichsstädten heute höher als in den westdeutschen Landeshauptstädten. 1993 war das Verhältnis umgekehrt.

1993 lebten 1.891 Nichtdeutsche in Potsdam, was einem Anteil von 1,4 % entspricht. Mit Ausnahme von Berlin lag dieser Anteil in keiner ostdeutschen Stadt bei über 2 %, wohingegen beispielsweise in München und Stuttgart jeder fünfte Einwohner nicht deutsch war. 25 Jahre später ist die Differenz zwischen den ost- und westdeutschen Städten geringer geworden. Alle ostdeutschen Städte befinden sich hinsichtlich des Anteils Nichtdeutscher an der Gesamtbevölkerung in Nähe der 10 % Marke (Potsdam: 8,7 %).

Arbeitsmarkt

Alle Landeshauptstädte wiesen 2018 eine geringere Arbeitslosenquote auf als 1993. In allen ostdeutschen Landeshauptstädten, mit Ausnahme von Potsdam (1993: 7,4 %), lag die Quote in über der Marke von 10 %. Im vorliegenden Berichtsjahr waren in jeder Stadt weniger als 10 % der zivilen Erwerbspersonen arbeitslos. In Erfurt sank die Arbeitslosenquote zwischen 1993 und 2018 um 8,2 Prozentpunkte. Mit einer Arbeitslosenquote von 5,6 % belegte Potsdam 2018 zusammen mit Dresden den fünften Platz hinter München, Stuttgart, Mainz und Erfurt. Hinsichtlich der Arbeitslosenquote lässt sich kein signifikantes Ost-West-Gefälle in den Landeshauptstädten mehr erkennen.

Wohnungen

Die Landeshauptstadt Potsdam zählte 1993 63.800 Wohnungen. In den letzten 25 Jahren ist der Bestand an Wohnungen um über 26.000 auf insgesamt 90.111 Wohnungen gestiegen. Die Belegungsdichte, gemessen an den durchschnittlich in einer Wohnung lebenden Personen, ist in fast allen Städten zurückgegangen. 1993 wohnten in zwölf Landeshauptstädten durchschnittlich zwei oder mehr Personen in einer Wohnung, wobei Potsdam mit 2,2 Personen je Wohnung hinter Schwerin den zweithöchsten Wert besaß. 2018 war Wiesbaden die einzige Stadt mit einer Belegungsdichte von mehr als zwei Personen je Wohnung. In den ostdeutschen Hauptstädten war die Belegungsdichte 1993 etwas höher als in den westdeutschen Vergleichsstädten, 2018 hat sich dieses Verhältnis umgedreht. Eine Ausnahme bildet wie auch schon 1993 Potsdam. Mit einer Belegungsdichte von 1,98 Personen je Wohnung besitzt Potsdam hinter Wiesbaden und zusammen mit Hamburg die zweithöchste Dichte.

Gesundheit

Abschließend noch eine interessante Entwicklung im Gesundheitswesen. Der Versorgungsgrad an freipraktizierenden Ärzten (ohne Zahnärzte), gemessen an der Anzahl der Ärzte auf 10.000 Einwohner, ist in den westdeutschen Vergleichsstädten zwischen 1993 und 2018 gesunken, in den ostdeutschen Städten dagegen gestiegen. Heute liegt der Versorgungsgrad in den ostdeutschen Landeshauptstädten tendenziell über jenem der westdeutschen Hauptstädte. 1993 kamen in Potsdam 25 Ärzte auf 10.000 Einwohner, womit Potsdam im Städtevergleich den siebten Platz belegte. 2018 führt Potsdam dieses Ranking mit ca. 30 freipraktizierenden Ärzten an. In München und Stuttgart ist der Versorgungsgrad dagegen um 10 Punkte von 35 auf 25 gefallen.

  1. Statistische Unterschiede zwischen ost- und westdeutschen Landeshauptstädten 2018

Die Steigerungsraten der nicht deutschen Bevölkerung fallen in den ostdeutschen Städten höher aus. Der Anteil nicht deutscher Bürgerinnen und Bürger liegt dagegen in den westdeutschen Städten noch immer über den Vergleichswerten der ostdeutschen Städte. Zudem ist die nicht deutsche Bevölkerung in den Hauptstädten der neuen Bundesländer jünger.

Der Anteil der nicht ehelich Lebendgeborenen ist in den ostdeutschen Städten mit zum Teil deutlich über 50 % weiterhin höher als in den westdeutschen Vergleichsstädten. In Düsseldorf, München und Stuttgart liegt der Anteil bei unter 30%. Die Struktur der Mehrpersonenhaushalte lässt zudem erkennen, dass der Anteil der Alleinerziehenden an allen Mehrpersonenhaushalten 2018 in den ostdeutschen Landeshauptstädten etwas über den westdeutschen Werten lag.

Deutliche Unterschiede existierten auch 2017 noch hinsichtlich des Arbeitnehmerentgelts je Arbeitnehmer und der Bruttolöhne je Arbeitnehmer. Für Stuttgart stehen 55.175 Euro bzw. 44.901 Euro zu Buche, wohingegen Magdeburg bei 36.259 Euro bzw. 29.973 Euro liegt. In jeder ostdeutschen Landeshauptstadt liegen Arbeitnehmerentgelt und Bruttolohn je Arbeitnehmer im Durchschnitt unter der Marke von 40.000 Euro.

Die Betreuungsquote von Kindern unter 14 Jahren ist in den ostdeutschen Städten noch immer deutlich höher als in Westdeutschland. Potsdam und Dresden kommen bei dieser Kennzahl auf über 67 %. Sie führen das Ranking an. In Berlin, Bremen, Düsseldorf und Hamburg werden im Schnitt weniger als 35 von 100 Kindern unter 14 Jahren in öffentlichen Einrichtungen betreut.

Sowohl der Personalbestand in den Stadtverwaltungen je 1.000 Einwohner als auch der Anteil der Teilzeitbeschäftigten waren 2018 in den westdeutschen Städten höher als in den ostdeutschen Städten. In Stuttgart sind fast 40 % der Beschäftigten in Teilzeit tätig, in Dresden und Potsdam nur etwas mehr als 20 %. Mit einem Personalbestand von 13,7 Beschäftigten je 1.000 Einwohner liegt Potsdam im Städtevergleich auf Platz zehn.

Hinsichtlich der Wahlbeteiligung bei der Europawahl 2019 lassen sich keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den ost- und westdeutschen Städten erkennen. Der Briefwahlanteil war jedoch in den westdeutschen Städten tendenziell höher.

Der komplette Bericht ist unter www.potsdam.de/vergleich-landeshauptstaedte zu sehen.

%d Bloggern gefällt das: