5. Änderung der 7. SARS-CoV-2-Eindämmungsverordnung im Land Brandenburg ab 19.4.2021

Wenn am 19. April 2021 im Land Brandenburg die Schließung von Schulen und Kitas bei einer
200er Inzidenz in Landkreis oder kreisfreier Stadt inkraft tritt, wird die am gleichen Tag startende Testpflicht in Schulen und bei Beschäftigten in Kindertagesstätten ad absurdum geführt.
Dann testen wir, um zu schließen. Herzlichen Glückwunsch.
Dass nach über einem Jahr in dieser pandemischen Situation das flächendeckende Schließen von
Schulen und Kitas immer noch ein Mittel der Wahl ist, spricht Bände und ist gleichermaßen ein
Armutszeugnis für die Verantwortlichen. Darüber, ob und welche Auswirkungen das Infektionsgeschehen in Kitas und Schulen auf die gesamte pandemische Situation hat, wird auch ein Jahr
später noch gestritten. Welche Effekte die praktizierten Maßnahmen wie Maskenpflicht, Teststrategie und Impf-Fortschritt haben, fließt in Entscheidungen kaum ein. Und Erfahrungswerte,
dass auch bei geöffneten Kitas (Brandenburg Januar bis März) und bei zum Teil geöffneten Schulen (Niedersachsen Januar bis März) die regionalen Inzidenzen rapide sinken, werden ignoriert.
Und jetzt verhindern Politik und Wissenschaft mit ihrer Forderung nach einer baldigen bzw. sofortigen Schließung von Schulen und Kitas auch noch den eigentlich so sinnvoll erscheinenden
Ansatz einer flächendeckenden Strategie mit regelmäßiger Testung nahezu aller am System Beteiligten und einem effektiven Monitoring von Infektionen und Infektionsketten. An welchen anderen Orten als Gemeinschaftseinrichtungen lassen sich mit diesen Mitteln Infektionen rechtzeitig erkennen, Kontaktpersonen isolieren und Infektionsketten nachvollziehen? Die Kinder und
Pädagog*innen besuchen jeden Tag für eine lange Zeit den gleichen Ort, sie treffen die gleichen
Menschen in immer gleichen Gruppen. Ein Schul- und Kitabesuch auf Basis einer guten Teststrategie erscheint derzeit effektiver als jedes Kontakttagebuch oder jede Corona- oder Luca-App.
Wenn wir die Schulen und Kitas jetzt schließen, verlieren nicht nur die Kinder weitere Wochen
oder Monate notwendige Bildungs- und Betreuungsangebote – nein, wir verlieren auch die Kontrolle über mögliche Infektionen bei den Kindern, ihren Familien und den Pädagog*innen.
Einmal mehr wird deutlich, dass die Gesellschaft einen anderen, einen erweiterten Blick auf die
Zahlen entwickeln muss. Die Bewertung von Maßnahmen muss von weiteren Faktoren neben
der Inzidenz abhängen – von der Auslastung des Gesundheitssystems zum Beispiel oder vom
R-Wert, der das regionale Infektionsrisiko gut abbilden kann. Für Kitas und Schulen braucht es
darüber hinaus einen einrichtungsbezogenen Maßnahmeplan: Die Schließung von Bildungsorten sollte vor allem vom einrichtungsbezogenen Infektionsgeschehen abhängen. Das z. B. in
Potsdam und Bremen praktizierte Modell einer Kita-Ampel, auf deren Basis Einrichtungen gezielt
eingeschränkt oder geschlossen werden können, bietet sich dabei als Vorbild für landes- und
bundesweite Regelungen an.
Und dann kommt auch die so sinnvolle Teststrategie wieder in Fahrt: Schüler*innen, Pädagog*innen und vielleicht sogar auch Eltern regelmäßig testen, testen, testen. Und zwar um zu erkennen,
zu reagieren und zu isolieren – und nicht um zu schließen.

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