Abschiedsreport der Potsdamer Integrationsbeauftragten Magdolna Grasnick

Abschiedsreport der Potsdamer Integrationsbeauftragten Magdolna Grasnick nach mehr als 30 Jahren Amtszeit

Nach mehr als 30 Jahren erfolgreicher Arbeit als Potsdamer Ausländer- und Integrationsbeauftragte tritt Magdolna Grasnick Ende Januar ihren Ruhestand an. In der heutigen Stadtverordnetenversammlung hat sie ihren Abschiedsreport gehalten.

In ihrem Report gab Magdolna Grasnick einen kurzen Rückblick über die für sie einschneidenden Wende- und Nachwendjahre als Ausländerbeauftragte. Schon am 1. September 1990 hatte sie ihre Arbeit aufgenommen. Zu den ersten Aufgaben der gebürtigen Ungarin zählte die Unterstützung von 16 vietnamesischen DDR-Vertragsarbeitern, die durch die Wende beim VEB Bau und Montagekombinat arbeitslos geworden waren. Magdolna Grasnick vermittelte ihnen Unterkünfte und unterstützte sie bei der Ebnung ihres beruflichen Weges. Für die ersten jüdischen Zuwanderer aus der Sowjetunion hat sie Gelder für Deutschkurse beantragt, verwaltet und persönlich an die Hochschule Potsdam, die heutige Universität, bezahlt.

Eine wichtige Erinnerung für die Integrationsbeauftragte ist der Sommer 1991. Nach dem Atomreaktorunglück in Tschernobyl fuhr sie gemeinsam mit Kolleginnen aus dem Jugendamt los, um Kinder aus der Gegend um Tschernobyl für einen Ferienaufenthalt nach Potsdam zu holen und ihnen in Potsdam unbeschwerte und erholsame Tage zu ermöglichen.

Zu den Streitkräften der Sowjetarmee pflegte die Ausländerbeauftragte vielfältige Kontakte, sei es, um deren Kinder noch kurz vor Abzug entsprechende Impftermine zu vermitteln, wie es das Gesundheitsamt empfahl oder während der Weihnachtszeit Potsdamer Offiziersfamilien der Sowjetarmee Geschenke der Potsdamer Bevölkerung zu überbringen.

Ende der 90er-Jahre lernte Magdolna Grasnick eine ehemalige Zwangsarbeiterin aus Belarus kennen. Aus diesem Kontakt entstand ein für sie sehr wichtiges Begegnungsprojekt zwischen dem Potsdamer Frauenzentrum, dem Verein Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück und einem Altenheim auf der Krim.

Neben der Schilderung dieser einschneidenden Erinnerungen blickte Magdolna Grasnick in ihrem Report auf den Aufbau der vielfältigen Integrationsstrukturen, für die sie sich während ihrer Amtszeit einsetzte. So initiierte sie 1991 zusammen mit dem Verein Initiative für Ausländer als eine der ersten ostdeutschen Kommunen die Beteiligung Potsdams an der jährlichen bundesweiten „Woche der ausländischen Mitbürger“, die heute als Interkulturelle Woche bekannt ist. Magdolna Grasnick sagt: „Die interkulturelle Woche ist in Potsdam mittlerweile feste Tradition. Die zum Nachdenken anregenden aber auch lebendig-fröhlichen Veranstaltungen zeigen, wie facettenreich das interkulturelle Leben in Potsdam mittlerweile ist.“

Als einen großen Fortschritt bezeichnet die Integrationsbeauftragte die im Jahr 1992 von der Stadtverordnetenversammlung beschlossene Gründung des Potsdamer Ausländerbeirates. „Für die damalige Zeit war das politisch nicht selbstverständlich und ich war sehr froh darüber, dass uns dies so schnell in Potsdam gelungen ist. Damit war der Grundstein für die politische Partizipation von Migrant*innen gelegt,“ so Grasnick.

Magdolna Grasnick beförderte während ihrer Amtszeit den Aufbau vielfältiger Strukturen der Integrationsarbeit in Potsdam, wie zum Beispiel die Gründung des Fördervereins des Flüchtlingsrates Brandenburg sowie die Flüchtlingsberatungsstelle beziehungsweise den heutigen Beratungsfachdienst für Migrant*innen des Diakonischen Werkes.

Als die Potsdamer Stadtverordneten im Jahr 2008 das erste Integrationskonzept beschlossen, das unter ihrer Federführung in einem breiten Beteiligungsprozess entstanden war, veränderte sich auch die fachlich inhaltliche Arbeit der Integrationsbeauftragten. Während ab den 90er-Jahren individuelle Hilfestellung, Unterstützung und Ombudsfunktion die hauptsächliche Rolle der Integrationsbeauftragten waren, stehen heute verstärkt Konzeptentwicklung sowie Strategie- und Steuerungsfragen der Integrationsarbeit im Vordergrund.

Aus diesem Grund ist für Magdolna Grasnick auch die Transparenz über den Stand und den Verlauf des Integrationsprozesses anhand objektiver Daten unerlässlich für eine erfolgreiche Gestaltung der Integrationspolitik. 2010 erstellte sie gemeinsam mit dem Büro für Chancengleichheit und Vielfalt das erste Integrationsmonitoring, das seither regelmäßig mit Unterstützung des Bereichs Statistik und Wahlen erstellt wird und das im Land Brandenburg seinesgleichen sucht.

In Bezug auf die aktuelle Lage mahnt die Integrationsbeauftragte in ihrem Report an, die Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung für die wohnungsähnliche Unterbringung von geflüchteten Menschen und für die Rettung von Menschen aus Seenot zügig umzusetzen. Weiterhin geht sie auf die wichtige Arbeit der freien Träger in der Migrationssozialarbeit ein, die eine wertvolle Arbeit für die Landeshauptstadt Potsdam leisten. Grasnick fordert hier Vertragssicherheit für die Träger.

Darüber hinaus beinhaltet Grasnicks Report drei Botschaften aus dem Kreis der Migrant*innen, die die Integrationsbeauftragte in ihren Report aufgenommen hat:

Die Bitte um Verbesserung der Zusammenarbeit innerhalb der Ämter in der Stadtverwaltung, um Unterstützungsstrukturen für Migrant*innen besser miteinander abzustimmen, der Wunsch der Migrant*innen nach verständlicher Kommunikation der Ämter mit den Migrant*innen sowie die größere Sichtbarmachung der bestehenden vielfältigen Projektlandschaft. „Zu viele wichtige Projekte und Anlaufstellen sind den Menschen vor Ort einfach viel zu wenig bekannt“, sagt Magdolna Grasnick. Sie schlägt vor, dieses Problem zukünftig auch digital mit der „Integreat-App“ zu lösen. „Diese App ist mehrsprachig und niedrigschwellig und kann die Wirksamkeit der zahlreichen Projekte in Potsdam erhöhen“, so Grasnick.

Der Report der vielseitig geschätzten und fachlich versierten Integrationsbeauftragten enthält aber auch viel Lob für die Stadt und ihre Integrationspolitik: Sie sagt: „In den letzten Jahren ist in Potsdam sehr viel Positives passiert. Potsdam spielt eine Vorreiterrolle, was die hervorragende Zivilgesellschaft, die Beschlüsse der Stadtverordneten sowie die politische Linie des Oberbürgermeisters betrifft“.

Nach 30 Jahren engagierter Arbeit für die Stadtgesellschaft bedankt sich Magdolna Grasnick bei vielen Mitstreitenden und Kolleg*innen. Allen voran dankt sie den Stadtverordneten für deren ehrenamtliches Engagement, dem Oberbürgermeister für seine ernsthafte Unterstützung der Integrationsarbeit sowie ihrem Team im Büro für Chancengleichheit und Vielfalt, auf das sie immer zählen konnte und dem Migrantenbeirat. „Weiterhin Danke an alle Menschen, die die Migrations- und Integrationsarbeit in Potsdam unterstützt haben und mit mir ein Stück des Weges gemeinsam gegangen sind“.

Im Amt der Beauftragten für Migration und Integration der Landeshauptstadt Potsdam folgt Dr. Amanda Palenberg auf Magdolna Grasnick. Die Stadtverordneten hatten die 28-jährige bereits im September für die Dauer von fünf Jahren zur neuen Beauftragten für Migration und Integration gewählt.

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