Afrikanische Schweinepest: Offen gelassene Zauntore gefährden Eindämmung im Landkreis

Im Landkreis Spree-Neiße/Wokrejs Sprjewja-Nysa stagniert die Zahl der Wildinfektionen mit dem Erreger der Afrikanischen Schweinepest weiterhin bei 35 labordiagnostisch bestätigten Fällen im Kerngebiet. Die vergleichsweise stabile Lage könnte jedoch durch unachtsames Verhalten gefährdet werden. In den vergangenen Tagen wurde vermehrt beobachtet, dass die Tore der Schutzzäune von Passanten nicht korrekt verschlossen werden. Trotz der regelmäßig stattfinden Kontrollen entstehen so gefährliche Sicherheitslücken.

Landrat Harald Altekrüger richtet einen Appell an alle Einwohnerinnen und Einwohner des Landkreises: „Wir haben viel Zeit, Mühe, personelle Kräfte und auch Geld investiert, um die hiesige Wirtschaft vor den Auswirkungen der Afrikanischen Schweinepest zu bewahren. Leider müssen wir beobachten, dass die Tore der Schutzzäune um das Kerngebiet und der Weißen Zone immer häufiger von Spaziergängerinnen und Spaziergängern nach dem Passieren nicht geschlossen werden. Dabei könnte nur eine kurzzeitig offen stehende Tür dazu führen, dass die Tiere die Infektion wieder in neue Gebiete eintragen und die Eindämmungsmaßnahmen müssen erneut beginnen. Daher bitte ich alle Spaziergängerinnen und Spaziergänger nachdrücklich, die Türen stets sorgsam hinter sich zu schließen. Es ist eine kleine Handlung, die jedoch monatelange Arbeit zunichtemachen kann. Ich spreche auch im Namen aller landwirtschaftlichen Betreiber, wenn ich sage: Bitte schließen sie die Türen der Schutzzäune hinter sich, wenn sie das Gebiet betreten oder verlassen.“

Die Zahl der mit der Afrikanischen Schweinepest infizierten Wildschweine ist 2021 im Land Brandenburg erneut gestiegen. Die Tierseuche wurde innerhalb einer Woche bei 48 neuen Funden vom Nationalen Referenzlabor des Friedrich-Loeffler-Instituts nachgewiesen, zwei der neuen Funde lagen rund zwei Kilometer außerhalb des Kerngebiets im Landkreis Märkisch-Oderland. Auch in Sachsen und im Nachbarland Polen werden immer mehr betroffene Tiere aufgefunden.

Weitere Informationen und die aktuelle Fallzahlen unter: https://www.fli.de/de/aktuelles/tierseuchengeschehen/afrikanische-schweinepest/

Hintergrund:
Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine anzeigepflichtige Tierseuche, die Haus- und Wildschweine betrifft. In den afrikanischen Ursprungsländern übertragen Lederzecken das Virus der ASP. Diese spielen in Mitteleuropa keine Rolle. Hierzulande überträgt sich das Virus direkten Kontakt mit infizierten Tieren oder deren Kadavern, das Aufnehmen von Speiseabfällen oder Schweinefleischerzeugnissen bzw. -zubereitungen sowie andere indirekte Übertragungswege (Fahrzeuge, kontaminierte Ausrüstungsgegenstände einschl. Jagdausrüstung, landwirtschaftlich genutzte Geräte und Maschinen, Kleidung). Der Kontakt mit Blut ist der effizienteste Übertragungsweg. Nach einer Infektion entwickeln die Tiere sehr schwere, aber unspezifische Allgemeinsymptome. Die ASP ist keine Zoonose, also zwischen Tier und Mensch übertragbare Infektionskrankheit, und daher für den Menschen ungefährlich. Andere Haus- und Wildtiere sind ebenfalls nicht empfänglich für die ASP.
Gemäß der Strategie des Landes Brandenburg zur Bekämpfung der ASP wurde eine sogenannte „weiße Zone“ um das erste Kerngebiet „Sembten/Neuzelle“ eingerichtet. Dabei handelt es sich um einen circa fünf Kilometer breiten Streifen, der das Kerngebiet wie ein Halbkreis auf dem Gebiet der Landkreise Oder-Spree, Spree-Neiße und Dahme-Spreewald umschließt. Das gesicherte Gebiet hat eine Fläche von rund 285 Quadratkilometern und wird mit zwei festen Zaun-Reihen  gesichert – einem äußeren und einem inneren.
Das Konzept einer „weiße Zone“ beziehungsweise „Zone Blanche“ wurde im Jahr 2018 in Belgien entwickelt. Dort hatten die Behörden feste Zäune hin zur französischen Grenze aufgestellt, um eine Ausbreitung der Seuche nach Westen zu verhindern. Frankreich etablierte zeitgleich ein eigenes Zaunsystem, so dass ein Korridor geschaffen wurde, der mit jagdlichen Maßnahmen im Rahmen der Tierseuchenbekämpfung weitgehend wildschweinfrei gehalten werden konnte.

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