Analyse der Deiche an der unteren Mittelelbe zeigt Handlungsbedarf auf

Lüneburg.  Die Hochwasser der frühen 2000er Jahre stellten sie gleich mehrfach auf die Probe – jetzt wurden die Deiche an der unteren Mittelelbe einer detaillierten Analyse unterzogen. Diese attestiert den Schutzanlagen überblickend einen guten Zustand, macht aber auch auf vorhandene Defizite aufmerksam. Auf die Hochwasserschützer komme in den kommenden 30 Jahren viel Arbeit zu, so das Fazit.

Bild NLWKN

Hintergrund der am Dienstag vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Lüneburg an die Deichverbände übergebenen Untersuchung des Deichbestands im niedersächsischen Elbeabschnitt zwischen Schnackenburg und Rönne waren die extremen Hochwasserereignisse von 2002 bis 2013. „Damals haben die Deiche zwar stets den enormen Belastungen standgehalten – nicht zuletzt, weil die Verbände und Einsatzkräfte vor Ort einen enormen Aufwand bei der Deichverteidigung betrieben haben. Es kam aber an diversen Deichabschnitten zu deutlich erhöhten Sickerwasseraustritten vor dem Deichverteidigungsweg und im Binnenbereich“, erinnert sich Heiko Warnecke, Geschäftsbereichsleiter und Ansprechpartner der Deichverbände in der NLWKN-Betriebsstelle Lüneburg.

Nicht zuletzt diese bekannten Sickerwasserbereiche wurden nun einer genauen Baugrunduntersuchung unterzogen. Hierbei ging es etwa um die Bestimmung der Lagerungsdichte, den Aufbau der einzelnen Bodenschichten und eine Überprüfung auf innere Erosions- und Suffosionsprozesse, sowie eine Standsicherheitsbetrachtung. Auch die Eisthematik an der Elbe wurde berücksichtigt. Die mit Fördermitteln des Landes Niedersachsen ermöglichte Deichbestandsanalyse beinhaltet zudem eine visuelle Begutachtung, eine Bestandsvermessung der Anlagen und Deiche sowie weitere geologische Erkundungsmaßahmen. „Insgesamt geht es darum, einen Eindruck vom technischen Zustand der Deiche zu erhalten und zu prüfen, wie gut sie für die heutigen Anforderungen hinsichtlich ihrer Konstruktion und Höhe gerüstet sind“, so Heiko Warnecke.

Im Ergebnis zeigt der jetzt vorgestellte Bestand der Hochwasserschutzanlagen, dass sich diese in einem guten und wehrhaften Zustand befinden. „Allerdings müssen die Deiche an die neuen Herausforderungen angepasst werden, um auch künftig zuverlässig vor Gefahren schützen zu können“, betont der NLWKN-Experte und Verfasser der Studie Clemens Löbnitz. So zeigen die einbezogenen hydraulischen Berechnungen der Bundesanstalt für Gewässerkunde Fehlhöhen von bis zu 80 Zentimetern an den Elbdeichen auf. Zudem ist ihr Sandkern teils zu locker gelagert und der Deichverteidigungsweg liegt zu tief.

Der erforderliche Finanzbedarf zur Bewältigung der Aufgaben wird auf rund 313 Millionen Euro geschätzt. „Die Arbeiten werden einen Zeitraum von 25 bis 30 Jahren in Anspruch nehmen und bedingen eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Akteure“, so Heiko Warnecke. Diese hatten die Deichverbände und der NLWKN zuletzt im Nachgang zu den jüngsten Hochwasserereignissen unter Beweis gestellt, als es galt, Deichkronen, Deichüberfahrten und Deichzuwegungen nach der starken Beanspruchung während der Deichverteidigung wieder instand zu setzen.

 

 

%d Bloggern gefällt das: