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AOK-Experteninterview zu Spiel- und Onlinesucht

Einfach nur Spaß am Spiel oder süchtig danach?

Eltern machen sich oft Sorgen, wenn ihre Kinder sehr viel Zeit vor dem Computer oder dem Smartphone verbringen. Das heißt aber noch nicht automatisch, dass sie schon onlinesüchtig sind. Woran sich die Onlinesucht erkennen lässt und wie Eltern ihre Kinder bei einem gesunden Umgang mit Games und sozialen Netzwerken unterstützen können, erklärt Birgit Lesch, Diplom-Psychologin bei der AOK Nordost.

Frau Lesch, viele Eltern können schwer einschätzen, ob das Mediennutzungsverhalten ihrer Kinder noch im grünen Bereich liegt. Welche Anzeichen deuten auf eine Sucht hin?

Wenn Jugendliche mal eine Phase haben, in der sie sehr viel Zeit vorm Computer verbringen – sei es, um zu spielen oder um in den sozialen Netzwerken zu kommunizieren – muss das nicht gleich auf eine krankmachende Entwicklung hindeuten. Bedenklich wird es, wenn Sohn oder Tochter nächtelang vor dem Computer sitzen, sich sozial völlig abkapseln, Körperpflege, Ernährung und Gesundheit vernachlässigen, kaum noch andere Interessen haben und aggressiv reagieren, wenn ihnen Computer oder Smartphone entzogen werden.

Was sollten Eltern dann tun?

Der wichtigste Rat: Eltern sollten immer versuchen, mit ihrem Kind im Gespräch zu bleiben. Sie können dabei auch ihre Sorge zum Ausdruck bringen. Das zeigt dem Kind, dass sie Interesse an seinem Alltag haben und Anteil nehmen. So können Eltern auch herausfinden, ob es Gründe für das exzessive Spiel- oder Online-Nutzungsverhalten gibt. Leidet das Kind zu sehr unter schulischem Stress? Hat es Ärger in der Schule oder im Freundeskreis? Manchmal geht es dem Kind einfach nur darum, in einem Spiel ein bestimmtes Level zu erreichen – und danach ist der Spuk wieder vorbei. Wichtig ist, sich die Erklärungen des Kindes in Ruhe anzuhören, ohne diese gleich zu bewerten. Sonst merken die Kinder schnell, dass sie hier nur belehrt werden – und erzählen nichts mehr. Wenn die Eltern aber gar keinen Zugang mehr zu ihrem Kind finden, sollten sie sich an eine Sucht- oder Erziehungsberatungsstelle wenden.   

Wie können Eltern ihre Kinder bei einem gesunden Umgang mit Computerspielen und Internet unterstützen?

Das Beste, was sie tun können: Mit gutem Beispiel vorangehen. Eltern, die selbst ständig am Smartphone oder vor dem Computer hängen, sind kein gutes Vorbild für den Nachwuchs. Zur Medienkompetenz gehört es auch, zu erkennen, wann es Zeit für eine Spiel- oder Filmpause ist und dass eine zu lange Medienzeit schädlich sein kann. Besser als strikte Verbote sind hier klare Regeln. Diese können in einem Mediennutzungsvertrag stehen, den Eltern und Kind gemeinsam unterschreiben. Natürlich gelten diese Regeln dann auch für die Eltern und sollten von ihnen eingehalten werden.

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