Bahn hängt Beelitzer weiter ab

Fahrten nach Berlin dauern 30 Minuten länger, nach Dessau sogar 75 Minuten.

Die zweimonatige Sperrung der Bahnstrecke zwischen Seddin und Bad Belzig, die am 11. September beginnt, sorgt in der Stadt Beelitz und ihren Ortsteilen bereits jetzt für großen Ärger. Voller Unverständnis haben sich in den vergangenen Wochen mehrere Pendler an die Stadtverwaltung gewandt, da sie durch das Ersatzkonzept der Bahn auf ihrem Arbeitsweg teils mehr als eine Stunde zusätzliche Fahrzeit pro Richtung einplanen müssen. Zudem sind von den Baumaßnahmen auch viele Schüler der Flämingregion betroffen, die die weiterführenden Schulen in der Kreisstadt Bad Belzig, Beelitz, Michendorf oder Potsdam besuchen.

Die Bahn investiert nach eigenen Angaben 16 Millionen Euro, um die Gleise zwischen Wilhelmshorst und Bad Belzig zu sanieren. Dafür werde vom 11. September bis 24. November die Strecke zwischen Seddin und Bad Belzig komplett gesperrt. Bis 1. Oktober ist auch zwischen Michendorf und Beelitz Stadt auf der Strecke nach Jüterbog ein Ersatzverkehr nötig. Für den hat die Deutsche Bahn jetzt das genaue Konzept veröffentlicht: Wer von Beelitz-Heilstätten nach Berlin will, muss mit dem Ersatzbus zum Bahnhof Seddin und dort 22 Minuten auf den Zug waren. Die Fahrzeit verlängert sich um gut 30 Minuten. In Richtung Dessau verlängert sich die Fahrzeit sogar von 55 Minuten auf zwei Stunden und 20 Minuten, in Bad Belzig muss in den Expressbus nach Dessau umgestiegen werden. Dieser soll von Dessau nach Potsdam fahren, zwischen Bad Belzig und Potsdam aber nur in Michendorf halten. Die genannten Fahrzeiten und Umstiege entstammen der Fahrplanauskunft auf www.bahn.de, seitens des Unternehmens hat es mit der Stadt leider bis heute keine Kommunikation gegeben.

„Wir verstehen wirklich nicht, warum der Expressbus nicht in Beelitz-Heilstätten halten kann“, sagt Bürgermeister Bernhard Knuth. Bereits am 12. August, einen Tag nach Bekanntmachung des groben Ersatzkonzeptes ohne die genauen Fahrzeiten, hatte die Stadt Beelitz die Verantwortlichen gebeten, das Ersatzkonzept zu überdenken – bisher ohne jede Reaktion. Auch die mittelmärkische Kreisverwaltung in Bad Belzig hat dem Beelitzer Rathaus bestätigt, dass man nur schwer an Informationen zum Ersatzkonzept gelangt ist und mit diesem derzeit noch nicht zufrieden ist. So ist es auch in der Kreisverwaltung nur schwer nachvollziehbar, warum der Expressbus Dessau-Potsdam etwa in Jeber-Bergfrieden und Medewitz hält – zwei Bahnhöfe im ländlichen Bereich und mehrere Kilometer von der A9 entfernt –, nicht aber am nahe der Autobahn gelegenen Bahnhof in Beelitz-Heilstätten.

„Zweieinhalb Monate lang sollen unsere Pendler und Schüler in Richtung Potsdam und Berlin nun in Seddin umsteigen und dort gut 20 Minuten auf die Abfahrt des Zuges warten. Und das bei Wind und Wetter, obwohl es auf den Bahnsteigen nur je einen kleinen Unterstand in Bushaltestellengröße gibt“, so Bernhard Knuth weiter. „Und den Pendlern nach Dessau ist es kaum  zuzumuten, zwei Stunden und 20 Minuten mit den Ersatzbussen unterwegs zu sein, wenn die Zugfahrt normalerweise nur 55 Minuten und eine Autofahrt sogar nur 50 Minuten dauert.“ In der Stadt an der Elbe ist vor allem das Umweltbundesamt ein großer Arbeitgeber mit vielen Pendlern aus Potsdam-Mittelmark, Potsdam und Berlin. Ein Großteil von ihnen fährt normalerweise mit dem Zug.

Bernhard Knuth: „Wie schon Mitte August betont verstehen wir im Beelitzer Rathaus, dass Bahnstrecken saniert und dafür komplett gesperrt werden müssen. Auch sind wir froh, dass die Arbeiten jetzt und nicht im kommenden Jahr während der Landesgartenschau durchgeführt werden. Was wir jedoch nicht verstehen, ist, wie die Bahn alle Fahrgäste aus den vollen Zügen des RE7 in zwei Ersatzbusse bekommen will.“ Gemeint sind dabei der in Beelitz-Heilstätten und an allen Bahnhöfen entlang der Strecke haltende stündliche Ersatzbus und der Expressbus, der zwischen Potsdam und Bad Belzig nur in Michendorf hält. „Wir bitten die Verantwortlichen nun dringend, Anpassungen vorzunehmen und unsere Pendler und Schüler nicht in Seddin im Regen stehenzulassen“, so der Bürgermeister.

Immerhin steht nun auch das Ersatzkonzept für den nur bis zum 1. Oktober geplanten Ersatzverkehr der von der ODEG betriebenen RB33 zwischen Beelitz Stadt und Berlin Wannsee. Auch hier verdoppelt sich die Fahrzeit für Beelitzer fast, statt 28 Minuten sollen sie 54 Minuten nach Wannsee unterwegs sein und beim Umstieg in Michendorf knapp 20 Minuten warten. Ein schwacher Trost dabei: Im Gegensatz zum Bahnhof in Seddin gibt es in Michendorf immerhin richtige Bahnsteigdächer.

%d Bloggern gefällt das: