„Bares-für-Rares“-Schatz geht gemeinsam mit Groß-Glienicke-Gemälde als Geschenk ans Potsdam Museum

Der Vorsitzende des Fördervereins des Potsdam Museums, Markus Wicke, hat heute gemeinsam mit Museumsdirektorin Dr. Jutta Götzmann zwei neu erworbene und frisch restaurierte Gemälde vorgestellt, die als Geschenk des Vereins in die Kunstsammlung des Potsdam Museums – Forum für Kunst und Geschichte übergehen sollen. Es handelt sich dabei um das Ölgemälde „Kellertorbrücke im Herbst“ von Max Koch (1917, Öl auf Sperrholzplatte, 35x 50 cm) und um das Gemälde „Glienicke bei Kladow“ von Paul Lehmann-Brauns (Öl/Harzmalerei auf Leinwand, 80,7 x 58,8 cm). Beide Gemälde wurden im Auftrag des Fördervereins durch die Potsdamerin Regina Klug restauriert.

„Mein herzlicher Dank gilt unserem Förderverein, der mit dem Glienicker Landschaftsmotiv von Paul Lehmann-Brauns unsere Sammlung zum Impressionismus bestens ergänzt. Mit der ‚Kellertorbrücke im Herbst‘ erweitert sich unser Kunstbestand auf insgesamt acht Gemälde von Max Koch, der besonders das Areal um die Alte und Neue Fahrt in Potsdam bildkünstlerisch verarbeitet hat“, sagt die Direktorin des Potsdam Museums.

Die „Kellertorbrücke im Herbst“ wurde Ende Januar dieses Jahres in der beliebten ZDF-Sendung „Bares für Rares“ an den Wiesbadener Händler David Suppes verkauft. Das Gemälde zeigt die heute zerstörte Potsdamer Kellertorbrücke am früheren Stadtkanal. „Nach sofortigen Hinweisen aufmerksamer Zuschauer an uns und einer schnellen Verhandlung mit dem Händler, der noch weitere Interessenten aus Potsdam hatte, konnten wir das Bild für das Potsdam Museum sichern und mit Hilfe vieler Spenden ankaufen und restaurieren lassen“, schildert Markus Wicke den Weg des Bildes nach Potsdam. Die prominenteste Spenderin ist die schwedische Urenkelin des Künstlers Max Koch, Anna Öhman.

Der Schöpfer des Gemäldes Max Koch (1859 – 1930), verbrachte seine letzte Lebens- und Schaffensphase in Potsdam. Dieses Stück des Potsdamer Stadtkanals mit der Kellertorbrücke malte Max Koch in den 1910er-Jahren in verschiedenen Varianten und Ansichten. In dieser Version aus dem Jahr 1917 interessierte ihn das im Sonnenuntergang feuerrot leuchtende Herbstlaub, das sich im stadteinwärts fließenden Stadtkanal spiegelt. Ein anderes Mal faszinierten ihn die schneebedeckten Bäume am Kanal oder die Schwäne am jüngst wieder aufgebauten Kellertorhaus. Fast immer malte er Potsdam vom Wasser aus. Dies gelang ihm nur durch sein Hausboot, das Max Koch selbst „Malkasten“ nannte, wie der Berliner Max-Koch-Spezialist Heinz Werner Lawo in seinen jahrelangen Recherchen zu Leben und Werk herausfand.

Das zweite Gemälde des Berliner Impressionisten Paul Lehmann-Brauns (1885-1970) aus dem Jahr 1930 trägt den Titel „Glienicke bei Kladow“ und zeigt das ehemalige Gut des heutigen Potsdamer Ortsteils Groß Glienicke am Ufer des gleichnamigen Sees. Bisher ist Paul Lehmann-Brauns noch nicht in der Sammlung des Potsdam-Museums mit einem Ölbild vertreten, obwohl er auch persönliche Bezüge zur Stadt hatte. Sein Sohn Gerhard war nach einer Ausbildung als Chirurg 1937 nach Potsdam gezogen; hier besuchte ihn sein Vater oft und malte auch einige klassische Stadtansichten wie das Schloss Sanssouci oder Schloss Charlottenhof. Der Enkelsohn des Malers, der Berliner Jurist und Politiker Uwe Lehmann-Brauns, wurde 1938 ebenfalls in Potsdam geboren. Dessen in Berlin lebende Tochter Anna Lehmann-Brauns ist als zeitgenössische Fotografin bekannt.

Paul Lehmann-Brauns kam erst spät zur Malerei. Er wurde 1885 in Neufahrwasser/Danzig als Paul Lehmann geboren. Seine Kindheit verbrachte der Sohn eines Eisenbahners in Halle/Saale und schlug danach den Berufsweg eines Lehrers in den Fächern Englisch, Französisch und Zeichnen ein. Nach dem Umzug nach Berlin und der Anstellung an einer Neuköllner Schule begann er erst 1918 eine künstlerische Ausbildung beim bekannten Eugen-Bracht-Schüler Hans Licht, der ihn drei Jahre lang begleitete.

Bereits 1921 nahm Paul Lehmann-Fahrwasser – so sein erster Künstlername – an der Großen Berliner Kunstausstellung teil. Weitere Ausstellungsbeteiligungen und Auftragsarbeiten (etwa der Firma Borsig) folgten. Ende 1923 legte er sich schließlich den Künstlernamen Paul Lehmann-Brauns zu. Er malte in den nächsten 40 Jahren seiner künstlerischen Karriere vorwiegend norddeutsche Landschaften, wie die der Inseln Föhr, Sylt und Rügen. Dazu kamen etliche Stadt- und Industrielandschaften, aber auch Landschaftsmotive aus dem Berliner Umland, wozu das nun erworbene Ölgemälde zählt.

„Das Motiv ist auch zeithistorisch interessant, zeigt es doch das heute nicht mehr in seiner Gesamtheit existierende Gut Groß Glienicke vor seiner Teilung nach dem Zweiten Weltkrieg“, so Markus Wicke. Besonders gut ist auf dem Gemälde der Turm des 1945 abgebrannten Herrenhauses aus dem 19. Jahrhundert (später überformt) zu erkennen sowie einige der ehemaligen Wirtschaftsgebäude des Gutes.

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