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Begiftung der Wälder war unnötig – Landesregierung stellt nur geringe Frassschäden in nicht besprühten Wäldern fest

Potsdam − In einer Antwort auf die Kleine Anfrage des Abgeordneten Günter Baaske musste die Landeregierung zugeben, dass in den Kiefernbeständen, die nicht mit dem Totalinsektizid „Karate Forst flüssig“ behandelt wurden, nur zwischen 10 und 30 Prozent Nadelverluste durch Raupenfrass zu verzeichnen seien. Noch Mitte Mai hatte Agrar- und Umweltminister Jörg Vogelsänger im Landtag erklärt ohne die Ausbringung des Totalinsektizid drohe eine „ökologische Katastrophe“. Es sei mit einem Totalverlust der Wälder zu rechnen. Der Landesforstbetrieb hatte sogar behauptet, der Befall durch die Raupen der Nonne sei derart massiv, dass die Kiefern bis zu 23 Mal kahlgefressen werden könnten. Nunmehr stellt sich heraus, dass die Nonnenraupen nur geringe Schäden verursacht haben.

Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hatte aufgrund einer Klage des NABU Brandenburg durch einen Sofortbeschluss vom 17. Mai entschieden, dass die Ausbringung des Totalinsektizids unverzüglich eingestellt werden muss. Immerhin konnte damit die Begiftung der Wälder in den Ortslagen von Fichtenwalde, sowie Teilen von Borkheide und Borkwalde auf einer Fläche von 2.500 Hektar noch verhindert werden. Auf etwa der doppelten Fläche hatte der Landesforstbetrieb das Totalinsektizid vor dem Gerichtsbeschluss schon versprüht. Viele Bürgerinnen und Bürger aus den betroffenen Waldgemeinden hatten sich ebenfalls vehement gegen die Ausbringung des Giftes gewehrt. Sie befürchteten auch gesundheitliche Risiken.

Das Oberverwaltungsgericht hatte insbesondere bemängelt, dass der Landesforstbetrieb die Auswirkungen auf Arten und Lebensgemeinschaften nicht ausreichend geprüft habe. Der NABU hatte geltend gemacht, dass „Karate Forst flüssig“ als Kontaktgift alle Insekten, auch die natürlichen Gegenspieler der Nonne, in den besprühten Waldgebieten vernichtet. Die Begiftungsaktion fand gerade zur Brutzeit der Vögel statt. Durch den Ausfall der Insekten fehlen Vögeln und Fledermäuse ausreichend Nahrung, um ihre Jungen groß zu ziehen. Man weiß aus Studien, dass auch das Verfüttern von besprühten Insekten negative Auswirkungen auf die Brut hat.

„Völlig grundlos wurde Panik verbreitet, um die Begiftung mit dem Totalinsektizid zu rechtfertigen. Jetzt muss man feststellen, dass die Ausbringung von „Karate Forst flüssig“ unnötig war. Auf den schon begifteten Flächen ist aber der große Schaden für die Waldlebensgemeinschaften und die Organismen des Waldbodens bereits eingetreten. Auch Steuergelder wurden damit völlig unntötig für die Begiftungsaktion eingesetzt. Ich bin erschüttert, dass derart leichtfertig der großflächige Einsatz des Totalinsektizids angeordnet worden ist.“ erklärt Friedhelm Schmitz-Jersch, NABU-Landesvorsitzender.

Zum Nachlesen:
Im Anhang finden Sie die Antworten auf die Kleine Anfrage des Abgeordneten Baaske, Drucksache 6/11912 – siehe Antwort auf Frage 5

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