„Das ist kein Tierschutz“ – Landestierschutzbeauftragter warnt vor illegalem Tierhandel

Experten gehen von vielen 10.000 Hunden und Katzen pro Jahr aus, die aus Süd- und Südosteuropa, aber auch aus Drittstaaten, oft illegal, nach Deutschland verbracht werden. Damit verbunden sind lange, die Tiere belastende Transporte. Oft sind die Tiere mit Krankheiten infiziert, unzureichend geimpft und sozialisiert. Dies zeigt sich aktuell bei einem Tollwutfall eines Hundewelpen aus der Türkei, wie in dieser Woche aus Bremen berichtet wurde.

Die Hunde und Katzen landen teilweise in Tierheimen, teils gehen sie direkt an Privatpersonen. Stichproben ergaben auch in Brandenburg mitunter einen komplett fehlenden Tollwutschutz bei eingeführten Hunden. Dazu kommen Erkrankungen der eingeführten Tiere, die bei den heimischen Tieren unbekannt sind und gegen die dadurch keine natürliche oder nur unzureichende Abwehr vorhanden ist. Auch sind diese exotischen Erkrankungen den Tierärzten hierzulande oft noch unbekannt und werden dadurch bei erkrankten Tieren nicht diagnostiziert. Einige dieser Erkrankungen müssen lebenslang therapiert werden, da eine Heilung nicht möglich ist, manche sind auch auf den Menschen übertragbar.

Landestierschutzbeauftragter Dr. Stefan Heidrich: „Der Heimtier-Boom in Corona-Zeiten heizt die Einfuhren weiter an. Den Wunsch nach einem Haustier bei vielen Menschen machen sich unseriöse Händler zunutze. Organisationen erzeugen Mitleid bei potentiellen Käufern und geben vor, im Interesse des Tierschutzes zu arbeiten. Dabei sind sie vielmehr an den Gewinnen durch den Verkauf interessiert oder schlecht über die Gefahren und Erkrankungen informiert. Die Unterlagen zu den Tieren sind vielfach gefälscht.“

Zum illegalen Handel mit Heimtieren führte Dr. Heidrich kürzlich eine Arbeitsberatung mit den für den Tierschutz zuständigen Behörden des Landes Brandenburg durch.

Der Landestierschutzbeauftragte appelliert an potentielle Hunde- und Katzenhalter folgende Kriterien beim Kauf eines Welpen zu beachten:

  • Kaufen Sie Hunde- und Katzenwelpen bei seriösen Züchtern und/oder Tierschutzvereinen, die transparent und nachvollziehbar tierschutzkonform handeln.
  • Verschaffen Sie sich einen Überblick über die Unterbringung der Tiere, spätestens bei der Übergabe der Welpen. Lassen Sie sich nicht täuschen: Ein Muttertier, welches die Welpen gerade versorgt, zeigt ein deutlich ausgebildetes Gesäuge (Milchdrüsen). Vorsicht vor allem in Großstädten: Teilweise werden als Zuchtstätte getarnte Wohnungen extra für Übergaben angemietet.
  • Das Mindestalter der Welpen bei der Trennung von der Mutter soll mindestens acht Wochen betragen. Aus dem Ausland eingeführte Hundewelpen müssen mindestens 15 Wochen alt sein, um den erforderlichen Tollwutschutz bei Einfuhr zu besitzen. Verlangen Sie immer den vorgeschriebenen EU-Heimtierausweis, der die Tiere bei Grenzübertritt begleiten muss.
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