Denkmale live vor Ort und digital erleben

Mehr als 20 historische Orte öffnen zum Tag des offenen Denkmals am 13. September

Am Sonntag, 13. September, öffnen sich wieder zahlreiche Türen zum Tag des offenen Denkmals. Bernd Rubelt, Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bauen, Wirtschaft und Umwelt, wird die Veranstaltungsreihe um 11 Uhr in Groß Glienicke am Alexander Haus, Am Park 2, eröffnen. Das vollständige Programm steht allen Interessierten unter www.potsdam.de/denkmaltag

Denkmalinteressierte bekommen am Sonntag zum 27. Mal die Möglichkeit, am Tag des offenen Denkmals in Potsdam teilzunehmen. Das diesjährige bundesweite Motto der Deutschen Stiftung Denkmalschutz lautet: „Chance Denkmal: Erinnern. Erhalten. Neu denken.“ Anders als in den Vorjahren können Denkmalinteressierte die verschiedenen Orte in diesem Jahr sowohl live vor Ort als auch digital von zu Hause erleben. Dem Aufruf der Deutschen Stiftung Denkmalschutz folgend, haben zahlreiche Potsdamer Kulturerben Videos ihrer Denkmale erstellt. Diese werden über den YouTube-Kanal der Landeshauptstadt Potsdam unter folgendem Link zu sehen sein: https://www.youtube.com/landeshauptstadtpotsdam.

Darüber hinaus öffnen aber auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Denkmale ihre Türen, Tore und Pforten: Insgesamt 23 Denkmale, Parks und Gärten ermöglichen interessierten Besuchern auch vor Ort die Gelegenheit, sich den verschiedenen Objekten im persönlichen Austausch mit Restauratoren, Architekten und den zuständigen Vereinen in entspannter Atmosphäre zu nähern – stets unter Einhaltung der geltenden Abstands- und Hygieneregeln bzw. unter Nutzung einer Alltagsmaske. Der Denkmaltag soll alle Interessierten dazu einladen, neue Einblicke in die zahlreichen historischen Orte der Landeshauptstadt zu erlangen. Allen Besucherinnen und Besuchern wird die Möglichkeit gegeben, Fragen rund um das Thema Denkmal zu stellen. Die Beteiligten werden ihrerseits von den Herausforderungen und Möglichkeiten berichten, die sich aus dem Umgang mit den einzelnen Objekten ergeben.

Die Eröffnungsfeier zum Tag des offenen Denkmals findet in diesem Jahr im Haus Alexander, einem ehemals als Wochenendhaus errichteten Bungalow in Groß Glienicke statt. Bis in die Mitte der 1920er-Jahre wurde das bis dahin recht überschaubare Baugeschehen im Dorf durch das Gut des Gutsherrn Otto von Wollank (1862-1929), sowie einige alteingesessene Bauernfamilien bestimmt. Ab 1927 setzte die Parzellierung der früheren Acker- und Waldflächen ein, die schnell weite Gebiete rund um den Groß Glienicker See erfasste und einen regelrechten Bauboom auslöste. Eine dieser Parzellen pachtete der erfolgreiche jüdische Arzt und Präsident der Berliner Ärztekammer Dr. Alfred John Alexander zur Errichtung eines Wochenend-Einfamilienhauses. Nach der Fertigstellung des Hauses 1927 bis zur Flucht der Familie 1936 diente das Haus vornehmlich als Rückzugsort vom Berliner Trubel. Zu besonderen Anlässen nutzte die gastfreundliche Familie Alexander das Haus als Treffpunkt für Familie, Freunde und Bekannte. Zu den berühmtesten Gästen zählen Albert Einstein, Lotte Jacobi und Max Reinhardt sowie zahlreiche weitere Künstler und Wissenschaftler der Berliner Gesellschaft.

Als Dr. Alexander mit seiner Familie 1936 aus Deutschland floh, um so einer Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen, verpachtete er das Haus an den Komponisten und Verleger Will Meisel, der dort mit der Schauspielerin Eliza llliard bis 1952 wohnte. Ab 1952 wurden von Nachmietern verschiedene Umbauarbeiten im Haus vorgenommen. Die Raumstruktur blieb trotz Umbauten weitestgehend erhalten. Bei den Restaurierungsarbeiten nach 2015 wurden die historischen Oberflächen der Innenräume, die unter Tapeten und Verkleidungen verborgen waren, wieder sichtbar gemacht. Mit der Teilung Deutschlands 1961 wurde das Grundstück mit dem Sommerhaus vom Glienicker See durch die Berliner Mauer getrennt. Einige Meter vor dem Seeufer führt heute noch ein Uferweg (der ehemalige Postenweg der DDR-Grenzanlage) über das Grundstück. Seit 2003 stand das Haus auf einem verwilderten Grundstück leer und verfiel.

Seit 2013 engagieren sich Nachfahren der Familie Alexander sowie der Verein “Alexander-Haus e.V.” für das Denkmal. Auf Anregung von Thomas Harding wurde das Gebäude als Denkmal erkannt und durch das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege in die Denkmalliste des Landes Brandenburg aufgenommen. Mit Spendengeldern sowie Fördermitteln des Landes Brandenburg wurde dieses Gebäude nach denkmalpflegerischen Grundsätzen gesichert und restauriert.

Als ein Sommerhaus gehört das kleine Gebäude in Potsdam zu den wenigen Zeugnissen der in den 1920er-Jahren aufkommenden sogenannten Wochenendbewegung. Die Bauausführung für das Sommerhaus übernahm Otto Lenz, der Inhaber eines Berliner Baubetriebs, der sich auf Holz- und Holzhausbau spezialisiert hatte. Die Konstruktion des Hauses besteht aus einer einfachen Pfosten-Riegel-Konstruktion, wie sie zur Zeit der Erbauung vielfach angewendet wurde und ähnelt im Detail einem Wandaufbau aus dem Musterbuch des Holzhausherstellers Christoph & Unmack AG aus Niesky, Oberlausitz. Die Firma gehörte seinerzeit zu den führenden Anbietern von Holzhäusern und arbeitete mit berühmten Architekten wie Konrad Wachsmann, Klaus Hoffmann und anderen zusammen. Die einstige Innenausstattung des Hauses ist nur noch in geringem Umfang vorhanden. Hierzu gehört neben den eingebauten Wandschränken eine Sammlung Delfter Fliesen, die im zentralen Wohnraum über dem ehemaligen offenen Kamin angebracht wurde und dort auch noch heute zu bestaunen ist.

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