Die Dorfkirche Marquardt lädt zum Tag des offenen Denkmals ein

Am 8. September öffnet die Dorfkirche Marquardt zum ersten Mal seit langer Zeit zum Tag des offenen Denkmals wieder ihre Türen. Hier entwickelte sich aus einem altwendischen Fischerkietz am Ufer des Schlänitzsees landeinwärts das Bauern- und Gutsdorf Schorin. Mit der Übernahme des Gutsbezirks durch den königlichen Minister Marquard Ludwig von Printzen im Jahre 1704 erfolgte die Änderung des Ortsnamens nach dessen Vornamen. Eine Kirche an diesem Ort gibt es wohl schon seit der ersten Erwähnung des Ortes 1313.

Der Vorgängerbau von 1733 war nach über 150 Jahre langer Nutzung zu Ende des 19. Jahrhunderts sehr baufällig geworden und von Hausschwamm befallen. Der Geheime Kommerzienrat Dr. Louis Auguste Ravené, ein bekannter Stahl-Handelsunternehmer aus Berlin hatte 1892 mit dem Kauf von Schloss Marquardt die Funktion des Kirchenpatrons übernommen und ließ 1901 die marode barocke Dorfkirche durch einen neuromanisch-gotischen Backsteinbau mit Schieferdach nach einem Entwurf des Berliner Architekten Adolf Stegmüller (Schultz und Stegmüller) ersetzen. Der bürgerliche Aufsteiger Ravené, der den Bau mit Eisenkunstgussreliefs aus eigener Fabrikation schmückte, setzte sich mit der Stiftung des Kirchenneubaus als Erbbegräbnis ein öffentlich zugängliches Denkmal.

Die Marquardter Kirche wurde am 8. Oktober 1901 feierlich geweiht und wurde als typische Guts- und Patronatskirche erbaut. Die einschiffige Kirche mit vorgesetztem Turm, wird neben dem Chor von zwei querhausartigen Anbauten flankiert, wodurch ein kreuzförmiger Grundriss entsteht. Die beiden den Hauptkörper flankierenden Kuppelbauten beherbergen auf westlicher Seite die von außen zugängliche Patronatsloge und dieser gegenüber das Erbbegräbnis der Familie Ravené. Die neubarocken Zinksärge der Familie sind noch heute erhalten. Der Kircheninnenraum ist von einer trapezförmigen Holzdecke überspannt und im Chor fallen insbesondere die bleigefassten Buntglasfenster auf. Diese Chorfenster mit Motiven des „guten Herrn und Hirten“ sollten die Kirchgänger an das Wirken und die Großzügigkeit Ravenés als neuer Gutsherr erinnern.

Die prächtige Innenausstattung der Kirche besteht noch heute zu großen Teilen aus historischen Versatzstücken der Vorgängerbauten. So übernahm Ravené dem Taufstein aus hellgrauem Sandstein von 1844, ein Sandsteinepitaph aus dem späten 18. Jahrhundert und eine Gedenktafel aus Holz zu Ehren der in den Befreiungskriegen gegen Napoleon 1813 bis 1815 gefallenen Marquardter. Auf einer weiteren Holztafel wurden später die im ersten Weltkrieg gefallenen und verwundeten Soldaten Marquardts verzeichnet. Die vor dem Altar in den Fußboden eingelassene Gedenktafel erinnert an die um 1835 zugemauerte Gruft des Vorgängerbaus. Die Familiengruft der Ravenés befindet sich unter der östlichen Apsis der Kirche. Hierin befinden sich noch heute die Sarkophage von Louis Ravené, seiner Ehefrau Martha, seines Sohnes Enno und seines Schwiegersohnes Prof. von Bardeleben. Die Sarkophage konnten zwischen 2004 und 2007 mit finanzieller Unterstützung durch die Untere Denkmalschutzbehörde Potsdam restauriert werden.

Im Jahr 1964 waren die drei Bleifenster der der heute als Winterkirche genutzten Patronatsloge demontiert worden und durch eine einfache gelbfarbige Verglasung ersetzt worden. 2010 entschied sich die Kirchengemeinde, die noch vollständig erhaltenen Bleiglasfenster zu sanieren und wieder an ihrem ursprünglichen Ort einzubauen. Mit dem Wiedereinbau der Fenster wurde das harmonische Gesamtbild der Kirche wurde hergestellt der Kircheninnenraum erlangte seine Feierlichkeit zurück. Etwa zeitgleich musste 2010 die Turmzier auf der Turmspitze der Kirche, bestehend aus einem schmiedeeisernen Kreuz und einer Kugel aus Zinkblech, aus Sicherheitsgründen demontiert und im Kirchenschiff zwischengelagert werden. Nach mehrjährigen Spendenaufrufen der Marquardter Gemeinde und deren unermüdlichen Einsatz für ihre Kirche konnte auch diese restauriert werden und ziert seit November 2014 wieder die Spitze des Kirchturms.

Die Dorfkirche Marquardt öffnet am diesjährigen Tag des offenen Denkmals, dem 8. September, von 8 bis 19 Uhr ihre Türen. Wer den Bau näher erkunden möchte, kann sich vor Ort an Dr. Wolfgang Grittner wenden, der interessierten Besuchern den ganzen Tag für Führungen bereitstehen wird.

Das vollständige Programm zum Tag des offenen Denkmals 2019 ist ab sofort in der Unteren Denkmalschutzbehörde Potsdam, dem Bürgerservice, als auch online als PDF unter www.potsdam.de/event/tag-des-offenen-denkmalserhältlich.

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