Die Große Stadtschule lädt zum Tag des offenen Denkmals ein

Zum diesjährigen Tag des offenen Denkmals am 8. September öffnet auch die Große Stadtschule wieder ihre Türen. Die Große Stadtschule, oder „Grande École“, wie es über dem Eingangsportal heißt, ist das älteste erhaltene Schulgebäude Potsdams. Sie wurde 1738/39 durch den Architekten Pierre de Gayette im Auftrag König Friedrich Wilhelms I. (1688–1740) errichtet.

Die Initialen des Soldatenkönigs „FWRB“ (Fridericus Wilhelmus Rex Borussiae) zieren heute wieder den Balkon des Gebäudes. Diese waren zu DDR-Zeiten bewusst entfernt worden. Friedrich Wilhelm I. legte viel Wert auf die Bildung der heranwachsenden Bevölkerung und hatte bereits 1717 die Schulpflicht durchgesetzt. Sein Ziel war es, erzieherisch auf die heterogen zusammengesetzte Bevölkerung der jungen Garnisonstadt einzuwirken. Zunächst als reine Lateinschule gegründet, wurde das Schulprogramm über die Jahrhunderte mehrfach angepasst und verändert. Die Nutzung des Gebäudes als Schule blieb hierbei jedoch konstant erhalten. Die Große Stadtschule zählt daher heute nicht nur als die älteste Schule Potsdams, sondern verzeichnet auch den längsten ununterbrochenen Schulbetrieb in ganz Brandenburg, der bis in das frühe 18. Jahrhundert zurückreicht.

Die Schule hatte in der barocken Stadtgestaltung eine wichtige Funktion: Sie bildete in der östlichen Typenhauszeile der Friedrich-Ebert-Straße eine das Ortsbild prägende Höhendominante und setzte so einen architektonischen Höhepunkt. Der zweigeschossige Barockbau mit hohem Mansarddach wird durch einen Mittelrisalit mit Durchfahrt, Balkon und vasenbekrönter Attika betont. Hierbei handelt es sich um ein architektonisches Motiv, das dem Palastbau entlehnt ist und den Fokus auf die zentrale Spiegelachse des Gebäudes lenken soll. Die auffallend großzügige Fassade, die sich über dreizehn Fensterachsen erstreckt, hebt sich allein durch ihre Größe deutlich von der umliegenden, kleinmaßstäblichen Zeilenbebauung ab.

Bemerkenswert ist aber nicht nur die zur Straße zeigende Schaufassade, sondern auch die Treppenhäuser. Die klassizistische Ausmalung der beiden Treppenhäuser konnte 2015 mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz wiederhergestellt werden. Die dabei freigelegten Farbbefunde können in den Treppenhäusern partiell besichtigt werden.

Den heutigen Namen „Kleistschule“ erhielt die Schule 2007 mit der Umnutzung zur Schule des zweiten Bildungsweges. Als Namensgeber wählte man Heinrich von Kleist, der sich hier 1798/99 auf das Studium an der Universität Frankfurt/Oder vorbereitete. Weiteren Absolventen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren unter anderem der spätere Rechtsanwalt und Revolutionär Maximilian Dortu, die Naturwissenschaftler Moritz und Jacob Jacobi, sowie Hermann von Helmholtz, dessen Vater an der gleichen Schule als Griechisch- und Deutschlehrer arbeitete.

Zum Tag des offenen Denkmals am 9. September öffnet die Große Stadtschule wieder von 11 bis 17 Uhr ihre Türen. Führungen durch das Gebäude finden jeweils um 13 Uhr und um 15 Uhr statt. Unter dem Motto „280 Jahre Grande École – Bildungsgegenwart in Bildungs- und Architekturgeschichte“ gibt es in diesem Jahr kulturelle und kulinarische Angebote im barocken Haus und Hof zu entdecken.

Das vollständige Programm zum Tag des offenen Denkmals 2019 ist ab sofort in der Unteren Denkmalschutzbehörde Potsdam, im Bürgerservice im Rathaus, und online als PDF unter www.potsdam.de/event/tag-des-offenen-denkmalserhältlich.

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