Ehemalige Seifenfabrik als Denkmal des Monats ausgezeichnet

AG Städte mit historischen Stadtkernen des Landes Brandenburg würdigt Sanierung der ehemaligen Seifenfabrik Nürrenbach in der Brandenburger Straße

Für das sanierte Ensemble der ehemaligen Seifenfabrik Nürrenbach in der Brandenburger Straße / Ecke Hermann-Elflein-Straße ist heute die Urkunde „Denkmal des Monats“ von

der AG Städte mit historischen Stadtkernen des Landes Brandenburg an die Eigentümerin „Deutsche Gewerbehaus GmbH“ übergeben worden. Der ehemaligen Seifensiederei, in der heute das Planungsstudio eines Möbelkonzerns ansässig ist, wurde diese Auszeichnung bereits im April zuteil; die öffentliche Auszeichnung kann pandemiebedingt jedoch erst jetzt stattfinden.

Bernd Rubelt, Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bauen, Wirtschaft und Umwelt, freut sich über die Prämierung des Potsdamer Bauwerks: „Potsdam ist keine Stadt mit starker industrieller Vergangenheit. Dennoch ist der Gebäudekomplex zwischen Brandenburger und Hermann-Elflein-Straße mit dem einzigen noch in der Innenstadt erhaltenen Industrieschornstein ein Zeugnis vergangener Industriekultur. Und steht zudem für eine spannende Umnutzung ehemaliger Produktionsorte. Das Ensemble passt somit wunderbar zum diesjährigen Jahresthema „Zukunft der Vergangenheit – Industriekultur in Bewegung“ für die Auszeichnung Denkmal des Monats der AG Städte mit historischen Stadtkernen. Außerdem ist es eingebettet in die erfolgreiche Sanierung der 2. Barocken Stadterweiterung. Hier möchte ich allen Interessierten die Ausstellung „Blockgeschichten“ ans Herz legen, die am 11. September in der Wissenschaftsetage im Bildungsforum Potsdam eröffnet wird und sich intensiv dieser Erfolgsgeschichte widmet.“

Die Brandenburger Straße 5 war zunächst ein Brauereigrundstück. Die Brandenburger Straße 6 wurde ab 1751 durch die Seifensiederei Nürrenbach genutzt. Die Gebrüder Nürrenbach erweiterten ab 1874 die Fabrik und bezogen das Grundstück Brandenburger Straße 5 mit ein. Die Hofgebäude entstanden um 1900. Das Fabrikgebäude mit dem Schornstein wurde 1911 errichtet. Die Nürrenbachs waren die Hoflieferanten und wurden in Gewerbezeitschriften des 19. Jahrhunderts mehrfach wegen ihrer Qualität und dem guten Preis-Leistungs-Verhältnis lobend erwähnt. Flaschen der Seifenfabrik Nürrenbach hat das Potsdam Museum in seinem Archiv. Von 1890 bis 1945 wurde das Unternehmen von anderen Eigentümern betrieben. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die Otto Stumpf AG die Fabrik. Diese wurde 1951 zur DHZ Chemie verstaatlicht und später in DHZ Pharmazie Potsdam umbenannt.

Erhalten sind heute noch die Seitenflügel aus Backstein und der Schornstein. In den Neubau für den heutigen großflächigen Einzelhandel (IKEA Planungsstudio) sind Fassaden eines weiteren Fabrikgebäudes integriert. Diese ursprünglich zur Hermann-Elflein-Straße 16 gehörenden Gebäude wurden 1895 errichtet und etliche Male um- und ausgebaut. Dort gab es auch einen Schornstein, der zu einer Kaffeerösterei gehörte. Der Betrieb hieß zwischen 1906 und 1926: „Ernst Stackfleht Kolonialwaren EN GROS und Kaffeerösterei mit elektrischem Betrieb“.

Eine langjährige Sanierung machte eine Umnutzung des Gebäudes unter Erhalt der ursprünglichen Bauart des Gebäudes möglich. Nach der Wende begann zunächst eine Berliner Firma das Objekt zu sanieren. Die Baumaßnahmen kamen aber ins Stocken, als die Firma wegen anderer Projekte in rechtliche Schwierigkeiten geriet. Ein Immobilienfonds übernahm die Immobilie und sanierte sie mit Städtebaufördermitteln bis 1999 nach Vorgaben des Denkmalschutzes. Der Schornstein wurde dabei etwas gekappt. Es ist der einzige noch erhaltene Industrieschornstein in der Potsdamer Innenstadt. Der Immobilienfonds wiederum musste Insolvenz anmelden und 2009/2010 übernahm die Deutsche Gewerbehaus AG die Immobilie.

Über einen Bebauungsplan wurde die Errichtung einer Fläche für großflächigen Einzelhandel ermöglicht. Ein 1998/1999 errichtetes Hofgebäude wurde abgerissen. Der Neubau für den großflächigen Einzelhandel wurde von der Architektin Annette Axthelm entworfen und im Dezember 2010 vom Gestaltungsrat bestätigt. 2014 wurde das „Luisenforum“ in seiner heutigen Form fertiggestellt.

Die Auszeichnung zum „Denkmal des Monats“ erfolgt jeden Monat an ausgewählte Denkmale der Mitgliedstädte der AG. Die Einzeldenkmale oder Ensembles stehen bespielhaft für die Sanierung und für die besonderen Herausforderungen der Erneuerung der historischen Stadtkerne Brandenburgs. Das Jahresthema 2021 lautet „Zukunft der Vergangenheit – Industriekultur in Bewegung“.

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