Equal Pay Day 2021: Gleichstellungsbeauftragte zum Internationalen Aktionstag für gleiche Bezahlung von Frauen und Männern

Am heutigen Mittwoch, den 10. März, ist Equal Pay Day 2021. Der Equal Pay Day (EPD) ist ein internationaler Aktionstag, der auf den existierenden „Gender Pay Gap“ aufmerksam macht. Damit ist die Differenz zwischen den durchschnittlichen Bruttostundenlöhnen aller beschäftigten Frauen und denen aller beschäftigten Männern in einem Land gemeint. Das Datum markiert symbolisch den Tag im Jahr, bis zu dem Frauen arbeiten müssen, um den Verdienst von Männern im vergangenen Kalenderjahr zu erreichen. Das bedeutet: Frauen in Deutschland haben bis heute, dem 10. März 2021 sozusagen „umsonst“ gearbeitet, während Männer vom 1. Januar an bezahlt wurden.

Laut dem Statistischen Bundesamt verdienen Frauen aktuell in Deutschland im Schnitt 18 Prozent weniger als Männer, während Rumänien und Italien mit unter 5 Prozent den kürzesten Verdienstabstand zwischen Männern und Frauen EU-weit aufweisen. 2017 gehörte Deutschland immer noch zu den europäischen Ländern mit dem höchsten geschlechtsspezifischen Lohngefälle (ca. 21 Prozent), weit über den EU-Durchschnitt von 15% (Stand: 2020).

Das diesjährige Motto des Equal Pay Day „Game Changer – Mach dich stark für equal pay!“ setzt auf neue Wege, um trotz der strukturellen Hindernisse die Entgeltlücke in Deutschland endlich signifikant zu reduzieren.

„Ein Teil der Lohnlücke hat tatsächlich strukturelle Gründe wie zum Beispiel die Unterbewertung von ‚frauentypischen Berufen‘, die familienbedingte Unterbrechung der Erwerbstätigkeit für die Elternzeit oder die Pflege von Angehörigen“, so die Gleichstellungsbeauftragte Martina Trauth.

„Nur zwei Tage nach dem Internationalen Frauentag kommt der EPD 2021 wie gerufen. Es ist höchste Zeit, dass wir die wirtschaftliche und berufliche Gleichheit zwischen Frauen und Männer spürbar vorantreiben und dass ein Wandel in der Arbeitswelt stattfindet. Andere Länder machen uns vor, wie das geht“, sagt Martina Trauth.

So schritt Spanien im Oktober 2020 per Gesetz ein, um der Entgeltdifferenz zwischen Mann und Frau ein Ende zu setzten: Danach dürfen dort Frauen und Männer zukünftig bei gleichwertiger Arbeit nicht mehr ungleich bezahlt werden. Unternehmen werden dazu verpflichtet, Gehaltstabellen offenzulegen und sie nach Geschlecht aufzuschlüsseln.

Während die fehlende Umsetzung in Spanien mit Bußgeldern bestraft wird, ist der deutsche Gesetzgeber mit dem Entgelttransparenzgesetz von 2017 nicht so weit gegangen. Das deutsche Gesetz schafft zwar mehr Transparenz beim Gehalt, verpflichtet jedoch den Arbeitgeber nicht dazu, die festgestellten Lohnunterschiede anzupassen und sieht keine Sanktion vor.

„Um weiter zu gehen brauchen wir mutige, moderne, und innovative Arbeitsmodelle, von denen sowohl Frauen als auch Männer profitieren. Gesetze und Frauenquoten sind wichtige Wegweiser. Doch es muss ein Wandel stattfinden damit gesamtgesellschaftlich akzeptiert wird, dass die Last für die unentgeltliche Care-Arbeit und die Kinderbetreuung gleichermaßen auf die Schulter von Frauen und Männer ruht“, so die Gleichstellungsbeauftragte Martina Trauth.

Für sie ist die Förderung von Frauen in Führung sehr wichtig. Dafür befürwortet Martina Trauth moderne Lösungen wie die Einführung von Doppelspitzen in Schlüsselpositionen und neue Arbeitszeitmodelle am Beispiel der 32-Stundenwoche. Die Vereinbarkeit von Karriere und Familie sollte nicht aus Kompromissen resultieren. „Wir müssen uns von klassischen Rollenbildern lösen, faire Chancen und befriedigende Bedingungen schaffen, damit sowohl Mütter als auch Väter eine erfolgreiche Karriere verfolgen, in Teilzeitarbeit und in Elternzeit gehen und danach uneingeschränkt wieder in ihre Berufe wiedereinsteigen können. Das ist gelebte Chancengleichheit.“

Nur damit kann der Gender Pay Gap in Zukunft geschlossen werden.

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