Ersthelferalarmierung KATRETTER ab 1. Juli in Potsdam

Regionalleitstelle alarmiert parallel zum Rettungsdienst per Smartphone-App

Um Menschen in Notsituationen noch besser zu helfen, führt die Regionalleitstelle Nordwest nach einer Pilotphase ab Mitte Mai zum 1. Juli ein zusätzliches Alarmierungssystem für freiwillige Ersthelfer ein. Mit der Ersthelferalarmierung KATRETTER werden bei einem entsprechenden Notruf künftig durch die Leistelle parallel zum Rettungsdienst auch in der Nähe befindliche Laienhelfer durch das Einsatzsystem alarmiert. Über den Start des neuen Systems in Potsdam haben Rainer Schulz, Bereichsleiter Gefahrenabwehr und Michael Naitha, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst heute vor Ort in der Hauptwache der Feuerwehr informiert.

„Pro Jahr sterben circa 66.000 Menschen in Deutschland an einem plötzlichen Herztod“, sagt Michael Naitha, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst, „das entspricht etwa 145 Menschen in der Landeshauptstadt Potsdam, von denen ein Drittel jünger als 65 Jahre sind“, so der Diplom-Mediziner. In 80 Prozent der Fälle ist ein plötzlicher Herzinfarkt mit auftretenden Herzrhythmusstörungen, welche faktisch zu einem Herzstillstand führen, die Ursache. Schon nach drei Minuten ohne Reanimationsmaßnahmen kommt es zu Hirnschäden, welche nach etwa acht Minuten zum Hirntod führen. „Ohne schnelle Hilfe verringert sich die Überlebenschance in jeder Minute um etwa zehn Prozent. Dabei sind oft Menschen in räumlicher Nähe, die mit Maßnahmen der Wiederbelebung vertraut sind aber von dem lebensbedrohlichen Notfall keine Kenntnis haben“, so Naitha.

„Derzeit wird in etwa 34% dieser Einsatzfälle durch Laien eine Reanimation, meist in der Öffentlichkeit, begonnen“, ergänzt Rainer Schulz, Bereichsleiter Gefahrenabwehr. „Um diese Situation bis zum Eintreffen professioneller Hilfe durch Rettungsdienst und Notarzt zu verbessern, führt die Regionalleitstelle Nordwest zunächst für Potsdam das digitale Ersthelfersystem Katretter als zusätzliches Alarmierungssystem ein“, so Schulz.

Das digitale Ersthelfersystem KATRETTER ist eine smartphonebasierte Anwendung (KATTRETTER App), die freiwillige Helfer in der Nähe des Notfallortes zeitgleich mit dem Rettungsdienst alarmiert. Weitere Anwendungsmöglichkeiten sind ein Mithelfer- sowie ein Informations- und Alarmierungssystem. Die App wurde in einem mehrjährigen Forschungsprojekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung durch das Fraunhofer-Institut FOKUS, die CombiRisk GmbH und die Berliner Feuerwehr entwickelt. Sie wird bereits in mehreren Ländern, Kreisen und Städten genutzt, zum Beispiel auch in Berlin und der Lausitz.

Die KATRETTER-App steht volljährigen Personen kostenfrei zum Herunterladen zur Verfügung. Als Ersthelfer ist im Land Brandenburg eine medizinische Mindestqualifikation erforderlich, diese kann in einer Fortbildung in erweiterter Erster Hilfe und den Basismaßnahmen der Herz-Lungen-Wiederbelebung erlangt werden. Für professionelle Helfer die im Gesundheitswesen, im Rettungsdienst, bei Hilfsorganisationen oder in den Feuerwehren beschäftigt oder aktiv sind, kann der Besuch dieser Fortbildungsmaßnahme entfallen.

Wenn die Qualifikation erlangt wurde oder besteht, ist eine Registrierung über einen Autorisierungsdienst in Form eines QR-Codes erforderlich und der Helfer oder die Helferin werden in der Notrufzentrale registriert. Alle registrierten Ersthelfer sind über die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert. Weitere Informationen sind auch über die Internetseite der Feuerwehr Potsdam www.feuerwehr-potsdam.de/service/Katretter.htm zu finden.

Das GPS der Handys macht bei einem entsprechenden Notruf, der durch die Rettungsleitstelle in der Nähe befindliche Laienhelfer durch das Einsatzleitsystem alarmiert, die Standortbestimmung möglich. Es wird ein Alarm erzeugt und der oder die Ersthelfer*in bestimmt innerhalb von 30 Sekunden, ob der Einsatz per Tastendruck angenommen oder abgelehnt wird. Erst nach Einsatzannahme erfolgen weitere Informationen und Hinweise über das Smartphone, welches auch zum Einsatzort navigiert. Ziel ist die Alarmierung von zwei Helfern und gegebenenfalls einem Dritten, welcher einen AED (automatisierter externer Defibrillator = Herzschockgerät) holen und zum Einsatzort bringen soll. Dessen Standort und Verfügbarkeit wird ebenfalls über die App angezeigt.

Der Einsatzort liegt innerstädtisch in einem Radius von 800 m und kann in ländlicher Umgebung oder Stadtrandlagen bis zu 3000 m Entfernung erweitert werden und sollte innerhalb von circa drei bis fünf Minuten zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar sein. Dort angekommen, kann sich der Ersthelfer bei Bedarf per Handy autorisieren und mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen. Eine Mindest-Schutzausrüstung wird den Helfern zur Verfügung gestellt, sie besteht aus Handschuhen, einem einfachen Beatmungshilfsmittel, einer FFP-2-Maske und einem „Erste-Hilfe-Handbuch“.

Je mehr Menschen die Vorzüge des KATRETTER-Systems erkennen und sich bereit erklären, Ihren Mitmenschen, aber gerade auch Nachbarn und Angehörigen in dieser lebensbedrohlichen Situation zu helfen, erhöhen dessen Effizienz. Viele schrecken davor zurück Fehler zu machen, oder den Betroffenen durch ihr Eingreifen zu verletzen. Diese Angst ist unbegründet, da sich die Situation bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand nur durch schnelles und beherztes Handeln verbessern lässt, wodurch nach Schätzungen fast 5.000 Menschenleben deutschlandweit jährlich gerettet werden könnten. Der einzige Fehler ist, nichts zu tun.

Wer Zeuge eines plötzlichen Herzstillstands wird, könnte durch sofort eingeleitete Wiederbelebungsmaßnahmen, wie eine Herzdruckmassage, zum Lebensretter werden. Eine Beatmung ist bei der Wiederbelebung zweitrangig, im Blut des Patienten ist in der Regel noch genug Sauerstoff gelöst, um durch die Herzdruckmassage das Gehirn ausreichend mit Blut zu versorgen und so die Zeit bis zum Eintreffen professioneller Hilfe zu überbrücken.

Die Regionalleitstelle Nordwest bei der Berufsfeuerwehr Potsdam nimmt die Notrufe der Landeshauptstadt Potsdam sowie die Landkreise Havelland, Ostprignitz-Ruppin und Prignitz entgegen und koordiniert die Einsätze für Feuerwehr und Rettungsdienst.

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