Feuerwehr-Übung Eisretten und Eistauchen im Tiefen See

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Feuerwehr nutzen derzeitige Witterung für Übungen unter realen Bedingungen

Die Berufsfeuerwehr Potsdam nutzt die derzeitige winterliche Wetterlage, um unter realen Bedingungen die Rettung von Menschen aus dem Eis sowie das Eistauchen zu üben. Bei einer Übung im Tiefen See, am Anleger der Schiffbauergasse, waren 25 Kameradinnen und Kameraden der Berufsfeuerwehr sowie der Wache Babelsberg beteiligt. Die Lufttemperatur am Übungsort lag am Morgen bei -6 Grad Celsius.

„Ein entscheidender Faktor bei der Eisrettung ist die Zeit“, sagt Rainer Schulz, Bereichsleiter Gefahrenabwehr der Potsdamer Feuerwehr. „Das Wasser direkt unter der Eisdecke ist meist nur ein bis zwei Grad Celsius kalt und entzieht dem Körper die Wärme sehr schnell, etwa 27-mal schneller als an der Luft. Innerhalb von 15 Minuten kann ein Mensch je nach Umständen an den Folgen einer Unterkühlung sterben. Das Einbrechen und das Abtreiben unter der Eisdecke sind somit auch lebensbedrohlich für die Rettungskräfte. Trotz aller gebotener Eile ist deshalb eine Eigensicherung der Kolleginnen und Kollegen unerlässlich und Übungen zum Eisretten und Eistauchen unter realen Bedingungen so wichtig“, so Schulz.

Die letzte Eisrettung fand vor etwa sechs Jahren statt, als die Feuerwehrkräfte einen eingebrochenen Schlittschuhläufer retten konnten. Insgesamt ist das Risiko für die Retter, an der Einbruchstelle selbst einzubrechen oder ins Wasser gezogen zu werden, groß. Bei der Rettung ist es daher wichtig, dass die Helferinnen und Helfer Rettungswesten anlegen und nur durch Leinen gesichert auf das Eis gehen. Grundsätzlich werden die gefährdeten Eisflächenabschnitte nie stehend betreten. Die Eisatzkräfte nähern sich nur mit Hilfsmitteln wie Eisrettungsschlitten oder Steckleitern und auf dem Bauch mit ausgebreiteten Armen robbend, um das Gewicht besser zu verteilen.

Auf die Rettung bei winterliche Wetterlage ist die Berufsfeuerwehr Potsdam gut vorbereitet. „Jede Feuerwehrfrau und jeder Feuerwehrmann ist in der Lage, mit dem bereitgestellten Equipment und der entsprechenden Mannschaft eine Eisrettung durchzuführen“, sagt Rainer Schulz. Die Ausbildung zur Eisrettung ist in der Grundausbildung eines jeden/r Feuerwehrmannes/frau enthalten und wird je nach eingesetzten Standort immer wieder aufgefrischt und geschult. „Es gibt darüber hinaus eine aktive Tauchergruppe von derzeit 16 Tauchern. Gerade im vergangenen Jahr konnten sieben neue Taucher gewonnen werden“, so Schulz.

Die Feuerwehr warnt aktuell vor dem Betreten der Eisflächen auf Seen, Flüssen und Teichen in der Landeshauptstadt. Trotz anhaltender Minustemperaturen in den vergangenen Tagen und einer augenscheinlich geschlossenen Eisdecke auf einigen Seen und Teichen ist die Eisdecke zu dünn, um darauf gehen oder gar Schlittschuhlaufen zu können. Unterschiedliche Fließgeschwindigkeiten des Wassers, durch Untiefen oder auf dem Gewässergrund entstehende Strudel, einfließende Abwässer sowie auch die Schifffahrt, machen die Tragfähigkeit der Eisdecke unberechenbar und erhöhen die Gefahr eines Eisbruchs. Die dünne Schneedecke auf dem Eis verhindert zudem einen Blick auf die Eisfläche, um die Dicke sowie Risse und dunkle Stellen zu erkennen.

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