Freunde und Wegbegleiter gedenken Herbert Köfers – Öffentlichkeit nimmt am 27. August Abschied in Beelitz

In Beelitz haben heute rund hundert Freunde und Wegbegleiter Abschied von Schauspiellegende Herbert Köfer genommen. Der beliebte Darsteller war Ende Juli im Alter von 100 Jahren verstorben. Auf eigenen Wunsch wird er Ende des Monats in Beelitz beigesetzt: Auf dem städtischen Waldfriedhof wird er unter Kiefern seine letzte Ruhe finden. Vor allem in den letzten gut zehn Jahren war Köfer eng mit der Spargelstadt verbunden, durch Auftritte, aber auch durch viele private Begegnungen.

Unter den Gästen der Trauerfeier heute war neben Schauspielkollegen wie Winfried Glatzeder, Achim Wolff oder Wolfgang Bahro auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Dessen Vorgänger Matthias Platzeck, ebenfalls ein Wegbegleiter Köfers, hielt die Trauerrede. „Was hat dieser Mann für Epochen erlebt, wen hat er alles kommen und wen hat er gehen sehen. Eine Biographie wie ein Geschichtsbuch“, so Platzeck. Und dabei habe Herbert Köfer diese Jahrzehnte nicht einfach vorbeiziehen lassen, sondern war mittendrin, habe sie mitgestaltet und mitgemacht. „Für unzählige Menschen – vor allem aus der DDR – war er ein kaum wegzudenkender Lebensbegleiter. Er war scheinbar oder realiter immer schon da oder immer noch da. Auch ich bin mit ihm quasi groß und alt geworden. Herbert Köfer hat sich in unsere Herzen gespielt, gefühlt gehörte er bei vielen zur Familie. Gerade in den letzten Jahren hatte ich immer das Gefühl, das Schauspiel für ihn wie ein Jungbrunnen wirkte. Sein Augen leuchteten, wenn er im hohen Alter von den nächsten Plänen und Auftritten erzählte.“

Über Köfers Wirken sprach auch eine langjährige Schauspielkollegin: Carmen-Maja Antoni hatte zuletzt gemeinsam mit ihm für den Fernsehfilm „Krauses Zukunft“, der im Februar ausgestrahlt wurde, vor der Kamera gestanden. „Köfer hatte unzähligen Rollen ein unverwechselbares Gesicht gegeben: freundlich aber ernsthaft, heiter aber niemals oberflächlich.“ Sie erinnerte dabei auch an den schweren Stand, den DDR-Schauspieler nach der Wiedervereinigung hatten. „Ich habe immer bewundert, wie er uneitel er der neuen Zeit begegnet. Köfer verfiel nicht in Selbstmitleid, er trauerte nicht den alten Zeiten nach. Gemeinsam mit seiner Frau Heike packte er das Auto voll mit Kostümen und Requisiten und zog los, wie es seine Kollegen schon vor 200 Jahren getan hatten.“ Ein weiterer Freund Köfers, der Chefredakteur der SUPERillu Stefan Kobus, erinnerte sich dann auch an die Anekdote, wie Köfer nach der Wende beim Norddeutschen Rundfunk vorsprach. Dort wurde er gefragt: „Was machen Sie beruflich?“ Andere wären verzagt, aber nicht Herbert Köfer.

Auch die Öffentlichkeit erhält noch einmal die Möglichkeit, sich von der Schauspiellegende zu verabschieden: Am 27. August können Fans von 10 bis 13 Uhr in das Deutsche Haus kommen und vor der Blumenurne innehalten und sich in ein Kondolenzbuch eintragen.

Die frühere Traditionsgaststätte mit ihrem repräsentativen Saal am Tor zur Beelitzer Altstadt war eine der letzten Wirkungsorte Herbert Köfers: Persönlich hatte er das geschichtsträchtige Ensemble nach der umfassenden Sanierung vor zweieinhalb Jahren eingeweiht und sichtlich bewegt in seiner Rede gewürdigt, dass hier eine neue Bühne geschaffen wurde, während andernorts Schauspielhäuser schließen müssen. Hier war er auch noch einmal in die Rolle des Georg Neumann geschlüpft in der Komödie „Ein gesegnetes Alter“. Und hier spielte er ein letztes Mal eine seiner Paraderollen: Die des Pensionswirtes Schöller im gleichnamigen Lustspiel, welches über den Jahreswechsel 2019/20 viele Theatergrößen an einem Ort zusammenführte. Die „Pension Schöller“ war auch 2017 ein Riesenerfolg, damals unter freiem Himmel im Rahmen der Beelitzer Festspiele. Auch dank Herbert Köfer.

„Der Tod Herbert Köfers macht mich betroffen“, so Bürgermeister Bernhard Knuth, der seit vielen Jahren mit dem Schauspieler eng befreundet war. „Wenn ein Mensch immer da war, dann kann man sich nicht vorstellen, wie es plötzlich ohne ihn sein soll. Deshalb gilt meine tiefe Anteilnahme seiner Frau Heike und seiner Familie. Letztendlich bedeutet es einen Verlust für uns alle, denn Herbert Köfer hat viele Generationen begleitet, und das zumeist von Kindesbeinen an. Mit seiner liebenswerten Art, Rollen zu interpretieren, und mit der Kontinuität, mit der er auf der Bühne, auf der Leinwand und im Fernsehen zu sehen war, gilt er als der Volksschauspieler schlechthin. Er lebte für die Schauspielkunst und vor seinem Lebenswerk kann man sich nur verneigen.“ Bewundernswert sei aber auch, welche Energie und Kraft er bis zum Schluss gehabt hatte: „Ein so wacher Geist, der voller Tatendrang steckt, der nicht müde wird und so viel Freude am Leben hat, und das in diesem Alter, verdient höchsten Respekt. Herbert Köfer hat uns allen gezeigt, wie lohnend und wie schön es sein kann, alt zu werden.“

Für Beelitz hatte Köfer, der seit acht Jahren mit seiner Frau am Seddiner See lebte, ein großes Herz: Regelmäßig folgte er Einladungen des Kulturvereins, um auf dem Schmiedehof oder im Tiedemannsaal zu lesen und zu spielen. Er war bei offiziellen Anlässen wie dem Spargelfest oder der Saisoneröffnung häufiger und sehr gern gesehener Gast und hielt sich auch privat gern in der Stadt auf. Nicht zuletzt wurden die Beelitzer Festspiele auch durch seine Beteiligung ein so großer Publikumserfolg. Neben der Rolle des Pensionswirtes Schöller in der Berliner Erfolgsinszenierung, die vor vier Jahren an die Nieplitz geholt wurde, hatte er bereits 2015 einen Auftritt in der Operette Frau Luna. Und er lieh seine Stimme dem Museum in der Posthalterei – indem er für eine der Hörstationen Auszüge eines Reisetagebuches einsprach.

Bürgermeister Knuth möchte nun anregen, den Saal im Deuschen Haus, der bislang noch keinen eigenen Namen hat, nach Köfer zu benennen. „Viele Erinnerungen an diesen großen Schauspieler und Menschen werden bleiben – Erinnerungen an seine Filme, an seine Rollen und an ihn persönlich. Ich würde es schön finden, wenn uns auch sein Name noch viele Jahre in Beelitz erhalten bliebe.“ Darüber hinaus plant die Stadtverwaltung für das kommende Jahr, wenn das Traditionskino „Venus-Lichtspiele“ saniert und wiedereröffnet ist, eine filmische Retrospektive auf das Lebenswerk des Schauspielers, verbunden mit einer kleinen Ausstellung.

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