Geflügelpest auf Neuwerk – Biosicherheitsmaßnahmen treten in Kraft

Nach dem Fund mehrerer verendeter Seeschwalben, bei denen der Geflügelpest-Erreger H5N1 bestätigt wurde, treten mehrere Sicherheitsmaßnahmen auf der Insel in Kraft. Sie werden in zwei Schritten umgesetzt. Die aviäre Influenza, bekannt als Geflügelpest oder Vogelgrippe, ist eine hoch ansteckende Viruserkrankung bei Vögeln, an der in Einzelfällen jedoch auch andere Spezies erkranken können.

Nachdem der Ausbruch der Geflügelpest in einer Seeschwalbenkolonie auf Neuwerk amtlich bestätigt wurde, gelten verpflichtend unter anderen folgenden Maßnahmen, die in zwei Schritten in Kraft treten (Allgemeinverfügung des Bezirksamts Hamburg-Mitte):

  • Hunde sind auf der gesamten Insel ausschließlich an der Leine zu führen (ab Samstag, 25.06.2022).
  • Auf der gesamten Insel muss Hausgeflügel aufgestallt werden. Geflügel darf ausschließlich in geschlossenen Ställen oder unter einer geeigneten Schutzvorrichtung gehalten werden (ab Samstag, 25.06.2022).
  • In Geflügelhaltungen müssen entsprechende Biosicherheitsmaßnahmen eingehalten werden, zum Beispiel das Sichern der Ein- und Ausgänge gegen unbefugten Zutritt und das Reinigen und Desinfizieren von Händen und Schuhen (ab Samstag, 25.06.2022).
  • Das Verbringen von Geflügel auf die Insel oder von der Insel ist verboten (ab Samstag, 25.06.2022).
  • Alle Personen müssen unmittelbar vor dem Verlassen der Insel die Schuhe und alle möglicherweise kontaminierten Gegenstände (z.B. Wanderstöcke, Gummistiefel) desinfizieren. Unternehmen (z.B. Fährbetriebe, Wattwagenbetriebe, Wattführer), die Personen von der Insel befördern, müssen entsprechende Desinfektionswannen bereithalten (ab Donnerstag, 30.06.2022).
  • Hunde müssen unmittelbar vor dem Verlassen der Insel abgeduscht werden. Unternehmen (z.B. Fährbetriebe, Wattwagenbetriebe, Wattführer), die Personen mit Hunden von der Insel befördern, müssen entsprechende Waschmöglichkeiten bereithalten (ab Donnerstag, 30.06.2022).

Weitere Informationen haben die beteiligten Behörden auf dieser Seite zusammengestellt.

Der Verdacht eines Ausbruchs der Geflügelpest mit dem Erreger des Subtyps H5N1 bei Seeschwalben auf der Insel Neuwerk war zuvor vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) bestätigt worden. Auch in anderen Gebieten an der Nordseeküste treten vermehrt positive Nachweise auf. Anwohner:innen und Besucher:innen sollten verendete Tiere nicht eigenmächtig einsammeln.

Im übrigen Stadtgebiet von Hamburg sind aktuell keine Fälle von Geflügelpest nachgewiesen. Maßnahmen sind für das übrige Stadtgebiet deshalb zurzeit nicht erforderlich. Das Monitoring der Geflügelpest im Institut für Hygiene und Umwelt wird fortgesetzt, deshalb kann es zu Nachweisen von Fällen bei Wildvögeln kommen.

Hintergrund zur Geflügelpest

Die Geflügelpest bzw. Vogelgrippe bezeichnet eine Geflügelerkrankung durch Vogel-Influenzaviren, die so genannte Aviäre Influenza. Diese Viren kommen natürlicherweise bei Geflügel vor. Es entstehen aber immer wieder neue Varianten, die beim Geflügel tödliche Erkrankungen hervorrufen. Der Begriff Geflügelpest bezieht sich auf die stark krankmachenden Aviäre Influenza-Viren.

Durch den Kontakt zu infizierten Vögeln oder infektiösem Kot sowie durch ungenügende Biosicherheitsmaßnahmen kann das Virus in Haus- und Nutzgeflügelbestände eingeschleppt werden und dort zu hohen Tierverlusten führen. Wird Geflügelpest bei Hausgeflügel festgestellt, werden Restriktionszonen eingerichtet. Betroffene Betriebe unterliegen dann verschiedenen Maßnahmen.

Haustiere wie Hunde und Katzen können sich theoretisch infizieren, wenn sie große Mengen des Erregers aufnehmen. Praktisch sind solche Fälle bislang nicht bekannt geworden. Hunde und Katzen können das Virus allerdings weiterverbreiten. Daher sollte ein direkter Kontakt mit toten oder kranken Vögeln verhindert werden. Einzelne Infektionen des Menschen mit Viren des Typs H5N1 sind bekannt, aber sehr selten.

Aktuelle Situation im Wattenmeer

Stark betroffen von der Vogelgrippe im deutschen Wattenmeer (Minsener Oog in Niedersachsen sowie Neuwerk im Hamburgischen Wattenmeer) sind erstmals auch Brandseeschwalben. Neben den Brandseeschwalben wurden im Hamburgischen Wattenmeer auch auffällige Funde von weiteren Koloniebrütern wie Lachmöwen und Basstölpeln gemacht. In den Kolonien kann sich das Virus aufgrund der räumlichen Nähe der Tiere leicht übertragen.

Im Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer ist die Brandseeschwalbe eine streng geschützte Vogelart nach EU-Vogelschutzrichtlinie sowie dem Nationalpark-Gesetz. Sie ist in Deutschland als vom Aussterben bedroht eingestuft. Meldungen aus Frankreich, Schottland und den Niederlanden über ausgelöschte Brandseeschwalben-Kolonien und tausende tote Tieren legen nahe, dass der Bestand der Neuwerker Kolonie gefährdet ist.

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