„Gemeinsinn in unserer Gesellschaft wetterfest machen“ – Woidke ehrt Persönlichkeiten aus Brandenburg mit Bundesverdienstorden

Ministerpräsident Dietmar Woidke hat heute in der Potsdamer Staatskanzlei acht verdienstvollen Bürgerinnen und Bürgern den von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verliehenen Bundesverdienstorden ausgehändigt.  Bei der Zeremonie würdigte er die herausragenden Leistungen der Geehrten: “Sie alle folgen in Ihrem Handeln demselben Impuls: Mit ihren Aktivitäten und mit ihren Fähigkeiten wollen sie zum guten Miteinander in unserer Gesellschaft beitragen, Vorurteile abbauen, differenzierte Einsichten vermitteln und in schwierigen Lebenslagen helfen.“ 

 

Mit Blick auf den anhaltenden Kampf gegen die Corona-Pandemie aber auch vor dem Hintergrund der verheerenden Juli-Flut warb Woidke für Solidarität und Zusammenhalt in der Gesellschaft: „Der innere Zusammenhalt ist die Basis, um Krisen gut bewältigen zu können. Beispiele von spontaner Solidarität machen Mut! Noch wichtiger ist jedoch, den Gemeinsinn durch stetige Energiezufuhr nachhaltig zu stärken. Daraus entstehen Sicherheit, Vertrauen und tolerantes Miteinander. Die Ordensträgerinnen und Ordensträger und viele andere Engagierte sind diese unverzichtbaren Energieträger, die den Gemeinsinn in unserer Gesellschaft gleichsam wetterfest machen, ihm Abwehrkräfte verleihen. Sie sind Vorbilder, die hoffentlich viele Nachahmer haben. Gemeinsam mit den Mitstreiterinnen und Mitstreitern knüpfen sie an dem wichtigen Sicherheitsnetz namens Solidarität, das uns hoffentlich auch künftig Herausforderungen gut bestehen lässt. Ihr Engagement schenkt Zuversicht.“

Geehrt wurden (in alphabetischer Reihenfolge):

 

Andreas Dresen (58) mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse

Einer der großen Erzähler des deutschen Films. Andreas Dresen hat Maßstäbe für das filmische Erzählen in Deutschland gesetzt. Seine Kino- und Fernsehfilme leisten durch ihre Lebensnähe und prüfenden Blicke aufs Detail wichtige Beiträge zur Reflektion der Lebenssituation der Menschen insbesondere in Ostdeutschland. Er ist einer der wichtigsten Chronisten der Zeit nach der friedlichen Revolution. Zu seinen Werken gehören „Halbe Treppe“, „Sommer vorm Balkon“ und „Gundermann“. Dresen ist nach seinem Studium an der Potsdamer Filmhochschule besonders dem Filmstandort Berlin-Brandenburg verbunden geblieben. Seine Filme sind überwiegend in der Hauptstadtregion entstanden und damit begleitende Beobachter des täglichen Lebens in Brandenburg und Berlin. Dresen ist als einer der wichtigsten Repräsentanten Deutschlands in der Filmkunst eine Identifikationsfigur für viele Menschen in Brandenburg.

Marie-Luise Glahr (49) mit der Verdienstmedaille

Als Gründerin der Potsdamer Bürgerstiftung die ganze Stadt im Blick. Die Bürgerstiftung in Potsdam hat sich dank des Vollzeit-Engagements ihrer Vorsitzenden Marie-Luise Glahr mit Bürgerbeteiligung, Stadtkommunikation und Teilhabe profiliert – und feiert am 9.Oktober ihren 10. Geburtstag. Sie ist heute mit Institutionen und Partnern stark vernetzt und seit Jahren Mitglied im Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement. Sie hat die Initiative „PotsPRESSO“ zur Abfallvermeidung begründet, den „Klosterkeller“ zu einem zumindest vorübergehenden innerstädtischen Kommunikationsort entwickelt und beim Projekt „Gemeinsame Masche“ treffen sich regelmäßig Potsdamerinnen und Flüchtlingsfrauen zum Stricken. Einmal im Jahr kocht sie im Rahmen des Projektes „Buntes Essen“ mit Flüchtlingen für Obdachlose. Auch persönlich lebt Marie-Luise Glahr Mitmenschlichkeit: Sie hat syrische Flüchtlinge in ihre Familie aufgenommen und ihnen geholfen, sich in Deutschland zu integrieren.

Karl-Heinz Gliege (76) mit der Verdienstmedaille

Ein Leben für die Kirche im Ehrenamt. Karl-Heinz Gliege gehörte 36 Jahre lang dem Gemeindekirchenrat im havelländischen Brieselang an und kümmerte sich in dieser Funktion um alle Belange der Kirchengemeinde und des Gemeindelebens. Als gelernter Handwerksmeister brachte er sein Fachwissen ein, wenn es um Kirchenfinanzen und Baumaßnahmen ging. Karl-Heinz Gliege gehörte zu den Mitbegründern eines Posaunenchores, organisierte maßgeblich die Feiern zum 90-jährigen Bestehen der Kirchgemeinde mit und arbeitete an der Gemeindechronik. Über all die Jahre hat er mit seinem Ehrenamt das kirchliche Leben in Brieselang bereichert.

Karl-Heinz Hegenbart (67) mit dem Verdienstkreuz am Bande

Dem Segelsport immer neuen Rückenwind verschafft. Bereits als Vierjähriger wurde Karl-Heinz Hegenbart durch seine Eltern mit dem Segelsport vertraut gemacht – die Liebe zu diesem Sport hielt und hält ein Leben lang. Neben vielen anderen Funktionen ist der Kleinmachnower seit 2008 Vorsitzender des Verbandes der brandenburgischen Segler und Mitglied des Seglerrates im Deutschen Seglerverband. Er schrieb ein deutschlandweit verbreitetes Handbuch für Seglervereine und kümmerte sich mit verschiedenen Programmen um die Unterstützung der Seglervereine. Dabei ging es ihm immer auch um langfristige Strategien für die Entwicklung des Sports in Brandenburg und um die Jugendarbeit.

Uwe-Karsten Heye (80) mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse

Mit dem Verein „Gesicht zeigen!“ dem „Aufstand der Anständigen“ ein Gesicht gegeben. Der frühere Regierungssprecher der Bundesregierung (1998-2002) gründete zur Jahrtausendwende zusammen mit Partnern aus Politik und Kultur den Verein „Gesicht zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland“. Mit seiner Hilfe wurde damals angesichts vieler rechtsextremistischer Übergriffe eine breite gesellschaftliche Bewegung mobilisiert. Dem Verein und Heye gelang es, Künstlerinnen und Künstler, Prominente aus Sport, Unterhaltung und Politik sowie Unternehmen als Unterstützer zu gewinnen. So konnten mit Veranstaltungen, Publikationen und Bildungsangeboten Bürgerinnen und Bürger im ganzen Bundesgebiet erreicht werden. Neben der Vereinsarbeit und dem Engagement für den „Berliner Ratschlag für Demokratie“ engagiert sich Heye für Brandenburg als Kulturland. Er gehört zu den Unterstützern und Mitwirkenden des Literaturfestivals LIT:potsdam, das seit 2013 mit Lesungen, Foren und anderen Formaten den Gästen Literatur nahebringt und Autorinnen und Autoren von Weltrang nach Brandenburg lockt.

Gottfried Kunzendorf (90) mit dem Verdienstkreuz am Bande

Beispielloses Engagement für das Gedenken und Erinnern. Der heutige Pfarrer im Ruhestand hat die Erinnerungsarbeit zu seinem Lebenswerk gemacht. Schon in der DDR verschrieb er sich dem Erhalt des geschichtlich bedeutsamen Friedhofs in Potsdam-Bornstedt und gehörte von Beginn an dem Förderverein an. Ohne seinen aufopferungsvollen Einsatz hätte dieser zum UNESCO-Kulturerbe zählende Friedhof nicht seine heutige Qualität. Insbesondere verhalf er zahlreichen weniger bekannten Akteuren des Widerstands um die Männer des 20. Juli 1944 gegen das NS-Regime zu einem Platz im öffentlichen Gedenken. Gottfried Kunzendorf kümmerte sich aber auch um Erinnerungstafeln für verdiente Potsdamer Bürgerinnen und Bürger, um die Pflege der Beziehungen zum deutschsprachigen Teil der Böhmischen Kirche und um die Wiederentdeckung des größten Kirchengesangsbuchs der Reformation.

Petra Morawe (68) mit dem Verdienstkreuz am Bande

Engagierte Streiterin für die Belange der ehemals in der DDR Verfolgten. Petra Morawe – in der DDR selbst Repressionen ausgesetzt – gehörte 1989 zu den Mitbegründern des Neuen Forum in Berlin-Pankow. Seit 2010 arbeitete sie bis zu ihrem Ruhestand im Team der Beauftragten des Landes zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur. Daneben wirkte sie in mehreren Gremien zur Aufarbeitung mit. Ihre seelische und moralische Unterstützung sowie ihre Hilfe bei der Rehabilitation von ehemals politisch Verfolgten ging weit über das normale Maß beruflicher Tätigkeit hinaus. Das brachte ihr hohes Ansehen bei den Opfer- und Verfolgtenverbänden ein. Insbesondere dank ihrer sozialen Kompetenz und Empathie konnten Traumatisierte das Vertrauen in den Rechtsstaat wiedergewinnen.

 

Siegrid Thiel (81) mit dem Verdienstkreuz am Bande

Auch mit über 80 Jahren Ansprechpartnerin in psychosozialen Notsituationen. Siegrid Thiel steht Menschen zur Seite, deren Angehörige psychisch erkrankt sind. Aufgrund eigener Erfahrungen mit solch schwierigen Situationen bietet sie anderen Betroffenen kompetenten Rat und praktische Hilfe. Auch im Alter von über 80 Jahren berät sie Menschen in ihrem Wohnzimmer und ist für sie oft die einzige und erste Anlaufstelle in Notlagen. 1994 war sie maßgeblich an der Gründung des ersten Landesverbandes „Angehörige psychisch Kranker“ Berlin-Brandenburg beteiligt. Ein Jahr später gründete sie den Selbsthilfeverein „Mimose e. V.“ für Angehörige psychisch Kranker in ihrer Heimatregion Bernau/Eberswalde mit. Mittlerweile unterhält Siegrid Thiel bundesweit Kontakte zu angesehenen Psychiatern und psychiatrischen Fachkräften.  Unermüdlich setzt sie sich für die Vernetzung zwischen sozialpsychiatrischen Diensten, der psychiatrischen Fachklinik „Martin Gropius Krankenhaus“ Eberswalde, der Behindertenkoordinatorin, Beratungsstellen und anderen ein.

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