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Gespenster am Wegesrand – Gespinstmotten überziehen Bäume und Sträucher mit silbrig schimmernder Hülle

Potsdam − Vielfach werden momentan wieder gespenstisch anmutende Gestalten am Wegesrand gesichtet: eingesponnene und kahl gefressene Bäume und Sträucher. Die gute Nachricht: Die gespenstischen Verhüllungen, die fast unwirklich anmuten, sind für uns Menschen nicht bedrohlich.

„Es handelt sich bei den Gespinsten an den Sträuchern nicht um den gefürchteten Eichenprozessionsspinner, sondern um die Raupen und Gespinste der Gespinstmotten“, klärt Privatdozent Dr. Werner Kratz, 2. Vorsitzender des NABU Brandenburg auf. „Diese sind für den Menschen völlig ungefährlich und rufen keine allergischen Hautreaktionen hervor“.

Die häufigsten dieser weithin sichtbaren Raupengespinste werden durch die Traubenkirschen- und die Pfaffenhütchen Gespinstmotte verursacht. Ab Mai fressen die Raupen z.B. an den Blättern des Pfaffenhütchens (Euonymus europaeus). Das ist erstaunlich, denn alle Pflanzenteile enthalten hochwirksame Giftstoffe, an denen selbst große Weidetiere sterben können. Stark befallene Pfaffenhütchen können auch komplett kahlgefressen werden. Die Pfaffenhütchen-Sträucher erholen sich aber im Laufe der Vegetationszeit wieder. Zwei bis drei Wochen nach dem Kahlfraß treiben sie wieder aus. Solche Erholungseffekte kennen wir auch bei Eichen und Kiefern, die durch Eichenprozessionsspinner bzw. Kieferspinner kahlgefressen wurden.

Das „große Fressen“ der Gespinstmottenraupen endet mit der Verpuppung der Raupen. Wer so gut es geht verhindern möchte, dass es in seinem Garten im nächsten Jahr erneut zu einem Befall kommt, sollte die natürlichen Feinde der Gespinstmotten fördern und das sind vor allem die Gartenvögel. Ein Meisenpaar verfüttert zum Beispiel während der Aufzucht des Nachwuchses knapp 10.000 Raupen an seine Jungen und da sind dann bestimmt auch Raupen der Gespinstmotte dabei.

Noch bis Mitte Juni werden die Raupen der Gespinstmotte fressen, bevor sie sich im Juli zu kleinen Schmetterlingen entpuppen. Es sind kleine helle Falter von einem Zentimeter Spannweite und auffällig schwarz gepunkteten Flügeln. Danach ist es dann mit den Gespenstern im Park und am Straßenrand wieder vorbei.

Es gibt noch zahlreiche andere Gespinstmottenarten und neben Pfaffenhütchen und Traubenkirsche werden auch Weißdorn, Pappeln und Weiden im Frühjahr mit einem dichten Gespinst überzogen, manchmal sind auch Obstbäume partiell eingesponnen. „Bei befallenen Obstbäumen sollte man rechtzeitig mit dem Absammeln der Tiere beginnen“, empfiehlt Kratz. Davon, die Tiere mit Gift zu vernichten, rät der Ökotoxikologe ab. „Das ist meistens ebenso sinnlos wie gefährlich für die Umwelt, da von Insektengiften auch die natürlichen Feinde der Gespinstmotten betroffen sind.“


NABU-Insektensommer
Noch bis zum 9. Juni läuft der 1. Teil des diesjährigen Insektensommers – einer Citizen Science Aktion des NABU : www.insektensommer.de

Volksinitiative „Artenvielfalt retten – Zukunft sichern“
Die Volksinitiative „Artenvielfalt retten – Zukunft sichern“ wurde von den brandenburgischen Naturschutzverbänden NABU, BUND und den NaturFreunden sowie deren Jugendorganisationen und der Aurelia Stiftung initiiert, um in Brandenburg gesetzlich mehr Artenschutz zu verankern.
So wollen die Umweltschützer unter anderem die Landwirtschaft umweltverträglicher gestalten, den Ökolandbau voranbringen, den Pestizideinsatz verringern, Gewässer besser vor Schadstoffeinträgen schützen sowie die Weidetierhaltung unterstützen. Die Initiatoren haben ihre wichtigsten Forderungen in konkrete Gesetzesvorschläge einfließen lassen und wollen so die gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Schutz der Artenvielfalt in Brandenburg verbessern.

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