Hitzewelle in Deutschland – die Tiertransporte gehen trotzdem weiter

Frankfurt/Main (ots)

Letzte Woche stiegen die Temperaturen in Deutschland zeitweise auf bis zu 38°C. Der Deutsche Wetterdienst gibt eine Hitzewarnung aus. Und dennoch: Unzählige Tiertransporte mit Ferkeln, Schafen, Rindern und Hühnern rollen weiter über Deutschlands Straßen – ihr Leiden ist unübersehbar. Die Tierschutzorganisation Animals‘ Angels dokumentiert mehrere Fälle und fordert die Politik auf, endlich zu handeln.

Bereits 2019 hatte die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner deutlich gemacht: „Wenn es zu heiß ist, gilt ganz klar: kein Transport, das verstößt sonst eindeutig gegen das Tierwohl.“[1] Doch die Realität sieht auch zwei Jahre danach anders aus, wie der jüngste Einsatz von Animals‘ Angels zeigt.

Bei Temperaturen deutlich über 30°C begleitet Animals‘ Angels einen Transport von ‚Mast’ferkeln quer durch Deutschland. Die Tierkinder stehen dicht aneinandergedrängt. Trotz der Hitze wurde die Ladedichte nicht reduziert. Die Ferkel haben nicht genug Platz, um sich gleichzeitig hinlegen zu können. Sie zeigen eine extrem erhöhte Atemfrequenz und leiden stark unter der Hitze. Auch beobachtet das Animals‘ Angels Team immer wieder Transporte von ‚Mast’hühnern zum Schlachthof, sogar zur Mittagshitze.

Bei hohen Temperaturen leiden die Tiere bereits nach kurzer Zeit auf dem Transporter an „Hitzestress“. Sie können ihre Körpertemperatur nicht selbst herunterregulieren. Übliche Transportfahrzeuge sind nicht klimatisiert. Sie sind nur mit Ventilatoren ausgestattet, die die Temperaturen in den Fahrzeugabteilen nicht unter die Außentemperatur senken können. Die Enge auf dem Transporter und die fehlende oder ungenügende Versorgung mit Wasser verschärft die Situation für die Tiere zusätzlich. Das alles verursacht eine massive physische und psychische Belastung der Tiere, die bis zum Tod führen kann.

„Für diese sogenannten Kurzstreckentransporte unter 8 Stunden gibt es bisher kein Temperaturlimit. Das muss sich dringend ändern! Es braucht endlich Temperaturgrenzwerte, die an die art- und typspezifischen Bedürfnisse der Tiere angepasst sind – unabhängig von der Länge des Transportes“, fordert die Einsatzleiterin Helena Bauer.

Denn bisher ist es laut EU-Tierschutztransportverordnung Nr. 1/2005 nur verboten, Tiere bei Temperaturen im Fahrzeuginneren von über 30°C zu transportieren, wenn die Transporte über 8 Stunden dauern. Auch diese gesetzlichen Vorgaben werden regelmäßig in der EU missachtet, wie der jüngste Einsatz bestätigt:

Animals‘ Angels begleitet einen Transport von niederländischen Schafen durch Deutschland. Der Zielort der Tiere liegt über 2300 km entfernt in Bulgarien. „Die Schafe mussten 1,5 Stunden im Stau ausharren, bei sengender Hitze von über 35°C. Die meisten Tiere waren ungeschoren und trugen dichtes Fell. Auch wenn die Tiere mehr Platz hatten als sonst – der Transport hätte bei diesen Temperaturen gar nicht erst abgefertigt werden dürfen! Die Tiere hatten enormen Hitzestress – und dann haben die Fahrer nicht einmal die Ventilation angestellt, erst auf unser Drängen hin. Doch wer kontrolliert das schon unterwegs?“, berichtet Helena Bauer weiter.

Auf EU-Ebene wird derzeit um die Revision der Tierschutztransportverordnung Nr. 1/2005 gerungen, und in Deutschland trifft sich am kommenden Freitag, den 25.06.2021, der Bundesrat zu einer Plenumssitzung, bei der die Überarbeitung der nationalen Tierschutztransportverordnung auf der Agenda steht. U.a. werden dort auch Transporte bei Hitze diskutiert.

In diesem Zusammenhang hält der Ausschuss für Agrarpolitik und Verbraucherschutz des Bundesrates in seinen Empfehlungen (BR-Drucksache 394/1/1 vom 11.06.2021) fest: „Hitzestress ist hochgradig tierschutzrelevant und sollte weder auf Kurz- noch auf Langstreckentransporten geduldet werden.“[2].

Animals‘ Angels fordert den Bund auf gemeinsam mit den Bundesländern deutschlandweit endlich klare Regelungen zu treffen und in der EU als gutes Beispiel für mehr Tierschutz voranzugehen.

Die Grenzwerte für die Temperaturen in der Verordnung zum Schutz der Tiere beim Transport auf nationaler und EU-Ebene müssen je nach Tierart, Alter und physischen Konditionen deutlich nach unten korrigiert werden. Auch müssen die Bundesländer dabei ihrer Kontrollpflicht nachkommen und die Tiertransporte, unabhängig von der Länge der Strecke, bei hohen Temperaturen effektiv unterbinden. Der Bundesrat hat im Zuge der Revision der nationalen Tierschutztransportverordnung nun die Gelegenheit ein Zeichen für die Tiere zu setzen.

Um der Forderung, Tiertransporte im Sommer zu stoppen, mehr Nachdruck zu verleihen, startet Animals‘ Angels auch in diesem Jahr wieder die Aufklärungskampagne #StopHeatSuffering. Plakate an über hundert Autobahnraststätten machen ab dem 15. Juli auf das Schicksal der Tiere bei Hitzetransporten aufmerksam.

[1] BMEL Pressemitteilung Nr. 154/2019 vom 14. Jul 2019, https://www.bmel.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2019/154-tiertransporte.html

[2] https://www.bundesrat.de/SharedDocs/drucksachen/2021/0301-0400/394-1-21.pdf?__blob=publicationFile&v=1

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