Hochwasserschutz an der Oder – Mehr Sicherheit vor Hochwasser für Friedrichsthal und Gartz

Gartz (Oder) / Friedrichsthal – Umweltminister Axel Vogel hat heute nach dreieinhalbjähriger Bauzeit einen auf rund drei Kilometer Länge neu errichteten Deich zwischen Friedrichsthal und Gartz (Oder) übergeben. Vor der Ertüchtigung waren die Ortslagen aufgrund mangelnder Standsicherheit des Deiches bei Hochwasser gefährdet. Mit Hilfe von Fördermitteln aus der „Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) konnte diese Gefahrenstelle beseitigt werden.

Mit der nun fertiggestellten Ertüchtigung im Baulos 67 wird der Hochwasserschutz in der Region gestärkt. Die Höhe der Investitionen umfassten 16 Millionen Euro. Die Baumaßnahme im Baulos 67 erstreckte sich vom Ende der Dorfstraße Friedrichsthal bei Deich-Kilometer 0-040 entlang der Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße bis hin zur

Westoder bei Gartz (Deich-Kilometer 3+000).

Umweltminister Axel Vogel: „In den letzten Jahren mussten wir uns in Brandenburg vor allem den Herausforderungen im Umgang mit Niedrigwassersituationen und dem damit einhergehenden Wassermangel stellen. Die zuletzt in anderen Regionen Deutschlands aufgetretenen Flutkatastrophen mahnen uns allerdings, dass durch die Klimaveränderungen Extremwetterereignisse weiter zunehmen werden und so die Gefahr durch Hochwasser immer wieder auftreten wird. Die Hochwasserkatastrophen in Brandenburg, 1997 an der Oder sowie in den Jahren 2002, 2006 und 2013 an der Elbe, sind uns allen noch in Erinnerung und haben deutlich gemacht, dass wir beim Hochwasserschutz nicht nachlassen dürfen. Deshalb freue mich, heute einen weiteren wichtigen ertüchtigten Deichabschnitt an der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße und der Westoder zu übergeben.“

Die Deiche an der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße und der Westoder schützen die Gemeinde Friedrichsthal sowie die Stadt Gartz und verhindern weitreichende Überflutungen der Polder 5 und 6 sowie des westlich angrenzenden Gartzer Bruches. Die Hauptdeiche an der Westoder und der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße weisen allerdings auf einigen Streckenabschnitten Defizite hinsichtlich der Höhe und der Standfestigkeit auf. Sie sind außerdem noch nicht durchgängig auf das Bemessungshochwasser an der Oder, das einem 200-jährlichen Hochwasserereignis entspricht, ausgelegt. Aufgrund einer ungünstigen Deichgeometrie sowie schwierigen Untergrundverhältnissen traten beim Hochwasserereignis 1997 umfangreiche Schadensstellen auf.

Die Verstärkung und Erneuerung der Hochwasserschutzanlagen an der Oder haben für Brandenburg hohe Priorität. Aktuelle Schwerpunkte liegen insbesondere auf Maßnahmen an der unteren Oder bei Schwedt und in der Verbesserung des innerstädtischen Hochwasserschutzes in Frankfurt/Oder. Mit Fertigstellung dieser Baumaßnahmen sind nun rund 92 Prozent der verstärkungs- oder sanierungsbedürftigen Oderhauptdeiche (159 Kilometer) an die allgemein anerkannten Regeln der Technik angepasst.

Eine besondere Herausforderung bei der Ertüchtigung stellte für die Planer und Bauingenieure die zu erwartende hohe Kampfmittelbelastung in Verbindung mit einem wenig tragfähigen Baugrund dar. Zunächst musste der Altdeich abschnitts- und schichtweise komplett zurückgebaut werden. Der Neuaufbau wurde nach dem Stand der Technik hergestellt, die Deichkrone erhöht und die Böschungen abgeflacht. Dafür wurde die Deichaufstandsfläche landseitig verbreitert. Im Abstand von rund 15 Metern entlasten künftig Brunnen den Deich und sorgen für Standfestigkeit trotz des schwierigen Untergrunds. Zusätzlich stabilisiert landseitig eine Auflastberme den Deich. Zur Wasserseite dichtet eine geosynthetische Tondichtungsbahn den Deich ab. Auf der Krone erhielt der Deich einen Deichverteidigungsweg in Asphaltbauweise. Das begünstigt die Deichverteidigung und gestaltet Ausflüge in den Nationalpark Unteres Odertal für Radfahrer und Skater noch attraktiver.

Im Rahmen der Baumaßnahme wurden mehr als 500.000 Kubikmeter Material bewegt. Um die Anwohnerinnen und Anwohner in den umliegenden Orten möglichst wenig durch Baulärm und –staub zu beeinträchtigen, wurde eigens für die Materialtransporte ein Schiffsanleger in der Westoder errichtet. Dieser soll auch für kommende Baumaßnahmen weiter genutzt werden. Zu den letzten Arbeiten gehörten der Rückbau der Baustraße, die Verlegung der Fernmeldekabel und die Montage der Pegellatten. Auftragnehmer war die STREICHER Tief- und Ingenieurbau Jena GmbH & Co. KG, Niederlassung Berlin-Brandenburg.

Insgesamt betragen die Investitionen in den Hochwasserschutz in Brandenburg in der aktuellen Förderperiode jährlich rund 30 bis 35 Millionen Euro.

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