Höhere Lebensqualität für Bewohner mit Autismus: Oberlinhaus installiert Schallschutzdecken in Wohnstätte

Autistische Menschen reagieren oft überempfindlich auf Geräusche, sodass vor allem im Wohnbereich auf ausreichend Schallschutz zu achten ist. Im Moltke-Haus des Oberlinhaus leben 10 Frauen und Männer mit frühkindlichem Autismus und geistiger Behinderung, die von einem 34-köpfigem Team betreut werden. In den Räumen mit hoher Lärmbelastung wie dem Eingangsbereich und den Fluren im Erd- und Obergeschoss wurden nun spezielle Schallschutzelemente an den Raumdecken angebracht, die den Schall aufnehmen und nicht mehr zurückwerfen. Die Kosten für den Schallschutz beliefen sich auf 16.600 Euro – das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie des Landes Brandenburg (MASGF) förderte die Maßnahme mit 13.100 Euro.

„Vor der baulichen Maßnahme hallte es in allen Räumen – jedes Stuhlscharren und jedes Geschirrklappern schien sich zu verstärken. Von den Betreuern bekam ich oft die Rückmeldung, dass es zu laut sei und auch am Verhalten der Bewohner habe ich gemerkt, dass die Akustik in unseren Räumen ungünstig war“, berichtet Harriette Usnerus-Tumm, Hausleiterin im Moltke-Haus. Weil Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS) aufgrund ihrer Besonderheiten im Bereich der Wahrnehmungsverarbeitung rasch irritiert oder überfordert sind, war es wichtig, eine reizarme Umgebung mit wenig Ablenkung zu schaffen. „Menschen mit ASS haben Schwierigkeiten, Hintergrundgeräusche auszublenden. Sie hören alle Geräusche etwa in derselben Lautstärke und haben Schwierigkeiten, z. B. das gesprochene Wort aus den Hintergrundgeräuschen herauszufiltern“, erklärt sie weiter. Lärm ist ein enormer Stressfaktor für Menschen mit Autismus, akustische Reize können sie völlig aus dem Konzept bringen und sie verunsichern. Sie machen ihnen Angst und können zu stark herausfordernden Verhaltensweisen und Kommunikationsstörungen führen.

„Der extreme Nachhall hat sich durch die Umbaumaßnahmen deutlich reduziert. Unsere Bewohnerinnen und Bewohner können sich besser konzentrieren und sind weniger gestresst“, so Harriette Usnerus-Tumm. Sie habe schon mehrfach positive Effekte auch bei besonders betroffenen Bewohnerinnen und Bewohnern beobachten können. „Es ist spürbar, dass insbesondere in Anspannungssituationen, die mit lautem Schreien einhergehen, eine schnellere Deeskalation möglich ist und der Stresspegel somit nicht mehr so stark auf andere Bewohnerinnen und Bewohner übertragen wird.“ Ein weiterer positiver Effekt: Durch diese Maßnahme, die vom MASGF gefördert wurde, konnten auch die Arbeitsbedingungen und das Arbeitsklima für die Mitarbeitenden deutlich verbessert werden.

%d Bloggern gefällt das: