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IHK fordert Rettungspaket für halbvolle Reisebusse

Wenn am 25. Mai die Räder wieder rollen: Busbetriebe in arger Bedrängnis auch wegen unterschiedlicher Regelungen in den Bundesländern

Potsdam, 21. Mai 2020 – Durch die Corona-Pandemie geraten Reisebusbetriebe und weitere Verkehrsunternehmen in Schwierigkeiten, vielen droht gar die Insolvenz. „Ein Untergang der Branche darf nicht zugelassen werden – aber ohne ein staatliches Rettungspaket wird das nicht gehen. Deshalb muss der Erhalt in Berlin angepackt werden.“ Das sagt Peter Heydenbluth, Präsident der Industrie- und Handelskammer Potsdam. „Der Fortbestand eines der umweltfreundlichsten Verkehrsmittel steht auf der Kippe. Gut geführte und finanziell gesunde Unternehmen sind plötzlich von der Insolvenz bedroht. Auch wenn Busse ab dem 25. Mai wieder rollen dürfen, wird das mit Wirtschaftlichkeit wenig zu tun haben. Das Mindeste wäre, wenn sich die Bundesländer wenigstens hier einmal einig wären.“

Frank Fuhrmann, Reiseclub Berlin-Brandenburg GmbH, Potsdam, erklärt:

„Falls wir ab dem 25. Mai aus Brandenburg eine Tour in den Süden unternehmen wollten, dürften wir nicht durch Sachsen fahren, weil dort die Erlaubnis erst ab 5. Juni gilt. Deshalb sage ich: Es sind nur noch eineinhalb Meter bis zur Insolvenz. Nicht die Hygienemaßnahmen machen uns Sorgen, denn wir sind bestens ausgestattet mit Masken und Desinfektionsmitteln. Die Einhaltung der Abstandsregelung ist das Problem. Für meine Busse heißt das eine Reduzierung der Fahrgäste von 50 auf 24 – das entspricht einer Auslastung von 44 Prozent und das ist unwirtschaftlich.“

Günter Anger, Inhaber der Günter Anger Güterverkehrs GmbH & Co. Omnibusvermietung KG in Marquardt, und Vorsitzender des IHK-Verkehrsausschusses, sagt:

„Klassenfahrten und Gruppenreisen sind storniert. Auch wenn wir Ende Mai wieder fahren dürfen, werden Sitzplätze in unseren Bussen weitestgehend unbesetzt bleiben. Die Fahrgäste sind verunsichert und warten ab, auch wegen der verschiedenen regionalen Regeln. Der große Ansturm wird wohl ausbleiben. Die typische Bus-Zielgruppe 60+ gehört zudem zu den Risikogruppen. Dieses und auch das kommende Jahr wachsen sich zunehmend zur Katastrophe aus.“

Die Busbranche wurde von den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise so hart getroffen, wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig: Die Bruttoumsätze der Reisebusbranche in Deutschland belaufen sich auf insgesamt 14,3 Milliarden Euro im Jahr. Die Bustouristik beschert den in Beherbergungsbetrieben jährlich rund 34 Millionen Übernachtungen. In ganz Deutschland gibt es rund 3.600 private Busunternehmen mit einem Fuhrpark von fast 20.000 Bussen. Jedes Jahr nutzen rund 81 Millionen Fahrgäste aus touristischen Gründen den Reisebus. In der Bustouristik stehen alle Fahrzeuge seit zwei Monaten still. Rund 40 Busunternehmen gibt es allein in Westbrandenburg, von denen ein Großteil ihre Busse erst wieder ab 25. Mai einsetzen dürfen. Die Einnahmen im ÖPNV sind um bis zu 90 Prozent gesunken.

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