IHK-Herbst-Konjunkturumfrage: Trotz Erholung setzt Materialknappheit die regionale Wirtschaft unter Druck

Die gesamtwirtschaftliche Erholung im Kammerbezirk Potsdam hat sich über die Sommermonate fortgesetzt.“ Das sagt Mario Tobias, Hauptgeschäftsführer der IHK Potsdam, zu den heute veröffentlichten Konjunkturzahlen der IHK-Herbstbefragung.

Mario Tobias weiter: „Der Geschäftsklimaindex* ist im Vergleich zum Frühsommer um stolze zehn Punkte auf nunmehr 120,6 Punkte gestiegen. Im Vorjahresvergleich ist damit sogar ein Anstieg um fast ein Fünftel zu verzeichnen. Doch ist damit der Pandemie-bedingte Konjunktureinbruch überwunden? Mitnichten. Zwar berichtet im Schnitt jedes zweite Unternehmen aktuell von einer guten Geschäftslage. Diese positiven Rückmeldungen sind allerdings nach wie vor sehr ungleich zwischen den Branchen verteilt.“

Darüber hinaus belasten Verwerfungen im Welthandel und daraus resultierende Lieferengpässe bei diversen Produkten und Rohstoffen auch die heimische Wirtschaft. Betroffen sind Unternehmen in nahezu allen Bereichen, sowohl im Handel als auch im produzierenden Gewerbe. Dazu kommt eine weltweit massiv gestiegene Nachfrage nach elektronischer Hardware und den entsprechend benötigten Computerchips, die wiederum an anderen Stellen fehlen. Zusätzlich haben geopolitische Handelsstreitigkeiten beispielsweise zwischen den USA und China zu regelgerechten Hamsterkäufen auf chinesischer Seite geführt. Jedoch sind Materialengpässe und daraus resultierende Preissteigerungen auch in vielen anderen Bereichen zu verzeichnen, so unter anderem bei Stahl, Kupfer, Holz und Öl. „Mit einer Normalisierung ist bestenfalls im Jahresverlauf 2022 zu rechnen, sofern entsprechende Produktionskapazitäten aufgebaut werden und sich die Märkte wieder beruhigen“, sagt Tobias.

Gemischte Geschäftserwartungen

Die Geschäftserwartungen haben sich im Vergleich zur Befragung im Frühsommer überraschend aufgehellt. Der Anteil derer, die eine bessere Geschäftslage erwarten, ist mit 22 Prozent zwar weitgehend konstant geblieben, allerdings gehen mit 19,4 Prozent etwas weniger Unternehmen von einer Verschlechterung aus. Mit 44,5 Prozent rechnet fast jedes zweite Unternehmen mit steigenden Umsätzen für die kommenden zwölf Monate.

Die weitere Entwicklung der Covid-Pandemie ist dabei Hoffnung und Sorge zugleich. Einerseits schwebt das Risiko einer weiteren Welle mit entsprechenden Einschränkungen über den Unternehmen, andererseits verstetigt sich die Hoffnung, dass dies durch fortschreitendes Impfen in der Bevölkerung verhindert werden kann.

Deutlich ausgeprägter ist die Sorge vor weiteren Preissteigerungen sowohl bei Vorleistungsprodukten als auch den Endverbrauchern. Bei den Risiken für die weitere wirtschaftliche Entwicklung werden die Energie- und Rohstoffpreise zunehmend häufiger genannt und verzeichnen seit Herbst 2020 eine noch nie dagewesene Dynamik. Für mehr als jedes zweite Unternehmen ist dies inzwischen ein erhebliches Risiko.

Noch stärker belastet nur der Fachkräftemangel die heimischen Unternehmen. Fast 70 Prozent benennen dies als Risiko für die weitere Entwicklung. Dabei ist das Gastgewerbe mit 85,5 Prozent der Befragten am stärksten betroffen. Nach einem Jahr weitgehender Kurzarbeit haben sich dort viele Arbeitskräfte nach Alternativen umgeschaut. Dazu kam die unsichere Lage im Frühjahr, sodass zu dieser Zeit keine Saisonkräfte eingestellt werden konnten, da diese zunehmend in anderen Bereichen beschäftigt waren.

Am dritthäufigsten werden nach wie vor unsichere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen genannt. Da der Befragungszeitraum weitestgehend vor der Bundestagswahl stattfand, spiegelt dies die Unsicherheit über deren Ausgang wider. Die zukünftige Koalition sollte daher schnell in Regierungshandeln kommen und Planungssicherheit für die Unternehmen herstellen.

Beschäftigungspläne

Der Beschäftigungsaufbau in der Region wird weiter anhalten: Knapp jedes dritte Unternehmen gibt an, dass die Beschäftigtenzahl zunehmen wird, 12,2 Prozent erwarten eine abnehmende Beschäftigtenzahl. Der Saldo liegt dementsprechend bei 18,5 Punkten, was den höchsten Wert seit Ausbruch der Pandemie markiert. Allerdings setzt sich ein Trend fort, der bereits in den vorherigen Umfragen zu erkennen war: Es sind vor allem die größeren Unternehmen, die Personaleinstellungen planen. Während der Saldo bei den Betrieben mit weniger als 50 Beschäftigten bei 8,3 Punkten und damit noch immer im positiven liegt, ist dieser bei jenen mit einem größeren Personalbestand mit 29,6 Punkten deutlich ausgeprägter.

„Die Herausforderung bleibt, dass die nötigen Fachkräfte einfach nicht da sind. Wir ermuntern deshalb alle Unternehmen, über die eigene Aus- und Weiterbildung – auch unter Berücksichtigung Zugewanderter – für qualifiziertes Personal zu sorgen und dafür auch zu werben“, rät Tobias.

Investitionspläne

Die Investitionsdynamik im Kammerbezirk ist nach wie vor stabil. Zwar hat sich der Saldo aus Unternehmen, die angeben, dass sie ihre Investitionen ausweiten und jenen, die sinkende Investitionsausgaben erwarten, im Vergleich zur Frühjahrsbefragung von 33,9 auf 29,6 Punkte gefallen. Im Vorjahresvergleich ist dies jedoch nach wie vor ein Anstieg von 13,3 Punkten. Mit 39,1 Prozent erwartet mehr als jedes dritte Unternehmen steigende Investitionsausgaben.

Investitionen in den Umweltschutz spielen über alle Branchen hinweg eine eher untergeordnete Rolle. Ein sich ständig ändernder Rechtsrahmen kann dafür ursächlich sein. Sollen die ambitionierten Klimaschutzziele in den kommenden Jahren umgesetzt werden, bedarf es hier klarerer und verlässlicher Vorgaben.

Exportwirtschaft

Das Exportgeschäft hat in den vergangenen Befragungen seit dem großen Einbruch im Frühjahr vorigen Jahres kontinuierlich zugelegt. Aktuell geben 43,7 Prozent der exportierenden Unternehmen an, dass ihre Exporte in den vergangenen Monaten zugelegt haben. Nur 20,2 Prozent berichten von rückläufigen Exportzahlen. Dies deckt sich mit den Zahlen der öffentlichen Statistik. Demnach sind die Auslandsumsätze bis Juli um 7,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Dabei ist der Umsatz mit dem EU-Ausland mit 7,2 Prozent geringfügig stärker angestiegen.

Das EU-Ausland, das für die märkischen Firmen nach wie vor die wichtigste Exportdestination bildet, könnte auch künftig wieder zunehmend Attraktivität gewinnen. So haben sich die Exporterwartungen der im Außenhandel aktiven Unternehmen des Kammerbezirks sehr erfreulich entwickelt. Mit 5,7 Prozent rechnet nur ein äußerst geringer Anteil mit rückläufigen Exportzahlen. Die große Mehrheit von 65,0 Prozent rechnet mit etwa gleichbleibenden Werten, knapp ein Drittel gar mit einem Anstieg.

An der Herbst-Konjunktur-Umfrage der IHK Potsdam haben im Zeitraum vom 13. September bis 3. Oktober insgesamt 431 Unternehmen teilgenommen.

* Der Geschäftsklimaindex ist das geometrische Mittel der Salden aus positiven und negativen Einschätzungen der aktuellen und der erwarteten Geschäftslage (neutral=100).

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