Innovation und Erfahrungsaustausch – THW auf der Interschutz 2022

Hannover. 1.300 Ausstellende aus 52 Ländern, mehrere Tausend Besucherinnen und Besucher und mittendrin das Technische Hilfswerk (THW): Auf der Fachmesse Interschutz in Hannover präsentierten Ehren- und Hauptamtliche des THW vom 20.-25. Juni 2022 neueste technische Entwicklungen und nahmen das Fachpublikum in den Einsatzalltag einer technisch-logistischen Bevölkerungsschutzorganisation mit. „In dieser Woche auf der Interschutz haben wir auf unserem attraktiven Stand die ganze Bandbreite des THW vorgestellt und uns mit Interessierten ausgetauscht. Gerade unsere Forschungsprojekte zeigen: Wir leben Zukunft schon jetzt“, freut sich THW-Präsident Gerd Friedsam über den erfolgreichen Messeauftritt.

Auf rund 800 Quadratmetern Standfläche zeigte das THW auf der Fachmesse für Brand- und Katastrophenschutz was es kann und wofür es steht. Neben der Vorstellung unterschiedlicher Fahrzeuge und Einsatzoptionen lag der Fokus vor allem auf den Innovationen in den Bereichen Forschung und Technik. Hierzu stellte das THW unter anderem den Roboter SMURF aus. Er wurde im Rahmen des Projekts CURSOR entwickelt und kann zukünftig bei der Suche nach Verschütteten eingesetzt werden. Auch das Projekt LUPE+ befasst sich mit der Suche in Trümmerbereichen. Das System besteht aus bis zu fünf vernetzten Radarmodulen, welche mit einer Drohne, per Hand oder Kran im zu durchsuchenden Trümmerbereich verteilt platziert werden können.

Ein weiteres Highlight schwebte direkt über den Köpfen der Besucherinnen und Besuchern: die Drohne des Larus-Pro-Projekts. Ursprünglich wurde sie zur Lageunterstützung bei Seenotrettungseinsätzen verwendet, die optimierte Version soll zukünftig auch landseitig den Katastrophenschutz unterstützen. „Ob Roboter, Drohnen oder Künstliche Intelligenz, wir gehen mit der Zeit und nutzen alle uns zur Verfügung stehenden Ressourcen und technologischen Möglichkeiten, um den Bevölkerungsschutz noch weiter voran zu bringen“, betont der THW-Präsident.

Zentrales Thema des Standes war zudem der Starkregeneinsatz, der durch Teile eines Brückensystems, das THW-Kräfte auch im Ahrtal verbauten, symbolisiert wurde. Der Einsatz rund um Sturmtief Bernd war der größte Einsatz in der THW-Geschichte. Expertinnen und Experten des THW tauschten sich auf der Interschutz mit den Besucherinnen und Besuchern dazu aus, erzählten von ihren Erfahrungen und informierten diese über die THW-Fachkompetenz Brückenbau.

Um auf Klimakatastrophen wie dem Starkregen vorbereitet zu sein, entwickelte das Forschungsteam des THW in den vergangenen Jahren mehrere Projekte zur Wassergefahrenabwehr. Eins davon ist das Pontonboot, das auf der Interschutz vorgestellt wurde: Der Prototyp ist multifunktional einsetzbar und kann als Boot sowie als Arbeitsplattform verwendet werden. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) entstand zudem das EU-Modul „Flood Rescue Using Boats“, kurz FRB. Das Einsatzmodul soll zukünftig bei Hochwasserkatastrophen eingesetzt werden und Menschen sowie Sachgüter retten und bei der Versorgung unterstützen.

Mit einem mobilen Werkstattcontainer präsentierten THW-Expertinnen und -Experten der Fachgruppe Logistik Materialwirtschaft den neuen „Fachzug Logistik“ auf der Messe. Der 20-Fuß-Container kann in der Nähe der Einsatzstelle abgesetzt werden und ist vollständig ausgestattet, so dass Reparaturen an Fahrzeugen und Geräten durchgeführt werden können. „Durch die neu konzipierten Fachzüge Logistik und die sechs geplanten Logistikzentren baut das THW seine Fähigkeiten in der logistischen Unterstützung weiter aus“, sagt THW-Präsident Gerd Friedsam.

Die Analyse von Informationen in den Sozialen Medien und weiterer Online-Daten ist das Thema des „Virtual Operations Support Teams“ (VOST), das ebenfalls auf dem Stand vertreten war. Die Einsatzkräfte des VOST sind Expertinnen und Experten bei der Gewinnung, Verarbeitung und Darstellung von digitalen Informationen. In Zeiten, in denen Soziale Netzwerke als Informations- und Kommunikationsquellen von immer größer werdender Bedeutung sind, entwickelt sich das THW auch an dieser Stelle weiter. „Basis einer gut funktionierenden Einsatzorganisation ist, sich schnell an verändernde Zeiten anzupassen. Zu diesem Zweck bedienen sich unsere Expertinnen und Experten neuester Technologie und arbeiten an innovativen Forschungsprojekten. Ich blicke optimistisch in die Zukunft und denke, dass wir umfassend auf kommende Schadenslagen vorbereitet sind“, fasst der THW-Präsident zusammen.

Abseits des Standes informierten THW-Vertreterinnen und -Vertreter beim Symposium des Magazins „Crisis Prevention“ und bei Podiumsdiskussionen auf dem zentralen INTERSCHUTZ-Forum über die neuesten Entwicklungen des THW. Damit neben all den Innovationen die Vergangenheit nicht in Vergessenheit gerät, stellte sich am Stand neben THW-Stiftung, THW-Bundesvereinigung und THW-Jugend auch die THW-historische Sammlung (THWhS) vor. Mit Exponaten wie einem Einsatzfahrzeug der ersten Stunde ermöglichte sie Einblicke in die bewegte Geschichte des THW. „Die Interschutz ist für den Bereich Katastrophenschutz eine wichtige Messe – darum dürfen wir hier als THW nicht fehlen. Die Messe war ein voller Erfolg. Unsere ehren- und hauptamtlichen Kräfte konnten dem Publikum so einiges aus dem THW-Repertoire zeigen, sich untereinander austauschen und mit anderen Hilfs- und Katastrophenschutzorganisationen netzwerken. Wir freuen uns schon jetzt auf die nächste Interschutz 2026!“, resümierte der THW-Präsident Gerd Friedsam.

Das THW ist die ehrenamtliche Einsatzorganisation des Bundes. Das Engagement der bundesweit mehr als 80.000 Freiwilligen, davon die Hälfte Einsatzkräfte, ist die Grundlage für die Arbeit des THW im Bevölkerungsschutz. Mit seinem Fachwissen und den vielfältigen Erfahrungen ist das THW gefragter Unterstützer für Feuerwehr, Polizei, Hilfsorganisationen und andere. Das THW wird zudem im Auftrag der Bundesregierung weltweit eingesetzt. Dazu gehören unter anderem technische und logistische Hilfeleistungen im Rahmen des Katastrophenschutzverfahrens der Europäischen Union sowie im Auftrag von UN-Organisationen.

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