Kirchliche Sendungen am Wochenende 20./21. Februar 2021 und zum Auftakt von „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“

„Das Wort zum Sonntag“ spricht am Samstag, 20. Februar 2021, um 23:50 Uhr Pfarrer Wolfgang Beck aus Hildesheim. Sein Thema: „Danke allen, die mit Ausdauer „stören“!“
Die katholische Kirche in Deutschland verliert an Vertrauen, nicht nur in Köln. Pfarrer Wolfgang Beck aus Hildesheim blickt skeptisch auf die Reaktionen der verantwortlichen Bischöfe, denen Kritiker offenbar lästig sind. Ausdrücklich möchte sich Beck bei den Menschen bedanken, die als Einzelne oder in Initiativen beständig für Reformen eintreten und sich nicht leicht aus der katholischen Kirche herausdrängen lassen.
Die „Wort zum Sonntag“-Sendung kann unter www.DasErste.de/wort nachgelesen oder als Video-Podcast sowie am jeweiligen Tag nach 18:00 Uhr in der ARD-Mediathek angesehen werden.
Redaktion: Eberhard Kügler (NDR)
Sonntag, 21. Februar 2021, um 10:00 Uhr
Katholischer Eröffnungsgottesdienst zur Fastenaktion von Misereor
Übertragung aus dem Mariendom zu Hildesheim
In diesem Jahr eröffnet Misereor, das katholische Werk für Entwicklungszusammenarbeit, die Fastenaktion mit einem Gottesdienst aus dem Mariendom zu Hildesheim. Hauptzelebrant ist der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer, zusammen mit dem Freiburger Erzbischof Stephan Burger und Misereor-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel.
„Es geht! Anders.” – ist das Motto der diesjährigen Aktion. Während der Fastenzeit von Aschermittwoch bis zum 5. Fastensonntag am 21. März findet die zentrale Jahresaktion des Hilfswerkes Misereor statt. Die Fastenaktion steht jährlich unter einem anderen Leitwort und rückt damit ein Land des globalen Südens in den Fokus. 2021 ist es Bolivien. Dies findet im Gottesdienst einen musikalischen Ausdruck in der Musik der Gruppe Kuelap. Auch vorgestellt wird das neue Misereor-Hungertuch „Du stellst meine Füße auf weiten Raum – Die Kraft des Wandels“ von Lilian Moreno Sánchez.
Coronabedingt werden darüber hinaus nur drei Gesangssolisten und drei Streicher mit Teilen aus der Missa in F von Domenico Zipoli die Feier musikalisch gestalten. Die Leitung hat Dommusikdirektor Thomas Viezens.
Redaktion: Eberhard Kügler (NDR)
Sonntag, 21. Februar 2021, um 15:45 Uhr
„Wir sind jüdische Deutsche“ – Erbe und Identität seit 1945
„Es war wie ein eigenes Ghetto, in dem wir alle jiddisch miteinander sprachen und unter uns waren“, erinnern sich die Brüder Fiszel und Simon Ajnwojner, wenn sie von ihrer Kindheit im Frankfurter Ostend erzählen. Dort fand die Familie, die zuvor im DP-Lager Föhrenwald in Bayern untergebracht war, ein neues Zuhause. Jüdisches Leben in der Nachkriegszeit: Das war geprägt durch Familien, die im Holocaust unermessliche Einschnitte und Verluste erlitten hatten. Von Eltern, deren Ängste und deren Schweigen auch die nächste Generation prägten. So erinnert sich Dieter Graumann: Als er in die Schule kommt, nehmen ihn die Eltern beiseite: „David, ab heute heißt du Dieter.“ Sie haben das KZ überlebt und wollen nicht, dass ihr Sohn schon an seinem Namen als Jude erkennbar ist. Denn auch im Nachkriegsdeutschland ist der Antisemitismus noch präsent.
Heute begegnen wir jungen Jüdinnen und Juden, für die das Nachkriegsdeutschland lange her ist. Sie sehen sich ganz selbstverständlich zugehörig zu Deutschland mit seiner multikulturellen Gesellschaft. Wie etwa James und David Ardinast, die mehrere Restaurants mit internationaler Küche in Frankfurt am Main betreiben.
Der Film schlägt den Bogen von den kleinen, überwiegend orthodoxen Nachkriegsgemeinden bis heute: Über die Beschränkungen jüdischen Lebens in der DDR, die Zuwanderung der sogenannten Kontingentflüchtlinge ab 1990 und die Neuentwicklung des liberalen Judentums, das an deutsche Traditionen vor der Shoa anknüpft. In Frankfurt, Leipzig und Berlin begegnet die Filmemacherin Andrea Roth Männern und Frauen, die eines eint: Sie legen Wert darauf, nicht als Opfer gesehen zu werden. Sie sind Handelnde, geprägt von ihren Familiengeschichten, aber selbstbewusst und sehr unterschiedlich.
Ein Film von Andrea Roth
Redaktion: Sabine Rauh (BR)
Diese Sendung ist nach der Ausstrahlung zwölf Monate lang in der ARD-Mediathek verfügbar.
Sonntag, 21. Februar 2021, um 16:30 Uhr
1700 Jahre – Festakt zum jüdischen Leben
Aus dem Jahr 321 stammt der erste historische Nachweis jüdischen Lebens nördlich der Alpen: Der römische Kaiser Konstantin erlässt ein Gesetz, das den Provinzstädten die Berufung von Juden in den Stadtrat gestattet – so auch in Köln.
Der Festakt, der in der Kölner Synagoge stattfindet, ist der bundesweite Auftakt zu einem besonderen Jahr: Unter dem Titel „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ finden im ganzen Land zahlreiche Veranstaltungen statt. Die Schirmherrschaft hat Bundespräsident Dr. Frank Walter Steinmeier übernommen, der auch zur Eröffnung sprechen wird.
Junge Jüdinnen und Juden erzählen von ihren Perspektiven auf jüdisches Leben in Deutschland, von ihrem Blick auf die Vergangenheit und den Erwartungen an die Zukunft. Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens betonen die Bedeutung einer gemeinsamen Zukunft – gerade in Zeiten wachsender Anfeindungen. Zum Festakt reden auch der Vizepräsident des Zentralrats der Juden und Vorstandsmitglied der Synagogen-Gemeinde Köln Abraham Lehrer, der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet.
Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker wird das historische jüdische Viertel zeigen, das zurzeit in der Kölner archäologischen Zone ausgegraben wird, dort entsteht das neue jüdische Museum in Köln.
Bedingt durch die Corona-Pandemie wird auf eine große Publikumsveranstaltung verzichtet.
Eine Veranstaltung des Vereins 321-2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e.V. #2021JLID
Moderation: Shelly Kupferberg
Redaktion: Angelika Wagner (WDR)
Sonntag, 21. Februar 2021, um 17:30 Uhr
„Jung, jüdisch, weiblich – Die selbstbewusste Generation“ ist Thema der Sendereihe „Echtes Leben“.
„Ich möchte in keine Schublade gesteckt werden, aber das passiert gerade in Deutschland immer wieder!“ Linda Rachel Sabiers ist eine meinungsstarke Frau: Jüdin, Bloggerin, Autorin. Helene lässt sich gerade zur Rabbinerin ausbilden. Rina ist angehende Grundschullehrerin, alleinerziehend und lebt in einer streng orthodoxen Gemeinde. Was bedeutet es heute, als junge Frau das Judentum in Deutschland zu leben? Dieser Frage geht „Echtes Leben“ gemeinsam mit drei Frauen nach.
„Wenn ich erzähle, dass ich mich zur Rabbinerin ausbilden lasse, schauen die Leute mich oft völlig ungläubig an. Ja, ich mache das, ja, ich bin eine Frau, ja, es gibt noch nicht so viele von mir.“ Helene ist 23 Jahre alt und bezeichnet sich als liberale Jüdin. „Ich bin fest vom Judentum überzeugt, ich könnte mir nicht vorstellen, nicht nach den jüdischen Traditionen zu leben, aber ich engagiere mich genauso für queeres Judentum.“ Besonders die Begeisterung junger Menschen für ein modernes Reformjudentum liegt Helene am Herzen: „Ich möchte jüdisches Leben in Deutschland gestalten – auch außerhalb fester Gemeindestrukturen“.
Wie schwer wiegt die Tradition, was bedeutet Glaube? Jede dieser Frauen lebt das Judentum anders, aber alle fühlen sich den Traditionen verpflichtet.
„Ich bedecke ganz klar meine weiblichen Reize. Ich trage immer Röcke oder Kleider. Aber ich bin auch modisch.“ Rina ist 28 Jahre alt und lebt als gläubige Jüdin in einer streng orthodoxen Gemeinde. Und das obwohl sie bereits geschieden und alleinerziehende Mutter ist. „Das war nicht einfach. Eine Scheidung ist nach wie vor eher selten im orthodoxen Judentum. Ich habe meinen Mann nur wenige Male vorher durch das Engagement meines Berliner Rabbiners kennengelernt. Wir haben dann sehr schnell geheiratet.“ Die Perücke, die sie als verheiratete Jüdin damals trug, liegt immer noch in ihrem Schrank. „Ich werde wieder Perücke tragen, wenn ich noch Mal heirate, und das habe ich fest vor.“
Linda Sabiers wurde bekannt durch ihre Kolumne über jüdisches Leben im Magazin der „Süddeutschen Zeitung“. „Klar habe ich mich gefragt: Soll ich das machen? Ich will ja nicht immer die Rolle der Dauerjüdin spielen, aber andererseits kann ich ja auch nur mit Vorurteilen aufräumen, wenn ich mich selbst beteilige.“ Die 36-Jährige hat einen Schweizer geheiratet, den sie über Tinder kennengelernt hat. Beide haben eine klare Absprache: „Mein Mann Noa durfte die Einrichtung der Wohnung übernehmen, dafür muss er mit mir die jüdische Tradition leben. Freitags ist Shabbat und das genieße ich auch.“ Der kleine „Regelverstoß“, einen Nichtjuden zu heiraten, hat in Lindas Familie bereits Tradition. Auch ihr Vater ist nicht-jüdisch, lebt aber, seit er mit ihrer Mutter verheiratet ist, zu Hause nach jüdischem Brauch. „Da haben die Frauen tatsächlich klar die Macht. Du wirst nur Jude, wenn deine Mutter jüdisch ist. Ansonsten ist es aber so, dass ich die Rolle der Frau im orthodoxen Judentum immer noch problematisch finde. Aber ich würde nicht darüber urteilen. Das muss jede selbst wissen.“ Ein Lieblingsthema mit ihrer besten Freundin Deborah Feldman, die durch ihre Flucht aus der ultraorthodoxen Gemeinde in New York und ihrem Buch „Unorthodox“ weltberühmt wurde.
Drei Frauen, drei unterschiedliche Modelle, den jüdischen Glauben und die Tradition zu leben. Sie alle spiegeln die junge Generation von Jüdinnen, die selbstbestimmt ihren Weg geht. Alle eint der Wunsch, besser verstanden zu werden, alle eint die Befürchtung, dass die gesellschaftlichen Anfeindungen eher zu- als abnehmen.
Ein Film von Nicola Graef und Lena Scheidgen
Redaktion: Christiane Mausbach (WDR)
Diese Sendung ist nach der Ausstrahlung zwölf Monate lang in der ARD-Mediathek verfügbar.
Im Internet: DasErste.de/echtesleben
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