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Landeshauptstadt gedenkt des Mauerbaus und der Opfer der Teilung

Landeshauptstadt gedenkt des Mauerbaus und der Opfer der Teilung

Oberbürgermeister Mike Schubert: „Wir denken an die tausenden Männer und Frauen, die für ihre Fluchtversuche, Fluchthilfen und für ihren Einsatz, Grundrechte in einem diktatorischen System zu erwirken, weggesperrt wurden.“

Oberbürgermeister Mike Schubert hat heute gemeinsam mit Prof. Dr. Christoph Martin Vogtherr, Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, und Uta Gerlant, Leiterin der Gedenkstätte Lindenstraße, am 11. MauerVerlauf der Fördergemeinschaft Lindenstraße 54 teilgenommen und der Opfer der innerdeutschen Grenze gedacht. Schon am Vormittag legte Schubert für die Landeshauptstadt zusammen mit Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke einen Kranz an der NIKE an der Glienicker Brücke nieder. Bürgermeister Burkhard Exner erinnerte am Abend gemeinsam mit Helmut Kleebank, Bezirksbürgermeister Berlin-Spandau, und dem Ortsvorsteher von Groß Glienicke, Winfried Sträter, an den Bau der Mauer vor 58 Jahren und gedachte der Opfer der innerdeutschen Grenze.

Wir dokumentieren die Rede des Oberbürgermeisters bei der Veranstaltung zum MauerVerlauf, es gilt das gesprochene Wort:

„Der 13. August 1961 gehört zu den verhängnisvollsten Tagen unser Geschichte. Als in der Nacht vom 12. zum 13. August vor nunmehr 58 Jahren die Nationale Volksarmee, 5.000 Angehörige der deutschen Grenz- und weitere 5.000 Mitglieder der Schutzpolizei sowie noch einmal 4.500 Personen der Betriebskampfgruppen Ost- von Westberlin abriegelten, da passierte vor den Augen der Welt etwas Ungeheuerliches: Eine Millionenmetropole mitten in Europa wurde mit Stacheldraht und Absperrungen durchtrennt, brachial geteilt.

Für die SED-Führung war die Situation klar: Der enorme Flüchtlingsstrom aus der DDR musste gestoppt werden. Von 1949 bis 1961 hatten rund 2,7 Millionen Menschen die DDR verlassen. Das Land blutete regelrecht aus. Jeder und jede, die dem Land den Rücken kehrte, quittierte der SED den politischen Bankrott. Wer damals ging, ging für immer fort.

Der 13. August 1961 sollte somit eine gewaltsame Verhinderung von alternativen politischen Wegen für die DDR bedeuten. Die Botschaft war genauso radikal wie jene am 17. Juni 1953, als der Massenprotest auf den Straßen und Plätzen und in den Werkhallen der DDR brutal niedergeschlagen worden war.

Die Abriegelung der Grenze zu Westberlin war generalstabsmäßig geplant und streng geheim gehalten. Die Sowjetunion hatte das nächtliche Unternehmen militärisch abgesichert. Panzer und Truppen hatten sich bereitgehalten, waren jedoch im Hintergrund geblieben.

In den frühen sonntäglichen Morgenstunden des 13. August, als die meisten Berliner und Potsdamer noch schliefen, waren die Sektorengrenzen dicht. Und in den folgenden Tagen, Wochen, Monaten und Jahren sollte die immer perfider ausgebaute und erweitere Mauer samt in die DDR hineinragende Hinterlandmauer mit dem Todesstreifen, Stacheldrähten und Selbstschussanlagen die Menschen in zwei völlig entgegengesetzte Welten trennen.

Von der einen Seite als Friedensgrenze und antifaschistischer Schutzwall gepriesen, von der anderen Seite als kommunistische Schundmauer verdammt, wurde die Mauer zu dem steinernen Symbol des Kalten Krieges und zum bitter-wahren Symbol für den politischen Zynismus, der vor keinem menschlichen Leid Halt machte. Allein an der Berliner Mauer kamen mindesten 140 Menschen bei der Flucht ums Leben. Wenn es heute schwerfällt, die genaue Zahl der Opfer an der innerdeutschen Grenze und an der Berliner Mauer zu ermitteln, so hängt das natürlich mit den Verschleierungen und Vertuschungen der Todesopfer durch die Verantwortlichen des Schießbefehls zusammen. Welches Leid nicht nur der Verlust des geliebten Angehörigen auslöste, sondern eben auch die Ungewissheit über die Todesursachen des Geflüchteten – wir können dies nur ansatzweise erahnen.

An diesem heutigen Tag möchten wir uns vor allen Opfern der Berliner Mauer und der innerdeutschen Grenze verneigen, die gewaltsam aus ihrem Leben gerissen wurden, nur weil sie die Freiheit suchten. Nur weil sie ein Leben leben wollten nach ihren eigenen Vorstellungen. Wir denken zugleich an die tausenden Männer und Frauen, die für ihre Fluchtversuche, Fluchthilfen und für ihren Einsatz, Grundrechte in einem diktatorischen System zu erwirken, weggesperrt wurden.

In diesem Jahr wird die Erinnerung an den Anfang der steinernen Trennung von Ost und West gewiss vom Ende der Mauer überlagert. Als im Herbst 1989 das monströse Bauwerk mit einer Gesamtlänge von 155 Kilometern zu bröckeln begann und schließlich auf Druck tausender mutiger, auf Freiheit und politisch-gesellschaftliche Veränderung drängender Menschen zu Fall gebracht wurde – da hatte sich das unfassbar Schockierende von 1961 in das unfassbare Glück von 1989 verwandelt. „Wahnsinn“ – war das für alle, die im November 1989 dabei waren.

Diese große Freude hat dazu geführt, dass unmittelbar nach 1989 die Spuren der Grenze weitgehend beseitigt wurden. Auch und vor allem hier zwischen Potsdam und Berlin. Heute erinnert kaum mehr etwas an die brachiale Mauer mitten in der Kulturlandschaft.

Die Aufmerksamkeit auf das Ende der Mauer sollte jedoch nicht den Blick auf den Beginn der Mauer einschränken und schmälern. Wir sind es allein den Opfern der Mauer schuldig, uns zu erinnern und uns in Erinnerung zu rufen, dass Freiheit und Rechtsstaatlichkeit keine Selbstverständlichkeiten sind. Und dass die Mauer nicht einfach fiel, sondern zu Fall gebracht werden musste. Den Fall der Mauer leiteten die mutigen, couragierten, unangepassten Frauen und Männer ein, die mindestens seit 1961 das Bollwerk gegen die Freiheit nicht akzeptieren wollten.

Meine Damen und Herren, ich bin dankbar, dass wir die Erinnerung an den Bau der Mauer genauso pflegen wie die Erinnerung an den Fall der Mauer – hier an diesem symbolträchtigen Ort der Glienicker Brücke und an der NIKE und danke allen Mitwirkenden am diesjährigen MauerVerlauf, der mit diesem Gedenken seinen Abschluss findet.

Vielen Dank!“

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