Werbeanzeigen

Landkreis Dahme-Spreewald: Gedenken an Opfer in Jamlitz

Erinnerung an Opfer des sowjetischen Speziallagers Nr. 6 in Jamlitz

Dahme-Spreewald-Landrat nimmt an 30. Gedenkveranstaltung auf Waldfriedhof teil

Zum 30. Mal hat die Initiativgruppe Internierungslager Jamlitz am heutigen Samstag an das Leiden und den Tod der im sowjetischen Speziallager Nr. 6 von 1945 bis 1947 inhaftierten Frauen, Männer und Jugendlichen erinnert. Zur jährlichen Gedenkveranstaltung auf dem Jamlitzer Waldfriedhof ist zudem der Häftlinge und Toten des ehemaligen KZ-Außenlagers Lieberose gedacht worden. Unter den rund 200 Teilnehmenden befanden sich noch zehn ehemalige Häftlinge in Begleitung ihrer Angehörigen. Auch Dahme-Spreewalds Landrat Stephan Loge nahm anlässlich des 74. Jahrestages der Errichtung des sowjetischen Speziallagers Nr. 6 in Jamlitz wieder an der Kranzniederlegung zum Gedenken an die Opfer teil. Loge: „Die Gedenkorte Jamlitz und Lieberose mahnen uns mit ihren unheilvollen Geschichtskapiteln, wie fundamental der Erhalt von Freiheit, Menschenrechten und Demokratie in einer Gesellschaft ist und bleiben somit für unsere Erinnerungskultur weit über die Grenzen unseres Landkreises hinaus hochbedeutsam“.

 

Nachdem Niederlegen der Kränze an den Massengräbern auf dem Jamlitzer Waldfriedhof richteten die offiziellen Gedenkredner ihre teils emotionalen Ansprachen an die Gäste. Der Begrüßungsrede von Michaela Kossatz-Reinke, Vorsitzende der Initiativgruppe Internierungslager Jamlitz, folgten unter anderem Grußworte von Axel Drecoll, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten,  und Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch. „Das Gedenken heute ist auch ein Auftrag in die Zukunft: Die Geschichtsvermittlung steht mit zunehmenden Abstand zu den Geschehnissen vor neuen Herausforderungen. Deswegen müssen wir Wege und Formen haben, wie wir auch künftigen Generationen das Geschehen hier in Jamlitz vermitteln können und die das Bewusstsein für den hohen Wert von Menschenwürde und Demokratie immer wieder neu erlebbar machen. Das ist keine Selbstverständlichkeit“, ermunterte Ministerin Münch die Initiativgruppe in ihrem Engagement für das Opfergedenken fortzufahren.

 

Künstlerich umrahmt wurde die Gedenkfeierstunde durch die Liedertafel Lübben, Trompetensolist Sören Liedke und den Blechbläserchor Lieberose. Bereits am Vormittag hatte in der evangelischen Landkirche Lieberose ein Gedenkgottesdienst mit dem Straupitzer Pfarrer Christoph Hanke stattgefunden.

 

Hintergrund

Der sowjetische Geheimdienst NKWD errichtete ab Mai 1945 in der Sowjetischen Besatzungszone zehn Speziallager, in denen überwiegend deutsche Zivilisten festgesetzt wurden. Das Speziallager Nr. 6 befand sich seit Mai 1945 zunächst in Frankfurt (Oder) und wurde im September 1945 auf das Gelände des früheren nationalsozialistischen KZ-Außenlagers Lieberose verlegt. Zu den Inhaftierten gehörten neben unbelasteten deutschen Zivilisten, sowjetischen und polnischen Staatsbürgern auch zahlreiche Funktionsträger der NSDAP und anderer NS-Organisationen. Bis zu seiner Auflösung im April 1947 wurden dort mehr als 10.000 Personen inhaftiert, rund 3.400 von ihnen starben an den katastrophalen Haftbedingungen sowie an Krankheit, Hunger, psychischer und physischer Entkräftung. Bei der Auflösung des Lagers wurden 1.000 Häftlinge in die Sowjetunion deportiert und 4.400 auf die Speziallager Mühlberg und Buchenwald verteilt. Nach der Auflösung des Lagers wurden die Baracken abgerissen und das Gelände teilweise mit Wohnhäusern überbaut.

 

Im Jahr 1973 wurde ein antifaschistisches Mahnmal eingeweiht. 1982 wurde unweit des Mahnmals das Museum der KZ-Gedenkstätte Lieberose eröffnet. Nach 1990 entstanden kleinere Gedenkorte an den bekannten Orten der Massengräber des Speziallagers. Im Juni 2003 wurden Freiluftausstellungen zum Speziallager Nr. 6 Jamlitz sowie zum KZ-Außenlager Lieberose eröffnet, die über die zweifache Geschichte des Lagers informieren. Im Außenlager Lieberose des KZ Sachsenhausen mussten zwischen 1943 und 1945 bis zu 10.000 Häftlinge, darunter überwiegend Juden, unter mörderischen Bedingungen Zwangsarbeit leisten, Tausende wurden ermordet und bei der Auflösung des Lagers Anfang Februar 1945 von der SS erschossen. Die Dokumentations- und Gedenkstätte Jamlitz-Lieberose wird derzeit mit Unterstützung des Kulturministeriums erweitert.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: