„Mensch Schäuble!“: „ZDFzeit“ über den „Einheitsmacher“

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, seit 1972 als Abgeordneter tätig, war 1990 maßgeblich an der Aushandlung des deutschen Einigungsvertrages beteiligt. Anlässlich 30 Jahre Deutscher Einheit blickt die „ZDFzeit“-Doku „Mensch Schäuble! – Einheitsmacher, Streiter, Staatsmann“ am Dienstag, 22. September 2020, 20.15 Uhr im ZDF, besonders auf Schäubles Leistung während der Wiedervereinigung. Doch auch viele andere historische Ereignisse während seiner langen politischen Karriere werden aufgegriffen. Und als leidenschaftlicher Politiker gibt der streitbare Wolfgang Schäuble, der am 18. September 2020 seinen 78. Geburtstag begeht, auch heute noch den Ton an, wenn es darum geht, Debatten anzustoßen, etwa über Europa, die Coronakrise oder die AfD. Die „ZDFzeit“-Doku von Christian Bock steht ab Dienstag, 22. September 2020, 9.00 Uhr, in der ZDFmediathek zur Verfügung.

Die politische Karriere von Wolfgang Schäuble, der seit einem Attentat 1990 im Rollstuhl sitzt, ist nicht nur beispiellos an Dramatik und Höhepunkten – auch die Liste seiner Niederlagen ist lang: Er wurde nicht Bundeskanzler, nicht Bundespräsident, nicht EU-Kommissar und war nur kurz CDU-Vorsitzender. Er ist der „Sisyphos der Politik“, meinen sowohl seine Freunde als auch politischen Gegner wie Franz Müntefering. Er wurde vom CDU-Spendenskandal „zutiefst in seiner Integrität erschüttert“, sagt seine Tochter. Ein „Europäer, der nie alles durch die deutsche Brille betrachtete, aber trotzdem immer so deutsch war“, so charakterisiert EU-Kommissarin Margrethe Vestager Wolfgang Schäuble.

Was Schäuble vor 30 Jahren für die Deutsche Einheit geleistet hat, beleuchtet die „ZDFzeit“-Doku umfassend. Zusammen mit dem DDR-Staatssekretär Günther Krause verhandelte er die praktischen Aspekte und schloss den historischen Einheitsvertrag – den er, auch mit Blick auf das immer noch besondere Verhältnis der Ostdeutschen zur Wiedervereinigung, von heute aus betrachtet „mit mehr Vorsicht angehen würde. Aber wenn man vom Rathaus kommt, ist man ja immer klüger.“ Schäuble gibt zu, dass er in seinem Buch zur Einheit seinen Partner Günther Krause „fast schon als Verräter dargestellt hat, das würde ich heute nicht mehr so schreiben. Das tut mir leid.“

Wolfgang Schäuble erzählt in der Doku von seinem Schmerz über den frühen Tod seiner beiden Brüder, vom Bruch mit seinem langjährigen Förderer Helmut Kohl und von seinem Verhältnis zu Angela Merkel, der er in seiner typischen Loyalität auch heute noch zur Seite steht, obwohl sie ihn und seine Gefolgsleute wie Friedrich Merz beiseiteschob, als sie Kanzlerin wurde.

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