Moorschutz als praktischer Klimaschutz: Brandenburg erhält Fördermittel des Bundes für moorerhaltende Landwirtschaft

Potsdam – Fast 10 Millionen Euro erhält Brandenburg vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV), um damit in drei Pilotprojektgebieten die Umstellung auf moorerhaltende landwirtschaftliche Nutzung von Niedermoorflächen zu erproben. Gemeinsam mit den Landwirtinnen und Landwirten vor Ort sollen Lösungen für existenzsichernde und zugleich moorerhaltende Bewirtschaftungsformen gefunden werden.

Mit den Mitteln werden für ein zehnjähriges Pilotprojekt Versuchsflächen eingerichtet, um alternative Moornutzungen mit nasser Moorbewirtschaftung (Paludikulturen) für Grünland, Röhrichte und Anbaukulturen zu erproben. Nahe den Versuchsflächen im Rhinluch bei Kremmen, entsteht zudem eine Beratungsstelle für die nachhaltige Moorbewirtschaftung und Vermarktung der Moorbiomasse. Wichtiger Forschungspartner in diesem Projekt ist das Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie e.V. (ATB). Das ATB wird sich vor allem um die Entwicklung und den Probebetrieb von Wertschöpfungsketten und Bewirtschaftungsverfahren kümmern.

Klimaschutzminister Axel Vogel: „Moorschutz ist praktischer Klimaschutz. Deshalb nimmt er eine wichtige Rolle im Klimaplan ein, den unser Ministerium zurzeit erarbeitet. Nasse Moore binden enorme Mengen an Kohlenstoff und sind für das Erreichen der Klimaneutralität unverzichtbar. Entwässerte Moore hingegen sind große Kohlendioxidquellen, die häufig mehr als 30 Tonnen CO2 Äquivalente pro Hektar und Jahr ausstoßen. Wir wollen diese Emissionen deutlich absenken und die Moore wieder zu natürlichen Treibhausgas-Senken entwickeln.“

Das Rhinluch, mit seinen 16.000 Hektar eines der größten zusammenhängenden Moorgebiete in Brandenburg, ist dabei ein zentrales Pilotgebiet für die Einführung moorschonender Bewirtschaftung. Zwei weitere Projektgebiete befinden sich im Landkreis Oberhavel sowie in der Uckermark. Auch hier sollen Demonstrationsflächen eingerichtet werden, um die Landwirtschaft bei der Umstellung auf eine nasse Bewirtschaftung zu unterstützen. Die Flächen sollen weiter landwirtschaftlich genutzt werden – und zwar klimaschonend bei hohen Wasserständen. Gleichzeitig soll damit auch der Landschaftswasserhaushalt stabilisiert werden.

In Brandenburg wurden in der Vergangenheit zahlreiche Moorflächen zum Zwecke der landwirtschaftlichen Nutzung entwässert. Damit wurde nicht nur in den Wasserhaushalt eingegriffen, sondern auch große Mengen an CO2-Emissionen freigesetzt. Die wichtigen Funktionen von Mooren als Kohlenstoff- und Wasserspeicher konnten nicht mehr erfüllt werden.

Nach zweijähriger Vorbereitungszeit wurden nun dem Landesamt für Umwelt als Projektträger vom BMUV 9,3 Millionen Euro bewilligt. Die drei Pilot- und Anschauungsprojekte sollen vielfältige Bewirtschaftungs- und Verwertungslösungen in die Praxis bringen, um weiteren landwirtschaftlichen Betrieben Hilfe bei der Umstellung zu geben. Die unterschiedlichen Projektmodule beinhalten die Erprobung und Einführung von standortangepasster Bewirtschaftungstechnik sowie von Verfahren für die Verwertung von Biomasse aus den Standorten, landwirtschaftliche Beratung und das Wassermanagement. Außerdem sollen die Projekte dabei helfen, die Akzeptanz bei möglichen weiteren Nutzern und in der Bevölkerung zu stärken.

Das Projekt bildet so einen wichtigen Baustein in dem großen Transformationsprozess zu einer klimaschonenden Landwirtschaft, hilft bei der Verringerung von Treibhausgasen und unterstützt die Stabilisierung des Landeswasserhaushalts.

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