Müll im Neuen Garten

Immer mehr Müll im Neuen Garten


Ein Müll- und Flaschenlager, das am 18. August 2020 in einem dichten Gehölzareal zwischen Grünem Haus und Schloss Cecilienhof gefunden wurde. Foto: SPSG / Sven Kerschek

Viele Menschen zieht es wegen der Corona-Regelungen ins – mit Folgen für das Müllaufkommen in öffentlichen Parks und auf Plätzen. Das ergab kürzlich eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Davon betroffen sind auch die von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) betreuten UNESCO-Welterbeparks in Potsdam.

So wird allein der Neue Garten an warmen Sommertagen von bis zu 4000 Besucherinnen und Besuchern zum Sonnenbaden, Grillen und Schwimmen im Heiligen See genutzt. Zurück bleiben Unmengen an Müll. Täglich 4 Stunden ist eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter damit beschäftigt, die Abfallbehälter zu leeren und den hinterlassenen Müll einzusammeln. Dabei fallen durchschnittlich 3 m³ Müll an, der entsorgt werden muss. Darüber hinaus wird dreimal pro Woche der Müll im Bereich zwischen Grünem Haus und Hasengraben von einer Firma abgeholt.

Regulär stehen im Neuen Garten 42 Abfallbehälter zur Verfügung, in der Saison kommen noch einmal 50 Behälter hinzu. Dies entspricht dem üblichen Bedarf. Doch die neuerdings anfallenden Massen an Flaschen, Pizzakartons, Einwegbechern, Babywindeln oder Hundekottüten können sie nicht mehr aufnehmen. Die SPSG bittet deshalb ausdrücklich alle Gäste, die Dinge, die sie in den Park mitbringen, auch wieder mitzunehmen.

Dass der Respekt im Umgang mit den historischen Gärten sicht- und spürbar nachgelassen hat, wurde am 18. August 2020 durch den Fund eines Müll- und Flaschenlagers im Areal zwischen dem Grünen Haus und dem Schloss Cecilienhof bestätigt: 3 Gärtnerinnen und Gärtner waren mehr als 3 Stunden damit beschäftigt, ca. 1800 Glasflaschen sowie 3 m³ verrottete Bücher, Zeitungsbündel, Decken etc. aus dem Gehölzquartier zu entfernen (dazu auch #ParkIsArt: https://twitter.com/SPSGmuseum/status/1301142726524755975). „Wieder einmal Arbeitskraft und -zeit, die nicht der Pflege und dem Erhalt von Bäumen, Sträuchern, Wiesen, Wegen und Blumenbeeten zu Gute kommen konnten“, sagt der für den Neuen Garten zuständige Fachbereichsleiter Sven Kerschek. Doch zumindest konnte für die Entsorgung eine Lösung gefunden werden. „Wir danken dem Potsdamer Unternehmen Getränke City GmbH, das sich in diesem Ausnahmefall bereit erklärt hat, uns kostenfrei bei der Rückführung der Flaschen in das Pfandsystem zu unterstützen.“

Bestand ist gefährdet
Vor diesem Hintergrund weist die SPSG noch einmal nachdrücklich auf die Einhaltung der Parkordnung hin. Denn die Bedürfnisse von Besucherinnen und Besuchern finden dort ihre Grenze, wo der historische Bestand gefährdet wird. Leider wird diese Grenze inzwischen vielfach überschritten. Nicht nur das Müllaufkommen ist kaum mehr zu bewältigen, auch das Baden, Lagern, Picknicken auf dafür nicht freigegebenen Flächen sorgt für massive Schäden. So haben z. B. die Wiesen in ufernahen Bereichen kaum mehr die Möglichkeit, sich zu entwickeln und versteppen. Zudem ist offenbar nur wenigen bewusst, dass durch das Verlassen der Wege wertvolle Wiesenbiotope zerstört werden. Mindestens ein gutes Drittel der vom Landesamt für Umwelt im Neuen Garten 2006 kartierten Biotopflächen sind inzwischen verloren.

Der Neue Garten
Der von 1787 an im Auftrag König Friedrich Wilhelms II. (1744-1797) angelegte Neue Garten in Potsdam ist der erste Landschaftsgarten Potsdams. Gartenkünstler wie Johann August Eyserbeck (1762-1801) und Peter Joseph Lenné (1789-1866) waren hier tätig. Bis 1792 entstanden hier wichtige Bauten, die bis heute zu bewundern sind: Dazu zählen das Marmorpalais, eine römische Tempelruine als Küche, die Gotische Bibliothek, die Orangerie, die Pyramide (Eiskeller) und das holländische Etablissement. Dieses einzigartige Miteinander von Architektur und Gartenkunst gehört seit 1990 zum UNESCO-Welterbe. Zugleich ist der Neue Garten auch ein wertvoller Naturraum, der in weiten Teilen von der Obersten Naturschutzbehörde Brandenburgs unter Biotopschutz gestellt wurde. Hier gedeiht eine Flora und Fauna, die andernorts gefährdet oder nicht mehr erlebbar ist.

%d Bloggern gefällt das: