Müller zum 75. Jahrestag des Aufstands gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft vom 20. Juli 1944

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, erklärt zum 75. Jahrestag des Aufstands gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft am 20. Juli 1944 vorab:

„Ein Leben in Freiheit und in Achtung der Menschenwürde ist keine Selbstverständlichkeit. Das ist die Botschaft des 20. Juli 1944, die für unsere Gesellschaft bestimmend ist und bleibt. Darum ist das Gedenken an das Attentat und an den Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime keineswegs rückwärtsgewandt, sondern es ist zutiefst mit unserer Zukunft verbunden. Denn wir lernen aus dieser Tat und den mit dem Widerstand verbundenen historischen Erfahrungen, dass Freiheit und Menschenrecht erkämpft, bewahrt und verteidigt werden müssen.“

Müller weiter: „Ernst Reuter hat das Gedenken, wie wir es zum 75. Jahrestag des Aufstands erleben, 1952 zum 8. Jahrestag des Attentats eingeführt. Das ist damals auf Widerspruch gestoßen, denn die Männer und Frauen und auch die Familien des 20. Juli wurden in der Nachkriegszeit noch lange von vielen geschmäht, herabgesetzt oder ignoriert. Auch heutzutage müssen wir dieses Gedenken wieder verteidigen. Denn in unerträglicher und verlogener Verdrehung der Tatsachen berufen sich Rechtspopulisten und Rechtsextreme auf den Widerstand des 20. Juli, weil sie sich als Widerstandskämpfer gegen einen angeblich unfreien Staat darstellen wollen.“

Der Regierende Bürgermeister: „Wir können heute kaum mehr ermessen, was es bedeutet, in einem verbrecherischen Staat allein auf sein Gewissen zurückgeworfen zu sein. Wie schwer ist da der Weg, alles, auch das Schicksal der Familie, aufs Spiel zu setzen für das Einstehen für eigene Überzeugungen und für menschliche Werte. Zu wenige widersetzten sich der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Neben Militärs waren es Kommunisten und Sozialdemokraten, Widerstandsgruppen wie die Europäische Union, die Rote Kapelle, der Kreisauer Kreis, Christen und Menschen, die Verfolgte geschützt haben – jene stillen Helden, die ‚Großes taten, ohne sich dessen bewusst zu sein‘. So hat es unsere Berliner Ehrenbürgerin Inge Deutschkron ausgedrückt. Menschen also, die versucht haben, unter unmenschlichen Bedingen menschlich zu bleiben und menschlich zu handeln. Das ist das Vermächtnis des Widerstands für unsere Zukunft.“

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