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Nachruf Renate Krößner, Filmvorführung „Solo Sunny“

Renate Krößner bleibt für uns unvergessen (1945-2020)

Ein Nachruf des Filmmuseums Potsdam und der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF

Filmvorführung „Solo Sunny“ am 27. Juni und 9. August jeweils um 19:00 Uhr

Filmmuseum Potsdam, Breite Str. 1a/ Marstall, 14467 Potsdam
Infos/Tickets/Reservierung: 0331-27181-12, 
ticket@filmmuseum-potsdam.de

Leitung und Mitarbeiter*innen des Filmmuseums Potsdam und der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF trauern um Renate Krößner, die mit uns verbunden und im Museumskino mehrfach zu Gast war – unter anderem 2015 mit Solo Sunny (1980) von Konrad Wolf. Mit ihrer Hauptrolle in einem der wohl genauesten DEFA-Gegenwartsspielfilm der frühen 1980er Jahre bleibt sie vor allem in Erinnerung. Die Darstellung der eigensinnigen und ihren Traum lebenden Jazz-Sängerin Ingrid Sommer machte sie über die DDR hinaus bekannt – dies haben auch die zahlreichen Nachrufe zu ihrem Tod ins Zentrum gerückt.

Doch 75 Jahre sind nicht auf einen Film zu reduzieren. Renate Krößner war eine Viel-Arbeiterin, zu sehen im Kino und auch im Fernsehen – heute beispielsweise viel zu wenig beachtet in der Rolle der Else Scharfschwert in Verflucht und geliebt (1981), einem der Landmehrteiler von Martin Eckermann nach den Büchern von Helmut Sakowski – sowie im Theater. Ihre Zeit an verschiedenen DDR-Provinzbühnen von Parchim bis Brandenburg – auf denen das offiziell Sagbare schon mal ins Freche, Experimentelle und Subversive geweitet werden konnte – ist ein ergiebiges Feld für die Theaterwissenschaft. In Brandenburg wirkte sie an Inszenierungen von Herbert König mit, wo sie auch Konrad Wolf entdeckte.

Individualität, Unangepasstheit und weibliche Selbstbehauptung waren für Renate Krößner nicht nur Themen der Schauspielkunst, sondern auch Lebensprinzipen. Fast folgerichtig erscheint da ihre Ausreise 1985. In der Bundesrepublik spielte sie auf dem Theater wieder bei Herbert König, der ebenfalls der DDR den Rücken gekehrt, und mit Manfred Krug, mit dem sie schon 1976 vor der Kamera gestanden hatte.

Viele Rollen, viele Filme, bis zuletzt. Da gab es Tatorte, Polizeirufe und andere Krimiserien fürs Fernsehen sowie teils preisgekrönte Filme fürs Kino, wie Nordkurve (1993), Alles auf Zucker (2004) und Vergiss dein Ende (2011). Oft waren ihre Rollen extrem angelegt, verkörperte sie Menschen mit kaum lösbaren Problemen oder im Ausnahmezustand – wie Hannelore in Vergiss dein Ende, die ihren demenzkranken Partner pflegt und an die Belastungsgrenze gerät. Das Aktuelle Potsdamer Filmgespräch mit ihr zu diesem Film trieb  Manchem Tränen in die Augen. Mit „die Seele auskotzen“ hat Renate Krößner einmal diese Profilierung beschrieben. Nicht zuletzt hegte sie große Sympathien für ostdeutsche Realitäten und das Berliner „Sunny“-Milieu, kehrte schließlich mit ihrem Mann Bernd Stegemann in die Nähe ihrer Wurzeln zurück.

Wir verlieren mit Renate Krößner eine wichtige und einmalige Stimme des deutschen Films; ihr Gesicht, ihre Schnauze und ihre Spielfreude werden wir vermissen.

Mit der Vorführung von „Solo Sunny“ am 27.06. und 9.08. möchten wir an sie erinnern.

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