Neue Gedenktafel für Theoretikerin Hannah Ahrendt

Oberbürgermeister Mike Schubert hat heute, an ihrem 115. Geburtstag, gemeinsam mit Tobias Dünow, Staatssekretär für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, eine Gedenktafel zu Ehren der weltbekannten politischen Theoretikerin und Publizistin Hannah Arendt enthüllt. Die Tafel hat ihren Platz am ehemaligem Wohnhaus Hannah Arendts in der Merkurstraße 3 in Babelsberg gefunden, in dem die jüdische Schriftstellerin 1929 wohnte. Die Potsdamer Stadtverordneten beschlossen nach einem Antrag der Fraktion Die Linke die Anbringung der Gedenktafel. Von den Hauseigentümern Martina und Günther Kruse stammt der redaktionell überarbeitete Text für die Tafel.

Mike Schubert bei der Veranstaltung: „Diese Gedenktafel ist ein weiteres Zeichen der Erinnerung an diese weltbekannte Publizistin und politischen Theoretikerin und ein weiterer Baustein unserer städtischen Erinnerungskultur. Potsdam war durchaus eine prägende Station auf Hannah Arendts Lebensweg. Was Hannah Arendt beeinflusste, beeinflusste auch ihre Werke, die wiederum die Lesenden prägen.“

Obwohl Hannah Arendt nur kurz in Potsdam lebte, beeinflusste diese kurze Periode die Schriftstellerin nachhaltig. Hier schrieb sie eines ihrer ersten großen Werke über Rahel Varnhagen, lernte ihren ersten Ehemann kennen, in dem sie einen lebenslangen Freund fand, und machte die Erfahrungen einer jüdischen Frau in den 1930er Jahren in Deutschland.

Die 1906 geborene Hanna Arendt studierte zunächst in verschiedenen deutschen Städten, bevor sie in Berlin ihre Habilitationsschrift einreichte. Gleichzeitig lernte sie dort ihren späteren Ehemann Günther Siegmund Stern kennen, den sie am 26. September 1929 heiratete. Hannah Arendt und Günther Stern zogen in der ersten Jahreshälfte 1929 nach Nowawes in die Merkurstraße 3. Hier schrieb sie eines ihrer bekannteren Werke über die Romantik-Autorin jüdischer Herkunft, Rahel Varnhagen, mit der sie sich stark identifizierte. Leider sollte die Ehe der Sterns nicht lange halten. 1933 floh Günther Stern unter dem Pseudonym Günther Anders nach Paris. Als Hannah Arendt ihm kurze Zeit später folgte, war die Beziehung der beiden schon vorbei. Trotz der Scheidung 1937 und der Flucht Hannah Arendts 1941 nach New York blieben die beiden bis zu ihrem Tod in schriftlichem Kontakt. Zwanzig Jahre später kehrte sie als Journalistin und US-Amerikanerin nach Deutschland und Israel zurück, um über den Eichmann-Prozess zu berichten, und veröffentlichte den vielzitierten, aber auch kritisierten „Bericht von der Banalität des Bösen“. Sie starb 1975 in New York und hinterlässt ein umfangreiches Werk, das von ihrer Vielseitigkeit, ihrer Relevanz und ihren politischen Theorien zeugt.

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