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Oberbürgermeister bei Gedenkveranstaltung an Max Dortu

An einer Gedenkveranstaltung anlässlich des 170. Todestages von Max Dortu hat Oberbürgermeister Mike Schubert am Mittwoch mit Vertreterinnen und Vertretern zahlreicher Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung am früheren Wohnhaus Dortus teilgenommen. „Max Dortu kämpfte mit großem Einsatz für seine Ideale. Er setzte sich für demokratische Grundrechte und für die Freiheit ein. Er ging buchstäblich auf die Barrikaden, um das zu erstreiten, was heute die Grundlage unserer demokratischen Ordnung umfasst“, sagte Mike Schubert. „Die Gedenkveranstaltungen zum Todestag Dortus, die an diesem Ort seit vielen Jahren jährlich stattfinden, haben bewirkt, dass dieser Potsdamer zu einem festen Bestandteil unserer Erinnerungskultur geworden ist. Dortu ist – das kann man wohl so sagen – mittlerweile in der Mitte unserer Stadtgesellschaft angekommen“, so der Oberbürgermeister.

Max Dortu gehört zu den populärsten Vertretern der Revolution von 1848/49. Am 29. Juni 1826 in Potsdam geboren, wuchs Max Dortu im barocken Haus der heutigen Dortu-Grundschule auf.

Nach Erwerb der Hochschulreife studierte Max Dortu in Berlin und Heidelberg Rechtswissenschaften und wurde Referendar am Potsdamer Stadtgericht. Mit Ausbruch der Revolution engagierte sich Max Dortu im politischen Verein Potsdams. Auch nahm er an den Barrikadenkämpfen in Berlin teil und versuchte die Zerschlagung der Revolution mit radikalen Mitteln zu verhindern. Steckbrieflich gesucht, floh Max Dortu und schloss sich der badischen Revolutionsarmee an. Nach seiner Verhaftung und Verurteilung zum Tode starb Max Dortu für seine Ideale von Freiheit und Mitbestimmung am 31. Juli 1849 in Freiburg im Breisgau.

In Potsdam erinnert die Dortustraße an die Familie des Freiheitskämpfers und die Grundschule „Max Dortu“ an den Revolutionär. Die Veranstaltung wurde organisiert vom Verein zur Förderung antimilitaristischer Traditionen in der Stadt Potsdam e.V. und der Fraktion DIE aNDERE, um an das Leben Max Dortus, an seinen Kampf für Freiheit und Menschenrechte und an seine Hinrichtung durch ein preußisches Militärgericht zu erinnern.

Das Grußwort des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt Potsdam, Mike Schubert, zum Todestag Maximilian Dortus im Wortlaut

Sehr geehrter Herr Dr. Kwapis,

sehr geehrter Herr Boede,

sehr geehrte Stadtverordnete,

sehr verehrte Damen und Herren,

heute vor 170 Jahren wurde Max Dortu auf dem Friedhof in Wiehre bei Freiburg standrechtlich erschossen. Wir erinnern an diesen sehr jung gestorbenen Potsdamer, der sicherlich zu den populärsten bürgerlichen Vertretern der 1848er Revolution zählt. Max Dortu kämpfte mit großem Einsatz für seine Ideale. Er setzte sich für demokratische Grundrechte und für die Freiheit ein. Er ging buchstäblich auf die Barrikaden, um das zu erstreiten, was heute die Grundlage unserer demokratischen Ordnung umfasst. Max Dortu bestimmte darüber hinaus eine Traditionslinie unserer Stadtgeschichte mit – als Gegenpol zur konservativ-militärischen Gesinnung Potsdams im 19. und 20. Jahrhundert. Dieser Spannungsbogen bestimmt bis heute die Identität unserer Stadt. Dieser Spannungsbogen birgt bis heute Konfliktpotential und führt zu politischen Reibungen.

Mir ist durchaus bewusst, dass die Erinnerung an Max Dortu und die Verfechter der 1848er Revolution lange Zeit eher unbequem war. Ein offenes, öffentliches Bekenntnis zu ihm und seinen Leistungen vermissten viele. Es ist natürlich legitim, sich von Ansichten, Meinungen und politischen Haltungen, die Einzelne vertreten, zu distanzieren, wenn diese Ansichten, Meinungen und politischen Haltungen nicht mit den eigenen übereinstimmen. Es ist ebenso legitim, historische Persönlichkeiten und historische Ereignisse kritisch zu bewerten; und es ist auch nachvollziehbar, wenn historische Persönlichkeiten und Ereignisse strikt zurückgewiesen und abgelehnt werden von denen, die eben eine andere Haltung einnehmen.

Aber reine Ablehnung und kritische Distanz bringen uns letztlich nicht weiter – weder im Gedenken an Max Dortu noch im Umgang mit dem preußischen Erbe, das bis in die Gegenwart vielfach mit Militarismus, Obrigkeitsdenken und Reaktionismus verbunden wird. Aber ist das alles was Preußen ausmacht? Vielmehr muss es darum gehen, dass wir uns die widersprüchliche und spannungsgeladene Vergangenheit aneignen. Am 22. Juli haben wir als Landeshauptstadt zum zweiten Mal den Max-Dortu-Preis verliehen. Der Preis ging an die Seenotretter von IUVENTA. Mit dem Preis zeichnen wir besondere Zivilcourage aus, die auch Max Dortu kennzeichnete.

Die Benennung eines städtischen Preises nach dem Potsdamer Revolutionär bedeutet letztlich die Aneignung der historischen Person, sicherlich auch die politische Indienstnahme. So holen wir eine historische Person in die Gegenwart und regen an, darüber nachzudenken, was Max Dortu seinerzeit erreichen und bewirken wollte. In gewisser Weise versuchen wir, über den Max-Dortu-Preis das Wirken dieses Potsdamers mit unseren Möglichkeiten fortzusetzen.

Und die Gedenkveranstaltungen zum Todestag Dortus am 31. Juli, die an diesem Ort seit vielen Jahren jährlich stattfinden, haben bewirkt, dass dieser Potsdamer zu einem festen Bestandteil unserer Erinnerungskultur geworden ist. Dortu ist – das kann man wohl so sagen – mittlerweile in der Mitte unserer Stadtgesellschaft angekommen.

Und das ist gut so – und sollte uns ermutigen, auch andere historische „Hotspots“ unserer Stadtgeschichte gemeinsam mit den Potsdamerinnen und Potsdamer anzugehen und für unsere Gegenwart dienstbar zu machen.

Ich denke dabei vor allem an die Garnisonkirche mit ihrer militärisch-konservativen Geschichte, aber auch an die Erinnerung etwa an die Novemberrevolution oder den Kapp-Putsch und an die aktive Aufarbeitung der NS-Geschichte Potsdams oder an die Geschichte von 1945 bis zu den Ereignissen vor 30 Jahren in der DDR.

Aus der Geschichte für Gegenwart und Zukunft zu lernen – wie wichtig das ist, zeigen aktuelle Vorfälle politisch und religiös motivierter Gewalt. Toleranz und Demokratie sind keine gesellschaftlichen Selbstverständlichkeiten, sondern müssen immer wieder aufs Neue erkämpft und verteidigt werden. Das gelingt nicht allein durch politische Reden.

Dafür brauchen wir eine aktive Zivilgesellschaft, die sich mit der Vergangenheit und unserer Verantwortung für Gegenwart und Zukunft auseinandersetzen. Engagierte Menschen, die andere mitnehmen, erklären, aufklären und mit Herz und Haltung für unsere demokratischen Prinzipien in unserer Stadt und in unserem Staat einstehen.

Als Orte der Diskussion eignen sich am besten authentische Orte mit historischem Bezug, derer wir uns als Stadtgesellschaft gemeinsam annehmen müssen und sie nicht einzelnen Gruppen oder Teilen der Stadtgesellschaft überlassen dürfen.

Lassen Sie uns gemeinsam aktiv, ehrlich und mutig der Vergangenheit zuwenden. Lassen Sie uns gemeinsam Ideen und Visionen entwickeln, wie wir mit unserer Vergangenheit im Heute und Jetzt umgehen. Lassen Sie uns gemeinsam eine Perspektive entwickeln für unsere Zukunft aus unserer Vergangenheit. Lassen Sie uns Orte schaffen oder nutzen, an denen wir als Stadtgesellschaft unser demokratisches Miteinander diskutieren und weiterentwickeln.

Lösen wir damit alle Spannungen und Widersprüche und Konflikte auf?

Nein, keinesfalls! Aber wir schaffen uns selber Angebote zum Umgang mit unserer Vergangenheit und wir ehren all jene, die Opfer wurden, weil sie ihren Idealen treu blieben – wie Max Dortu.

Vielen Dank!

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