Ratgeber

Onlinekriminalität: „Cyberversicherungen sind Symptom statt Lösung“ / Verbraucherzentrale sieht Internet vielfach noch als rechtsfreien Raum und fordert zentrale Anlaufstelle für Geschädigte

Datenklau, Phishing, Virenbefall, Fakeshops, Mobbing: Online hat sich eine ganz eigene Kriminalität ausgebildet. Cyberversicherungen versprechen Schutz vor den Folgen. Die Verbraucherzentrale Brandenburg (VZB) fordert in ihren politischen Positionen zur Landtagswahl eine Anlaufstelle für Geschädigte.

Ausgeprägte Internetkriminalität

Nach ihren Erfahrungen mit kriminellen Vorfällen in den letzten zwölf Monaten befragt, berichtet knapp jede:r zehnte Internetnutzende (neun Prozent) in Brandenburg, von Phishing betroffen zu sein, also dem Ausspionieren von Zugangsdaten zu Onlinediensten mittels gefälschten Mails oder SMS. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts forsa im Auftrag der VZB (Verbrauchermonitor Brandenburg, Seite 15).

Cyberversicherungen suggerieren Schutz

Schutz nach Schadensfällen in Folge eines solchen Datenklaus, aber auch bei Ärger mit Online-Einkäufen oder Cybermobbing versprechen Cyberversicherungen. Sie kosten meist einen niedrigen dreistelligen Betrag pro Jahr. Vor Abschluss einer solchen Police ist jedoch zu bedenken, dass die einzelnen Anbieter sehr unterschiedliche Schadensfälle absichern oder ausschließen. Wenn es schlecht läuft, zahlt man regelmäßig Beiträge, aber am Ende ist ausgerechnet der eingetretene Schaden gar nicht versichert.

Verbraucherzentrale fordert zentrale Anlaufstelle

Geschädigte sind auf schnelle und kompetente Unterstützung angewiesen. „Cyberversicherungen sehen wir eher als Symptom denn als Lösung an. Es kann nicht sein, dass Verbraucher:innen sich zum Schutz vor Kriminalität mit einem Dschungel an Vertragsbedingungen auseinandersetzen und für viel Geld eine Vielzahl an Bedrohungen absichern müssen“, sagt Christian A. Rumpke, Geschäftsführer der VZB. Er fordert neben mehr Rechtsstaatlichkeit im Internet eine zentrale Anlaufstelle für Geschädigte von Onlinekriminalität. „Neben einer Anzeige bei der Polizei, einer Kontaktaufnahme mit Bank oder Vertragspartnern sind meist auch eine Vielzahl technischer Maßnahmen nötig, um Bedrohungen oder weitere Schäden abzuwenden. Hierfür brauchen Verbraucher:innen im Land eine professionelle Hilfseinrichtung, wie es sie bei der Brandenburgischen Polizei mit der Zentralen Ansprechstelle Cybercrime bislang nur exklusiv für Unternehmen und Behörden gibt“, sagt Rumpke.

Landespolitische Forderungen der VZB

Diese Position gehört zu insgesamt 14 verbraucherpolitischen Forderungen der Verbraucherzentrale zur Landtagswahl 2024 und für die Legislatur bis 2029, veröffentlicht auf der Webseite der VZB.

Über die Verbraucherzentrale Brandenburg e.V.

Die Verbraucherzentrale Brandenburg e.V. (VZB) ist die wichtigste Interessenvertretung der Brandenburger Verbraucher:innen gegenüber Wirtschaft und Politik. Sie bietet unabhängige Verbraucherberatung, -information und -bildung zu zahlreichen Themen: Markt & Recht, Reise & Freizeit, Finanzen & Versicherungen, Lebensmittel & Ernährung, Digitales & Telekommunikation, Energie, Bauen & Wohnen. Zudem berät sie zu deutsch-polnischem Verbraucherrecht.

Darüber hinaus mahnt die VZB Unternehmen ab, die zu Ungunsten von Verbraucher:innen gegen geltendes Recht verstoßen und klärt die Öffentlichkeit über Verbraucherrechte, Abzockmaschen und Spartipps auf.

Aktuelle Informationen gibt es auf www.verbraucherzentrale-brandenburg.de

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