Planungsbeginn für den Hotelbereich des Schlosses Cecilienhof

Ein neues Kapitel


Museum und künftig auch wieder Hotel: Schloss Cecilienhof im Potsdamer Neuen Garten. Foto: SPSG/Bernd Kröger

Planungsbeginn für die Sanierung des Hotelbereichs im Schloss Cecilienhof

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) beginnt mit den Planungen für die Sanierung der Innenräume und der technischen Infrastruktur der derzeit ungenutzten Hotelflächen sowie für die Erneuerung des Besucherempfanges im Schloss Cecilienhof in Potsdam. Noch im laufenden Jahr 2021 erfolgt in einem ersten Schritt die Vorauswahl der Planungsbeteiligten. Die Baudurchführung startet voraussichtlich 2024 und soll 2027 abgeschlossen sein.

Unterstützt von der Berliner MRP Consult Germany GmbH, ist in den vergangenen zwei Jahren ein neues Konzept für die Nutzungen im Schloss – und hier vor allem für die Gastronomie und ein Boutique-Hotel mit ca. 40 Zimmern – entwickelt worden. Für den ab 2027 vorgesehenen Hotelbetrieb konnte die arcona HOTELS & RESORTS aus Rostock gewonnen werden, die über die für Hotels an historischen Orten erforderliche Expertise verfügt.

Die Baumaßnahmen werden durch das Sonderinvestitionsprogramm 2 für die preußischen Schlösser und Gärten (SIP 2, Masterplan) ermöglicht, das der Bund (Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien) sowie die Länder Brandenburg (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur) und Berlin (Senatsverwaltung für Kultur und Europa) für die Jahre 2016 bis 2030 für die Rettung bedeutender Denkmäler der Berliner und Potsdamer Schlösserlandschaft aufgelegt haben. Die für das Schloss Cecilienhof veranschlagten Bruttogesamtbaukosten belaufen sich auf 12,3 Millionen Euro.

„Seit seiner Fertigstellung 1918 blicken wir auf eine wechselvolle Geschichte des Hauses zurück“, sagt der Generaldirektor der SPSG, Prof. Dr. Christoph Martin Vogtherr. „Gebaut als Kronprinzenresidenz, war es 1945 Schauplatz der Potsdamer Konferenz, später Gedenkstätte und Hotel. Als Museumsschloss ist es heute ein Ort von internationaler historischer Bedeutung, der jährlich von Gästen aus aller Welt besucht wird. Nach der 2018 abgeschlossenen umfassenden Sanierung der Fassaden, Dächer und der technischen Infrastruktur, beginnt nun ein neues Kapitel. Mein ausdrücklicher Dank gilt dem Bund sowie den Ländern Brandenburg und Berlin, die es uns ermöglichen, im Rahmen des Sonderinvestitionsprogramms alle baulichen Voraussetzung für einen künftigen Hotel- und Gastronomiebetrieb zu schaffen und zugleich den Besucherempfang im Museumsbereich deutlich zu verbessern.“

Gesamtkunstwerk und nachhaltige Nutzung
Bereits nach der im Zeitraum von 2014 bis 2018 durchgeführten Grundsanierung der Gebäudehülle und des Gartens im Rahmen des Sonderinvestitionsprogrammes 1 (SIP 1, Masterplan) ist – 100 Jahre nach Fertigstellung und Bezug des Hauses durch das Kronprinzenpaar Wilhelm (1882-1951) und Cecilie (1886-1954) von Preußen – der einmalige Gesamteindruck von Schloss und Garten wieder erlebbar geworden. Die im Juni 2020 eröffnete und bis zum 31. Oktober 2021 verlängerte Sonderausstellung „Potsdamer Konferenz 1945 – Die Neuordnung der Welt“ ist nun ein weiterer Baustein für die Profilierung des Museumsstandortes Cecilienhof. Die jetzt anstehenden Planungen für die grundlegende Sanierung der Innenräume sollen die Voraussetzungen für eine ebenso zeitgemäße wie nachhaltige Nutzung als Hotel und Museum schaffen.

Neuer Betreiber für das Schlosshotel Cecilienhof
Im Rahmen eines strukturierten Auswahlverfahrens hat die SPSG die arcona HOTELS & RESORTS als neuen Partner für den Betrieb des Hotels gewinnen können. Das inhabergeführte und in Rostock ansässige mittelständische Unternehmen verfügt mit sechs Hotels in Deutschland und Österreich über Erfahrungen in vergleichbaren Situationen: So betreibt arcona nicht nur das Hotel und die Gastronomie auf der Wartburg, die als UNESCO-Welterbe ebenfalls strengen konservatorischen Regularien unterliegt, sondern – nach Umbau und Sanierung durch die Immobilieneigentümer – seit 2018 auch das Hotel Elephant und damit das „erste Haus am Platz“ in der Stadt Weimar. „Wir sind sehr stolz, dass wir ein Haus mit dieser Geschichte künftig mit Leben füllen dürfen. Unser Faible für historische Bausubstanz unterstreichen wir unter anderem mit unserem Firmensitz in Rostock, der Zeeck’schen Villa, welche wir aufwendig mit denkmalpflegerisch hohem Anspruch saniert haben. Mit dem Schloss Cecilienhof werden wir ein weiteres Mal die Möglichkeit haben, mit viel Fingerspitzengefühl dem geschichtlichen Erbe eines Standortes und Gebäudes gerecht zu werden und gleichzeitig mit einer besonderen Idee eine Brücke in die Gegenwart eines modernen, zeitgenössischen Hotel- und Gastronomiekonzeptes zu schlagen. Diese Idee begleitete uns ebenfalls im traditionsreichen Hotel Elephant in Weimar als auch im Romantik Hotel auf der Wartburg unterhalb des UNESCO Welterbes Wartburg in Eisenach. Diese Häuser zeigen unsere Liebe zum Detail und unsere Kompetenz, an Orten mit hohem touristischen Besucheraufkommen ein vielfältiges und abwechslungsreiches Hotel- und Gastronomiekonzept zu etablieren“ sagt der Geschäftsführer der arcona HOTELS & RESORTS, Alexander Winter.

Der Mietvertrag wurde über eine Laufzeit von 20 Jahren mit zwei Verlängerungsoptionen um jeweils weitere fünf Jahre abgeschlossen.

Besserer Service für Hotel- und Museumsgäste
ln intensiven Vorgesprächen haben sich die arcona HOTELS & RESORTS und die SPSG auf gemeinsame Ziele und einen baulichen Maßnahmenkatalog verständigt, um in der denkmalgeschützten Gesamtanlage den Gästen mehr Komfort bieten und die dafür erforderlichen Eingriffe möglichst denkmalverträglich gestalten zu können. Das in Abstimmung mit dem Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum (BLDAM) bereits für die SIP 1-Maßnahme entwickelte Leitbild einer möglichst substanzschonenden Sanierung inklusive der Würdigung der verschiedenen, am Gebäude ablesbaren Geschichtsspuren soll auch die Leitlinie für die nun anstehenden Arbeiten bilden.

Im Zuge der Neukonfiguration der Nutzungen im Schloss Cecilienhof, insbesondere im Hinblick auf die zukunftsfähige Ausgestaltung der Hotelbetriebsflächen und die Durchführung des strukturierten Auswahlverfahrens, wurde die SPSG durch die Experten der Berliner MRP Consult Germany GmbH unterstützt: Olaf Steinhage und sein Team brachten ihre langjährigen Erfahrungen in der Planung und Projektentwicklung sowie in der konzeptionellen und operativen Beratung von nationalen und internationalen Hotel- und Resortprojekten in das Vorhaben ein. „So eine Aufgabenstellung bekommt man nicht oft im Leben! Es war für alle Beteiligten eine echte Herausforderung, der Geschichte dieses zauberhaften Ortes eine neue konzeptionelle und planerische Zukunft zu geben. Dank an alle Beteiligten für das mitunter anstrengende, doch immer faire Ringen um die beste Lösung – ich kann mir keinen schöneren Ort für ein Hotel mit Geschichte vorstellen“, so Olaf Steinhage, Partner und Geschäftsführer der MRP Consult Germany GmbH, Berlin.

Neue Zugangssituation
Neben der Sanierung von rund 40 Hotelzimmern und Bädern, der damit verbundenen Erneuerung der technischen Infrastruktur und des baulichen Brandschutzes wird das Hotel seine Gastronomie um ein in die museale Nutzung integriertes Museumscafé erweitern. Der ehemalige Speisesaal des Kronprinzenpaares ist dafür bestens geeignet. Überdies wird es für Besucherinnen und Besucher auch im sogenannten Hofgarten, dem ehemaligen Wirtschaftshof des Schlosses, ein Speise- und Getränkeangebot geben.

Wie die Innenräume des Hotelbereiches gestaltet werden, steht noch nicht abschließend fest. Die bevorstehenden restauratorischen Befundungen werden aber sicher dazu anregen, sich bei der Einrichtung auf die „geschichtlichen Spuren“ des Hauses zu beziehen und diese auch sichtbar zu machen. Um eine zeitgemäße Nutzung und möglichst vielen Menschen den Zugang zu ermöglichen, ist erstmals ein Personenaufzug im Ostflügel Schlosses im Bereich des Hotelempfangs vorgesehen. Weitere Maßnahmen zur Barrierefreiheit werden im Rahmen der Bauplanung umgesetzt.

Der Wunsch nach einer Verbesserung der Zugangssituation und des Besucherempfanges ist auch der Grund für den geplanten Umzug der musealen Erschließung aus dem Ostflügel in den Westflügel des Schlosses. Der Zugang zum Westflügel ist großzügiger und somit besser für Besuchergruppen geeignet. Ebenso können hier der Museumsshop vergrößert, ein zentraler Einführungsbereich etabliert, Sanitäranlagen eingerichtet und Schließfächer aufgestellt werden.

Vervollständigung der Dachlandschaft
Die technische Erneuerung des Hotelbereiches erlaubt im Übrigen letzte denkmalpflegerische Maßnahmen an der 6.500 m² umfassenden und durch ihre Schornsteine im Tudor-Stil charakteristisch geprägte Dachlandschaft, deren Wiederherstellung damit abgeschlossen werden kann. Das bauzeitliche Erscheinungsbild des Ehrenhofes wird dann mit allen Fassadenelementen wieder erlebbar sein, alle Zeitzeugnisse der jüngeren Nutzungsgeschichte – wie etwa der „Rote Stern“ – bleiben natürlich als wichtige Zeitzeugnisse erhalten und dokumentieren die bewegte Vergangenheit des Schlosses.

Bauen bei laufenden Betrieb
Wie schon während der Hüllensanierung von 2014 bis 2018 werden auch die von 2024 bis Ende 2027 geplanten Arbeiten bei laufendem-musealen Betrieb ausgeführt. Auf diese Weise können in den Sommermonaten bis zu 1.200 Tagesbesucherinnen und -besucher den Fortschritt der Bauaktivitäten und die denkmalpflegerische Vervollständigung live miterleben.

Zur Geschichte des Schlosses Cecilienhof
Das von 1913 bis 1917 nach Plänen von Paul Schultze-Naumburg (1869-1949) im englischen Landhausstil errichtete Schloss Cecilienhof ist der letzte Schlossbau der Hohenzollern. Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) ließ die Residenz für seinen ältesten Sohn Wilhelm errichten. Bis 1945 war es Wohnsitz des letzten deutschen Kronprinzenpaares Wilhelm und Cecilie von Preußen, die zuvor im Marmorpalais wohnten.

Das Erscheinungsbild des Schlosses wurde den landschaftlichen Gegebenheiten durch Verwendung traditioneller Materialien wie Backstein und Holz angepasst. Es fügt sich aufs Schönste in den nördlichen Teil des Neuen Gartens ein, der Ende des 18. Jahrhunderts als englischer Landschaftsgarten angelegt wurde.

Im Zuge der Potsdamer Konferenz wurden die Haupträume neu möbliert und der Rote Stern im Ehrenhof des Schlosses angelegt.

arcona HOTELS & RESORTS
2008 gegründet, sind die arcona Hotels & Resorts mit Sitz in Rostock ein auf den Betrieb und die Entwicklung von Hotels spezialisiertes Unternehmen. Im Zuge der Neuausrichtung auf Freizeit- und Ferienhotellerie verkaufte arcona Anfang 2019 seine Stadthotels. Die verbliebenen sechs Häuser befinden sich in etablierten Urlaubsdestinationen wie Rügen, Sylt und Kitzbühel. Auch das bekannte Hotel Elephant Weimar, das traditionsreiche Romantik Hotel auf der Wartburg und der Golfclub Schloss Teschow zählen zum Portfolio von arcona.

Ein neues Geschäftsfeld werden künftig die Barefoot Hotels sein. 2018 hat arcona mit dem Barefoot-Gründer Til Schweiger einen langfristigen Vertrag für die weltweite Umsetzung des Konzepts als Lizenznehmer geschlossen. Demnach will arcona in den kommenden zehn Jahren 20 Barefoot Hotels eröffnen. Gesellschafter von arcona sind Alexander Winter und Treugast-Gründer Prof. Stephan Gerhard. Firmensitz ist die denkmalgeschützte Zeek‘sche Villa des Architekten Paul Korff in Rostock.

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