Potsdam ehrt Werner Richard Heymann zum 125. Geburtstag

„SIE KENNEN MICH NICHT, ABER SIE HABEN SCHON VIEL VON MIR GEHÖRT“

Werner Richard Heymann

Werner Richard Heymann war ein Filmpionier und bis zur nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 der erfolgreichste Komponist der im Jahr 1917 gegründeten ufa. Die Landeshauptstadt Potsdam, die Studio Babelsberg AG und das Deutsche Filmorchester Babelsberg ehren gemeinsam mit der Familie und Freunden den Komponisten Werner Richard Heymann anlässlich seines heutigen 125. Geburtstags. Seit heute weist eine Tafel an dem Gebäude, das viele Jahre lang die Wirkungsstätte des Künstlers war und das heute vom Filmorchester Babelsberg genutzt wird, auf das Schicksal Heymanns hin.

„Mit der Tafel für Werner Richard Heymann an der Stätte seines Wirkens in der heutigen Medienstadt ehren wir einen Wegbereiter für den Film in Deutschland. Zugleich machen wir stellvertretend auf das Schicksal jüdischer Filmschaffender während der Zeit des NS-Regimes aufmerksam. Künstlerische Kreativität verlangt Toleranz und Weltoffenheit – das gilt auch für das Genre Film und es gilt besonders heute“, erläutert Oberbürgermeister Mike Schubert.

Vivian Kanner, Sängerin und enge Freundin der Familie Trautwein-Heymann, erzählt die Geschichte Heymanns folgendermaßen: „Wie ist es möglich, dass der erfolgreichste Film- und Schlagerkomponist der Weimarer Republik, Generalmusikdirektor der ufa im Bewusstsein seiner deutschen Landsleute nicht den Platz einnimmt, der ihm gebührt? Seine Musik schon, aber keiner kennt seinen Namen. Lebensstationen von Berlin über Paris nach Hollywood und zurück nach München, mit immergrünen Schlagern wie ‚Das gibt’s nur einmal‘, ‚Ein Freund, ein guter Freund‘, ‚Irgendwo auf der Welt‘, ‚Das ist die Liebe der Matrosen‘, ‚Liebling, mein Herz lässt dich grüßen‘ und vielen anderen. Er hätte es einfacher haben können, damals, 1933, als die Nazis Heymann anboten in Deutschland zu bleiben, während alle anderen jüdischen Mitarbeiter der ufa fristlos entlassen wurden. ‚Wir können da was für Sie machen, Heymann!‘ ‚Danke, nein!‘ Seine Musik wurde während der Nazi-Zeit verboten. Er schrieb nicht nur die Musik zu Murnaus ‚Faust’ und Langs ‚Spione’, er erfand gemeinsam mit Erich Pommer die Tonfilm-Operette. Aus seiner Feder stammt die Musik zu Filmklassikern wie u. a. ‚Die Drei von der Tankstelle‘, ‚Der Kongress tanzt‘ sowie Ernst Lubitschs ‚Ninotschka’ und ‚Sein oder Nichtsein‘. Heymann erhält vier Oscar-Nominierungen. Als man ihm nach Kriegsende berichtet, dass in Berlin, Paris und New York bei den Feierlichkeiten zum Kriegsende seine Musik gespielt wird, entschließt er sich 1951 nach Deutschland zurück zu kehren. Werner Richard Heymann starb am 30. Mai 1961 in München. Er wurde 65 Jahre alt.“ (www.heymann-musik.de)

„Den gab`s nur einmal, jetzt kommt er wieder … Dass mein Vater gerade dort öffentlich anerkannt wird, wo er seine größten Erfolge erarbeitet hat, erfüllt mich mit Freude und

Genugtuung. Für die ufa waren seine Tonfilmoperetten ein Meilenstein der Filmgeschichte. Es ist gut, wenn hinter den Evergreens wie: ‚Ein Freund, ein guter Freund‘, ‚Irgendwo auf der

Welt‘… auch seine Persönlichkeit sichtbar wird, die keine Kompromisse mit der nationalsozialistischen Gleichschaltung einging“, erläutert Elisabeth Trautwein-Heymann, die in Berlin lebende Tochter des Künstlers.

„Die wechselvolle Geschichte der Filmstudios in Babelsberg wurde immer wieder durch herausragende Persönlichkeiten vor und hinter der Kamera geprägt. Werner Richard Heymann gehört zweifellos zu den wichtigsten Kreativen, dessen beeindruckendes Oeuvre, insbesondere aber auch die starke Haltung, nicht in Vergessenheit geraten dürfen“, betont

Dr. Carl Woebcken, Vorstandsvorsitzender Studio Babelsberg AG.

„Werner Richard Heymann steht für viele bedeutende jüdische Künstlerinnen und Künstler, die dem Standort Babelsberg Stimme und Gesicht gegeben haben. Das Deutsche Filmorchester Babelsberg ist sehr froh drüber, dass mit der Ehrung Heymanns an der Stelle seines Wirkens stellvertretend auch 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland gewürdigt werden“, unterstreicht der Intendant des Filmorchesters Klaus-Peter Beyer.

Die Tafel für Werner Richard Heymann ist Teil des Historischen Parcours der Landeshauptstadt Potsdam (www.potsdam.de/kategorie/historischer-parcours). Mit diesem System wird an inzwischen mehr als 20 Gebäuden auf die besondere Geschichte von baulichen Ensembles aufmerksam gemacht. Obwohl das Gelände der Medienstadt nicht für die allgemeine Öffentlichkeit zugänglich ist, fiel die Wahl auf dieses Areal. „Filmemacher aus allen Teilen Deutschlands und der Welt kommen in die Medienstadt, um dort zu arbeiten. Sie werden mit der Tafel auf das Schicksal meines Vaters aufmerksam gemacht. So wird er nicht vergessen“, freut sich Elisabeth Trautwein-Heymann. Bedingt durch die Corona-Pandemie erfolgt die öffentliche Enthüllung der Tafel zu einem späteren Zeitpunkt.

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