Potsdam erweitert Solardachportal: Potentiale für Gründächer erkennen – Starkregen-Gefahrenkarte für das Stadtgebiet in Arbeit

Die Landeshauptstadt Potsdam hat ihr bereits seit 2014 bestehendes Solardachportal aktualisiert, überarbeitet und erweitert. Seit neuestem kann neben dem Solarpotenzial auch die Eignung zur Dachbegrünung analysiert werden. Bislang ermöglichte das Portal unkompliziert, die Potenziale von Dachflächen auf dem Potsdamer Stadtgebiet für Solarenergie zu prüfen. Die Prüfung bezieht sich dabei auf die Nutzung von Photovoltaik für die Erzeugung von Strom und von Solarthermie für die Erzeugung von Wärme.

Neu im Portal ist die Erhebung der Potenziale zur Installierung eines Gründachs. Gründächer können einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung des städtischen Klimas leisten. Sie schützen das Gebäude vor zu starker Erwärmung, kühlen durch die Verdunstung der Pflanzen die Umgebung und können Staub und CO2 binden. Eine weitere wichtige Eigenschaft ist die Funktion, Regenwasser länger am Ort zu halten. Gründächer stellen einen Teil des Konzepts der Schwammstadt dar, bei dem Regenwasser idealerweise am Niederschlagsort aufgenommen und gespeichert werden soll. Für diese Potenzialberechnung auf einem Gebäude wird in erster Linie die Dachneigung berücksichtigt.

„Es handelt sich um ein überaus praktikables und höchst hilfreiches Portal, durch dessen Anwendung Interessierte schnell und unkompliziert Antworten bekommen. Jede und jeder, der sich für die grundsätzlichen Potenziale einer Dachfläche für die Nutzung von Photovoltaik zur Erzeugung von Strom oder von Solarthermie zur Erzeugung von Wärme oder auch für die Eignung zur Dachbegrünung interessiert, ist hier an der richtigen Adresse“, sagt Lars Schmäh, kommissarischer Fachbereichsleiter für Klima, Umwelt und Grünflächen. „Wir hoffen, über dieses Portal das Bewusstsein für Klimaschutz- und -anpassungsmaßnahmen weiter zu stärken und noch mehr Bürgerinnen und Bürger zu gewinnen, die bei sich zu Hause die Energiewende starten.“

Die Anwendung und Nutzung des Portals ist einfach: Sowohl mit Hilfe der Straßen- und Hausnummernsuche über die alphabetische Liste, als auch mit der Auswahl auf der eingeblendeten Karte kann ein Gebäude ausfindig gemacht werden. Die Ermittlung des Gründachpotenzials erfolgt über ein einfaches Farbsystem, mit dem die Eignung von sehr gut (dunkelgrün) bis nicht geeignet (rot) dargestellt ist. Zur Bewertung des Gründachpotenziales runden Angaben zur Dachneigung, zur Retentionsleistung (Liter pro Stunde), Staub- und CO2-Bindung (Gramm bzw. Kilogramm pro Jahr) oder auch der Abkühlleistung den Informationsgehalt ab.

Die Ermittlung des Gründachpotenzials stellt einen Aspekt der Klimawandelanpassung dar. Das Portal weist darüber hinaus auch die Potenziale zur Nutzung der Solarenergie aus und soll auch helfen, die Ziele aus dem Masterplan Klimaschutz der Landeshauptstadt Potsdam zu erreichen.

Ca. 170.000 Megawattstunden Strom und 85.000 Megawattstunden Wärme sollen demnach auf den Dächern der Landeshauptstadt jährlich produziert werden. Angesichts der durch das Solarportal diagnostizierten Potenziale klingen diese Zahlen wenig. Doch die Herausforderungen sind hoch. Neben statischer Eignung müssen auch die Genehmigungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit gegeben sein. Die bundesweit geltenden Rahmenbedingungen sind nicht ideal. So müssen sich etwa die Möglichkeiten zur Mieterstromnutzung noch als geeignet erweisen und für planungsrechtliche Vorgaben an Bauherren gibt es viele Unsicherheiten. Bisher werden auf Potsdams Dächern jährlich ca. 10.000 Megawattstunden Strom und etwa 5.000 Megawattstunden Wärme produziert. Um die Solarnutzung bei den Hauseigentümern weiter voranzutreiben, ist eine städtische Förderung vorgesehen. Die Höhe des städtischen Fördertopfes wird durch die Stadtverordneten mit Beschluss der Haushaltssatzung im Herbst definiert.

Unter Einbeziehung aller eingeflossenen Daten werden ca. 4 Millionen Quadratmeter Dachfläche als strahlungsmäßig geeignet für die Nutzung von Photovoltaikanlagen eingestuft. Auf diesen Flächen könnten mit handelsüblichen 320-Watt-Modulen ca. 685.000 Kilowatt installierbare Leistung aufgebracht werden. Damit könnte ein theoretisch erzielbarer Stromertrag von fast 600.000 Megawattstunden pro Jahr geliefert werden. Dies entspricht in der Jahressumme etwa dem Stromverbrauch der gesamten Landeshauptstadt Potsdam. Auch die Kombination von Dachbegrünung und Photovoltaik wurde geprüft. Demnach wären ca. 60 Prozent der betrachteten Dachflächen auch für diese kombinierte Nutzung geeignet.

Voraussetzung für alle Nutzungen ist die passende Statik der Gebäude, die gesondert geprüft werden muss. Herausgehoben dargestellt sind im Solarportal Denkmalbereiche, Baudenkmale oder Sanierungsgebiete, in denen es Einschränkungen bei der Umsetzung geben kann.

In den aktualisierten Solardachdaten werden auch die Potenziale für die Nutzung von Solarthermie ausgewiesen. Auf fast 5 Millionen Quadratmetern der Potsdamer Dachflächen wäre die Unterstützung der Warmwasserbereitung und Heizung mit einem theoretisch erzielbaren Wärmeertrag von ca. 2 Millionen Megawattstunden pro Jahr möglich. Dies ist mehr als der aktuelle Wärmebedarf von ganz Potsdam (ca. 1,5 Millionen Megawattstunden). Auch hier wäre mindestens auf einem Drittel der Flächen die Kombination von Gründach- und Solarwärmegewinnung möglich. Allerdings muss man sich entscheiden – Photovoltaik und Solarthermie sind auf derselben Fläche nicht möglich.

Mit einem Klick auf die gewünschte Dachteilfläche werden direkt Informationen zur Ausrichtung (Flachdach, Nord-, Ost-, Süd-, Westausrichtung) farblich abgestuft angezeigt und die Ergebnisse der Berechnung eingeblendet. Es werden die geeignete Modulfläche (in m²), die nutzbare Einstrahlung (in Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr), die maximale Leistung (in kW) und der potenziell erreichbare Stromertrag in (kWh pro Jahr) bzw. die erreichbare Wärmemenge in kWh pro m² sowie die potenzielle CO2-Einsparung dargestellt. Nach Auswahl der Flächen mit einem Häkchen, kann der Wirtschaftlichkeitsrechner, über den Button „Ertragsrechner starten“, in einer Schnell- oder Detailberechnung den Gewinn nach 20 Jahren unter Berücksichtigung der Ausgaben, Einspeisevergütung, Anlagenpreise und Darlehensverzinsungen errechnen.

Darüber hinaus wird derzeit für die Landeshauptstadt Potsdam die Stadtklimakarte im Rahmen des Forschungsprojekts ExTrass erstellt. Die daraus resultierenden Planungshinweise geben Auskunft zur Abmilderung der Auswirkungen großer Hitze. Sie zeigen jedoch auch Bereiche, die von Starkregenereignissen beeinträchtigt sein können.

Um allen Potsdamerinnen und Potsdamer eine Handlungsanleitung zur Selbstvorsorge und vorausschauenden Vorbereitung auf solche Ereignisse zu ermöglichen, aber auch, um mögliche Auswirkungen bei künftigen Bauvorhaben schon im Vorfeld besser berücksichtigen zu können, wird bis Ende des Jahres eine Starkregen-Gefahrenkarte erstellt. „Beide Instrumente können eine jeweils gute Ergänzung für den Schutz des Eigentums sein. Ich appelliere aber auch schon heute, auf die altbekannten und leider oft nur wenig ernst genommenen grundsätzlichen Hinweise zur Reduzierung von Schäden durch Starkregenereignisse, die oft mit einfachen Verhaltensregeln erreichbar sind. So sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, im Keller keine Gegenstände von hohem Wert zu lagern, Rückstausicherungen einzubauen, Dachrinnen regelmäßig zu säubern, erhöhte Schwellen vor Tiefgarageneinfahrten oder Gebäudeöffnungen zu haben oder Warn-Apps wie ,NINA‘ oder ,DWD-Warnwetter‘ zu nutzen“, sagt Lars Schmäh.

Weitere Informationen:

Umfangreiche Informationen zum Klimaschutz der Landeshauptstadt Potsdam finden Sie unter: https://www.potsdam.de/kategorie/klimaschutz

Das Tool zur Ermittlung des Solar- und Gründachpotentials findet Sie unter: https://www.potsdam.de/online-solarpotenzialanalyse-fuer-hausdaecher-potsdam

Weitergehende Informationen zu Vorsorgemaßnahmen gegen Starkregenschäden finden sich beispielsweise auf den Seiten des Brandenburgischen Umweltministeriums, der Bund-Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) oder des Umweltbundesamtes:

https://mluk.brandenburg.de/sixcms/media.php/9/naturnaher-umgang-regenwasser.pdf

https://www.lawa.de/documents/lawa-starkregen_2_1552299106.pdf

https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/1410/publikationen/2019-05-29_texte_55-2019_starkregen-stadtentwicklung.pdf

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