Potsdam Museum kauft fünf Gemälde der Künstlerin Franek an

Das Potsdam Museum hat fünf kleinformatige Gemälde der Serie „als die Soldaten Schäfer waren“ von der Künstlerin Franek für die hauseigene Sammlung erworben. Der Ankauf wurde von der Berliner Volksbank eG unterstützt.

Franek, mit gebürtigem Namen Sabine Franek-Koch, setzte sich nach einem Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin zunächst künstlerisch mit dem Kulturbereich Mexikos, Honduras und Guatemala auseinander und lehrte später an der Hochschule der Künste Berlin, Akademie für Industriedesign und Kunst in Helsinki und Lahti sowie an der Hochschule für Künste Bremen. Seit 1968 ist Franek regelmäßig in Ausstellungen vertreten, ihre Werke finden sich unter anderem in der Sammlung der Bundesrepublik Deutschland, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Kupferstichkabinett Berlin, in der Berlinischen Galerie, in dem Sprengel Museum Hannover, in der Kunsthalle Bremen sowie im Lahden Taidemuseo in Lahti, Finnland.

Für eine Sonderausstellung im Sommer 2019 konnte das Potsdam Museum die Werke der außergewöhnlichen Künstlerin gewinnen, die gebürtige Potsdamerin ist und hier entscheidende frühe Jahre ihres Lebens verbracht hat. Franek lebt und arbeitet heute in Berlin und Radegast.

Potsdams Kulturbeigeordnete Noosha Aubel würdigt den Ankauf: „Aufgrund der hohen künstlerischen Qualität der Werkserie und des engen Bezugs zum militärisch geprägten Potsdam des 20. Jahrhunderts ergänzt der Ankauf die städtische Kunstsammlung auf besondere Weise.“ Unter dem Titel „als die Soldaten Schäfer waren“ hat sich Franek mit dem Krieg beschäftigt, der Erinnerungsspuren und Narben der Geschichte hinterlässt. Schon das Wort weckt widersprüchliche Gefühle: Angst und Abwehr, aber auch Faszination, insbesondere, wenn eigene Familienschicksale damit verbunden sind. Als Grundlage der Potsdamer Ausstellung diente ein außergewöhnlich gestaltetes Werkstattbuch, in dem Franek, die am 1. September 1939 in Potsdam geboren wurde, der eigenen Verbindung von Leben und Kunst nachging. Ihr Geburtsdatum steht zeitgleich für den Beginn des Zweiten Weltkrieges. Alte Familienfotos, Zeitungsausschnitte, aktuelle Kriegsberichte löst die Künstlerin aus dem historischen Zusammenhang und verleiht ihnen im Kunstschaffen kollektive Bedeutung. Den Fotos und Bildern werden Texte zugeordnet: kleine Geschichten, berührende, teils erschütternde Erinnerungsfragmente, die in der eigenen Potsdamer Familiengeschichte verwurzelt sind und daher eine essentielle Bedeutung für das Potsdam Museum haben.

Franeks Vater war von 1936 bis 1938 an der Kriegsschule in Potsdam als Fähnrich und Ordonnanzoffizier tätig. Mit dem Ausbruch des 2. Weltkriegs wurde er als Leiter der Nachrichtenverbindung eingezogen, stieg bis zum Oberstleutnant auf und war am Frankreich- und Russlandfeldzug beteiligt. In Minsk geriet er in zehnjährige Kriegsgefangenschaft. Diese dramatische Familiengeschichte kennzeichnete die frühe Kindheit der Künstlerin und fand ihren Widerhall in der intensiven Werkserie „als die Soldaten Schäfer waren“, die heute eine zentrale Position in ihrem bildkünstlerischen Œuvre einnimmt.

Die inhaltlichen Wurzeln der Serie sind eng mit der Stadtgeschichte Potsdams verwoben, da die persönliche Lebensentwicklung der Künstlerin hier ihren Ausgang nahm. Der Erwerb ist somit zweifelsohne nicht nur eine Erweiterung der zeitgenössischen Kunst in der Sammlung des Museums, sondern ein weiterer Baustein in der Auseinandersetzung mit der Geschichte Potsdams.

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