Potsdamer Glockenspiel unter Denkmalschutz gestellt

Das in den 1980er Jahren entstandene und 1991 nahe dem historischen Standort der Potsdamer Garnisonkirche aufgestellte Glockenspiel wurde am 19. Juli 2021 in die Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragen. Die Begründung des Denkmalwertes erfolgte durch das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologische Landesmuseum (BLDAM). Als freistehendes, großdimensioniertes Objekt im öffentlichen Raum kommt dem Glockenspiel eine städtebauliche Bedeutung zu. Als Musikinstrument besitzt es mit 40 hochwertig gegossenen und klingenden Glocken musikgeschichtliche und -technische Bedeutung. Wesentlich und vielschichtig ist die geschichtliche Bedeutung des Glockenspiels. Wertvoll für das Verständnis der Fakten ist das im Jahr 2020 von der Landeshauptstadt Potsdam in Auftrag gegebene und im Frühjahr 2021 abgeschlossene Gutachten des Historikers Dominik Juhnke vom Leibniz-Institut für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF).

Dr. Christine Onnen, Dezernatsleiterin Inventarisation und Dokumentation im BLDAM: „Das Glockenspiel ist als eigenständiges Denkmal der jüngeren Zeitgeschichte zu sehen und zu bewerten, auch wenn es im historischen Kontext der Geschichte der Garnisonkirche steht. Als zeithistorisches Zeugnis der Vor- und Nachwendezeit um 1989 dokumentiert es die gesellschaftlichen Debatten in Potsdam und die der rechtskonservativen Kreise in Westdeutschland. Seine Existenz muss dazu beitragen, am Original diese jüngste Geschichte auch künftig aufzuarbeiten.“

Die Feststellung seines Denkmalwertes impliziert keine Aussage zum Vorhaben des Wiederaufbaus der Garnisonkirche. Vielmehr wird aus denkmalpflegerischer Sicht empfohlen, das Glockenspiel auf dem Plantagenplatz zu bewahren und zu pflegen sowie in geeigneter Weise zu kontextualisieren. Damit besitzt die Potsdamer Stadtgesellschaft die Chance, anhand originaler Substanz sich ihrer eigenen jüngsten Geschichte zu vergewissern und diese weiter zu erforschen.

Das Musikinstrument wurde als Nachbau des historischen Glockenspiels der Potsdamer Garnisonkirche (1722/35, zerstört 1945) im Auftrag einer privaten Initiative in Nordrhein-Westfalen in den Jahren 1984 bis 1987 gefertigt. Ziel war es, den Nachbau im Falle einer Wiedervereinigung Deutschlands der Stadt Potsdam zu schenken, dorthin zu überführen und später im wiederaufgebauten Kirchenbau zu installieren. Bereits während des Baus des Glockenspiels wurde die Initiative in der Öffentlichkeit unter Verweis auf die deutliche Rechtslastigkeit des Gründers sowie die einiger Spender kritisch diskutiert. Neben der Schenkung des Glockenspiels an die Stadt Potsdam fanden intensive Auseinandersetzungen um den vorläufigen Standort des Instruments sowie um die feierliche Einweihung statt. Im Ergebnis wurde das Glockenspiel 1991 an seinem bis heute bestehenden Standort auf der Plantage, nördlich des historischen Ortes der Garnisonkirche, aufgestellt.

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