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Rbb 24 Recherche exklusiv: Immer mehr vermisste vietnamesische Kinder und Jugendliche in Berlin und Brandenburg – Verdacht auf „Sklavenarbeit“

Berlin (ots)

In Brandenburg gelten derzeit 32 vietnamesische Kinder und Jugendliche als vermisst. Die Minderjährigen waren seit 2013 beim Versuch der illegalen Einreise durch Polizei und Bundespolizei aufgegriffen und in die Obhut der zuständigen Jugendämter übergeben worden. Kurz nach der Übergabe sind sie verschwunden. Über ihren Verbleib gibt es bislang keine Informationen. In Berlin wurden nach Informationen von rbb24 Recherche seit 2012 insgesamt 474 minderjährige Vietnamesen als vermisst gemeldet, über deren Verbleib die Polizei auf Nachfrage keine Angaben machen konnte. Seit Jahren steigt die Zahl der illegal nach Deutschland eingereisten Vietnamesen beständig an, so die Bundespolizei gegenüber rbb24 Recherche. Darunter sind zunehmend Minderjährige. International agierende Menschenhändler schleusen die Menschen von Moskau über die baltischen Staaten und Polen nach Deutschland und weiter nach Westeuropa. Nach Angaben von polnischen und deutschen Ermittlern gilt das Berliner Dong Xuang Center als Drehscheibe und Umschlagort. Werden Minderjährige aufgegriffen, so kommen sie in die Obhut des Staates. Sie werden dann den Jugendämtern vor Ort übergeben. Doch in vielen Fällen verschwinden die minderjährigen Vietnamesen nach kurzer Zeit wieder. Nach Informationen von rbb24 Recherche liegen der Berliner Polizei Informationen vor, „dass Kinder und Jugendliche von gut organisierten (Schlepper-) Organisationen in die Bundesrepublik Deutschland gebracht werden. Die hierdurch entstandenen Kosten müssen dann durch Arbeit und /oder das Begehen von Straftaten abgearbeitet werden.“

Die Schlepper-Organisationen verlangen für den Weg von Vietnam nach Westeuropa 10.000 bis 15.000 Euro. In den vergangenen Monaten stieß der Zoll bei Razzien gegen Schwarzarbeit in vietnamesischen Nagelstudios immer wieder auf illegal beschäftigte Vietnamesen, darunter auch Minderjährige. Michael Bender vom Hauptzollamt Gießen erklärt im Interview mit rbb24 Recherche: „Bei der illegalen Beschäftigung von Minderjährigen in solchen Nagelstudios handelt es sich nicht nur um Einzelfälle. Wir haben Hinweise darauf, dass diese Fälle im Zusammenhang mit weiteren Fällen bundesweit stehen und dass mittels krimineller Schleusermethoden Minderjährige für Nagelstudios über Russland und Polen illegal nach Deutschland gebracht werden.“ Der Bundesfachverband für unbegleitete Minderjährige fordert nach den rbb-Recherchen Konsequenzen: „Diese Kinder und Jugendlichen befinden sich in Obhut des Staates. Es ist nicht hinnehmbar, dass ihr Verschwinden nicht ernstgenommen wird. Verschwundene geflüchtete Minderjährige sind besonders gefährdet. Jugendämter und polizeiliche Ermittlungsbehörden müssen hierfür zusammenwirken und zu diesem Zweck Ressourcen schaffen.“

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