rbb24 Recherche exklusiv: Weitere Ermittlungspanne beim Bundeskriminalamt nach Breitscheidplatz-Attentat aufgedeckt

Berlin (ots)

Bei den Ermittlungen zum Anschlag auf den Berliner Breitscheidplatz hat es nach rbb-Recherchen eine weitere Panne gegeben. Dabei geht es um zwei Mobilfunknummern, die im Zusammenhang mit einer Massendatenabfrage nach dem islamistischen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt im Jahr 2016 aufgefallen sind.

Das Bundeskriminalamt konnte nach Aussage der Bundesregierung bislang keinen Nutzer zuordnen und geht bei einer Nummer mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem Satellitentelefon aus. Wie rbb24 Recherche herausgefunden hat, gehört die Nummer jedoch zu einem Telematik-Modul, das in einem Fahrzeug von BMW verbaut wurde. BMW bestätigte die Recherchen auf Anfrage. Die zweite Nummer gehört zu einem in Russland zugelassenen Telefon. Bei einem aktuellen Testanruf meldete sich ein Mann, der mit leichtem Akzent Deutsch sprach.

Nach dem Attentat wurden in einer richterlich angeordneten Massenabfrage Tausende Mobilfunkdaten aus den Funkzellen erhoben, die an der Fahrstrecke des LKW lagen, mit dem Anis Amri den Anschlag verübte. Die Daten wurden anschließend mit dem Verkehrsdaten-Analyse-Tool für Massendaten (VanToMas) ausgewertet. Übrig blieben 18 Nummern, bei denen es zeitliche und räumliche Überschneidungen mit den Mobilfunkdaten des Attentäters gab.

Das Bundeskriminalamt ging bei einer der beiden nicht zuordenbaren Nummern davon aus, dass es sich mit „hoher Wahrscheinlichkeit“ um ein Satellitentelefon handeln würde. Für die Ermittlungen griffen die Beamten des BKA auch auf „www.helpster.de“ zurück, eine Ratgeber-Plattform.

Im Abschlussvermerk des BKA heißt es, es handle sich in einem Fall um eine „exterritoriale Rufnummer“. Abfragen in öffentlich zugänglichen Datenbanken ergaben jedoch, dass die Nummer einem international angebotenen Servicedienst von Vodafone zuzuordnen ist, den das Unternehmen spätestens seit 2013 auch in Deutschland anbietet.

Dem BKA lag nach der Funkzellenabfrage auch die IMEI des Gerätes vor. Abfragen in öffentlich zugänglichen Datenbanken ergaben, dass es sich um ein sogenanntes Network Access Device (NAD) der deutschen Firma Peiker handelt. NADs sogen in modernen Telematik-System u.a. dafür, dass Autos „ins Netz“ gehen oder die Satellitennavigation nutzen können. Über die zur Geräte-IMEI gehörende Seriennummer identifizierten IT-Experten das entsprechende Telematic-Teil und ordneten es der Firma BMW zu, die die Recherchen bestätigte.

Das Bundesinnenministerium und die Generalbundesanwaltschaft lehnten eine Stellungnahme mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen ab.

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