Richtfest am U-Bahnhof Museumsinsel: Der Rekord-Rohbau ist fertig

Beim Projekt „Lückenschluss U5“ beginnt das Jahr 2020 so, wie es auch enden soll: Mit einem Festakt aufgrund einer
außergewöhnlichen Leistung. Ende des Jahres wird die Inbetriebnahme der Strecke und die Eröffnung der U-Bahnhöfe
Rotes Rathaus und Unter den Linden gewürdigt. Heute wurde am U-Bahnhof Museumsinsel Richtfest gefeiert: Ein
Rohbau der Rekorde wurde nach fast acht Jahren Bauzeit fertiggestellt. In den vergangenen Jahren waren unzählige
Experten Tag und Nacht beschäftigt, um zunächst einen 28.000 Kubikmeter großen Eiskörper aufzufrieren, den
Bahnsteigbereich im Schutz dieses Eiskörpers bergmännisch herzustellen und einen wasserdichten Rohbau des UBahnhofs unter den Spreekanal und den Boulevard Unter den Linden zu bauen. Dieses äußerst aufwändige Vorgehen
war aufgrund der Lage des U-Bahnhofs notwendig geworden.
Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, würdigte die Leistung der vielen Projektbeteiligten: „Die
Fertigstellung des Rohbaus in diesem fordernden Untergrund mitten in Berlin, direkt an der Museumsinsel, nötigt mir
großen Respekt ab. Nun ist ein großer Schritt gemacht, um hier den Entwurf des Architekten Max Dudler mit seinem
wunderbaren Sternenhimmel zu realisieren. Gleichzeitig ist es ein großer Schritt mit Blick auf die Inbetriebnahme der
Strecke am Ende dieses Jahres.“ Dr. Rolf Erfurt, Vorstand Betrieb der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), dankte den
Bauleuten und hob deren besondere Leistung der hervor: „Sie haben Mut bewiesen und dank hervorragender
Fachkenntnis dieses wahrlich herausfordernde Bauvorhaben mitten in unserer Stadt einen weiteren großen Schritt
vorangebracht. Sie tragen dazu bei, dass unsere 15.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die tagtäglich unsere Stadt im
wahrsten Sinne des Wortes bewegen, schon bald eine weitere hervorragende U-Bahnverbindung zum Wohle unserer
Fahrgäste anbieten können. So rechnen wir allein für die neue U5 mit täglich über 150.000 Fahrgästen. Und für die
Zukunft wissen wir: Nur ein an den vielseitigen Mobilitätsinteressen der Berliner Bevölkerung orientierter Öffentlicher
Nahverkehr kann und wird die richtige Antwort für unsere Umwelt und eine lebenswerte Metropole sein.“
Schon bei der Begrüßung machten Ute Bonde und Jörg Seegers, die Geschäftsführer der BVG Projekt GmbH, die ca.
160 geladenen Gäste – davon viele Projektbeteiligte – auf die besondere Teamleistung aufmerksam: „Dieser Rohbau
war ein Kraftakt von unzähligen Beteiligten. Wir und Sie haben das manchmal unmöglich Scheinende möglich gemacht.“
Henning Schrewe, Geschäftsführer des ausführenden Baudienstleisters Implenia Construction GmbH, betonte: „Ich
freue mich, dass wir auf dieser technisch schwierigen Baustelle einmal mehr von unserer Kompetenz überzeugen
konnten sowie von den Vorteilen unserer interdisziplinären Zusammenarbeit: Unsere Einheiten Tunnelbau,
Spezialtiefbau und Ingenieurbau arbeiteten hier Hand in Hand. Der Erfolg ist zudem auch dem stets konstruktiven und
lösungsorientierten Austausch mit der BVG Projekt GmbH zu verdanken – anders wäre die Umsetzung einer
innerstädtischen Baumaßnahme dieser Größenordnung kaum möglich gewesen.“ Der Stolz auf diese Leistung war auch
Herbert Herold, als Oberpolier seit dem Jahr 2013 eine der prägenden Beteiligten am Rohbau des U-Bahnhofs, beim
Richtspruch deutlich anzumerken.
Der U-Bahnhof Museumsinsel ist aufgrund seiner Lage der technisch herausforderndste U-Bahnhof im Rahmen des
„Lückenschluss U5“: Nach der Durchfahrt der Tunnelvortriebsmaschine „Bärlinde“ mussten um die Tunnelröhren herum
zunächst 95 105 Meter lange horizontale Bohrungen durchgeführt werden, um die Vereisungslanzen in den Boden zu
bringen. Der 28.000 Kubikmeter große Frostkörper wurde aufgefroren, indem eine -37°C Grad kalte
Kalziumchloridlösung in einem geschlossenen Kühlkreislauf durch die Vereisungslanzen gepumpt wurde. Erst danach
konnte der Bahnsteigbereich im Schutz des Eiskörpers hergestellt werden. Dabei wurde die Stabilität des Frostkörpers
stets durch Tausende Temperaturmesspunkte überwacht. Nach Betonage der Innenschale wurde der Frostkörper
mittels Fernwärme kontrolliert aufgetaut, so dass die Dichte des Rohbaus direkt überprüft werden konnte. Trotz
minutiöser Planungen im Vorfeld ergaben sich bei all diesen Schritten immer wieder baugrundbedingte
Herausforderungen, für die neue technische Wege und Lösungen gefunden werden mussten.

Seit November 2019 läuft parallel zu den abschließenden Rohbauarbeiten der Ausbau, der durch die Berliner Firma Bleck & Söhne ausgeführt wird.
Der Gleisbau ist bereits abgeschlossen. Um den Ausbau in der erforderlichen Qualität durchführen zu können, konzentrieren sich die Ausbauarbeiten
zunächst auf die Herstellung der Bahnsteigebene mit dem von dem Schweizer Architekten Max Dudler ersonnenen „Sternenhimmel“. Auch mit dieser
Konstruktion wird ingenieurstechnisches Neuland betreten.
Mit dem neuen U-Bahnhof Museumsinsel werden zahlreiche kulturelle Highlights in Berlins Mitte wie das Humboldt Forum im Neuen Schloss, der
Berliner Dom, das Deutsche Historische Museum und die zahlreichen Museen der Museumsinsel direkt mit der U-Bahn erreichbar.
Der „Lückenschluss U5“ führt die U5 (U Hönow <> S+U Alexanderplatz) mit der 2009 eröffneten U55 (S+U Brandenburger Tor <> S+U Hauptbahnhof)
zusammen. Das Großprojekt umfasst 2,2 Kilometer Tunnel und drei neue U-Bahnhöfe zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor: Rotes
Rathaus, Museumsinsel und Unter den Linden. Die Inbetriebnahme der Gesamtstrecke ist für Ende 2020 geplant. Dann können die Fahrgäste der
verlängerten U-Bahnlinie 5 ohne umzusteigen von Hönow bis Hauptbahnhof durchfahren. Jedoch halten die U-Bahnen zunächst einmal nicht am UBahnhof Museumsinsel. Die Zugänge und Verteilerebenen werden bei laufendem Betrieb hergestellt; der U-Bahnhof wird voraussichtlich im Sommer
2021 eröffnet.
Das Großprojekt steht unter der Leitung der BVG Projektgesellschaft, einer 100-prozentigen Tochter der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die bis zum
1.1.2020 als „Projektrealisierungs GmbH U5“ firmierte.

%d Bloggern gefällt das: