„Roter Bauzaun 5“ von Barbara Raetsch erworben / Potsdam Museum und Potsdamer Kunstverein kaufen Gemälde für die städtische Kunstsammlung

Das Potsdam Museum und der Potsdamer Kunstverein e.V. haben das Gemälde „Roter Bauzaun 5“ von Barbara Raetsch für die städtische Kunstsammlung erworben.

Im November 2017 begann der endgültige Rückbau der Potsdamer Fachhochschule, das ehemalige Institut für Lehrerbildung „Rosa Luxemburg“. Zu den bauvorbereitenden Maßnahmen zählte auch die Aufstellung eines 400 Meter langen und 2,50 Meter hohen Bauzauns. Er sollte über seine Funktion für die Baustelle hinaus auch der Verständigung zwischen Gegnern und Befürwortern der neuen Mitte dienen.

Die Stadt Potsdam in ihrer barocken Schönheit, ihre partielle Zerstörung im II. Weltkrieg, der anschließende Verfall während der DDR-Zeit sowie die Wiederherstellung am Beispiel der historischen Mitte bilden das künstlerische Spannungsfeld, in dem sich die Künstlerin Barbara Raetsch bewegt. Die 1936 in Pirna geborene Künstlerin widmet ihr Schaffen seit dem Umzug mit Karl Raetsch 1958 nach Potsdam den Themen der Stadt, des Stadtbildes und der Stadtentwicklung. Über malerische Erkundungen der städtebaulichen Struktur hinaus gilt ihr bildnerischer Fokus auch immer dem Lebens- und Kulturraum der Bewohnerinnen und Bewohner.

Das Potsdam Museum kann einen umfangreichen Bestand von Barbara Raetsch in den Abteilungen Malerei und Grafik sein Eigen nennen. Als zeitgenössischen Künstlerin ist Raetsch mit mehr als 50 Werken im Sammlungsbestand vertreten. In der Grafik finden sich ebenso Zeichnungen der Berliner Straße in Grafit wie aquarellierte Radierungen der Posthofstraße. Der Gemäldebestand enthält zahlreiche Werke von Abrisshäusern des Holländischen Vierteles, mit denen Raetsch zu einer künstlerischen Stadtchronistin avancierte. Mit ihrer detaillierten Wiedergabe von Plätzen, Straßen und Häuserfassaden in der Dortustraße oder beispielsweise der Gutenbergstraße hat sie seit den 1980er-Jahren die Aufmerksamkeit auf den zunehmenden Verfall der historischen Bausubstanz gelenkt und malerische Mahnungen auf die Leinwand gebannt. Ihr Blick ist – ebenso wie ihre Kunst – immer kritisch und so verwundert es auch nicht, dass Raetsch den Wandel der historischen Mitte bildkünstlerisch in all seiner Intensität verfolgt. Die Initiative für den Ankauf eines großformatigen Gemäldes ihrer Bauzaun-Serie ergriff Thomas Kumlehn in Abstimmung mit dem Potsdamer Kunstverein e.V. Der startete im Januar 2020 eine Spendenaktion. Mit der anteiligen Unterstützung durch das Potsdam Museum konnte die Spendenaktion im Oktober erfolgreich abgeschlossen werden.

Beim Besuch im Atelier war Jutta Götzmann, Direktorin des Potsdam Museums, von der Reduktion der Formensprache sowie der Ausdruckskraft der Serie beeindruckt, die Raetsch ganz virtuos aus dem leuchtenden Kontrast von Schwarz und Rot entwickelt hat und entschied sich für das Gemälde „Roter Bauzaun 5“. Sie dankt dem Potsdamer Kunstverein e. V. für seine Spendenkampagne, die sie vor allem wertschätzt, da der bisherige Werkbestand im Potsdam Museum fast ausschließlich die späten 1970er- und 1980er-Jahre abbildet, aber ihre künstlerische Entwicklung in der Nachwendezeit sowie in der Gegenwart unberücksichtigt lässt.

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