Rückblick 2019 / Ausblick 2020 Filmmuseum Potsdam

Das Filmmuseum Potsdam war mit seinen Ausstellungen und Veranstaltungen auch in 2019 wieder
Magnet für viele Tausend Besucher aus der ganzen Welt. Wiederum fanden im Museum auch in 2019
Projektseminare des Master-Studiengangs „Filmkulturerbe “ statt, deren Resultate präsentiert wurden.
Studierende, Forschende und Lehrende der Filmuniversität arbeiteten an Ausstellungen mit und
gestalteten Veranstaltungen, so z. B. die Foyerausstellung „Theodor Fontanes Männlichkeiten“, das
Festival „Moving History“ oder der „Home Movie Day“. Das Filmmuseum unterstützt als In-Institut der
Filmuniversität Babelsberg somit auch die Lehre und profitiert von neuen Impulsen durch Studierende.
Foyerausstellungen 2020 zu sehen:
bis 10.03.2020 Theodor Fontanes Männlichkeiten. Rollenbilder zwischen
Kino und Fernsehen
ab 12.03.2020 125 Jahre Kino – vom Wintergarten zum Multiplex
Im Rahmen des Kulturland Brandenburg Jahresthemas fontane.200 war das Filmmuseum Potsdam mit
fontane.on location im Land Brandenburg unterwegs. Eine Filmtour führte von Juni bis September 2019
an die Drehorte der Romanverfilmungen mit vielen begeisterten Gästen in ausverkauften Häusern. Viele
weitere „Fontane-Filme“ zeigte das Filmmuseum im hauseigenen Kino, begleitend zur Ausstellung.
Die zweisprachige ständige Ausstellung „Traumfabrik. 100 Jahre Film in Babelsberg“, die
unterhaltsam und interaktiv den Vorgang der Filmentstehung entlang der Geschichte der Babelsberger
Filmstudios erzählt, fand auch in 2019 einen enormen Zuspruch beim Publikum und war besonders
beliebt bei internationalen Gästen. Die Schau zählte auch in 2019 ca. 24.000 Besucher.
Ein Überläufer aus dem Jahr 2018, bis zum 17. Februar 2019, war die Ausstellung „Mächtig gewaltig!
Die Olsenbande kommt nach Potsdam“. Mit insgesamt 23.000 Besuchern in 194 Tagen zählt sie zu
den erfolgreichsten Ausstellungen des Filmmuseums. Vom 02.01. bis 17.02.19 wurde sie von 7.000
Gästen besucht.
Die Sonderausstellung „Plakativ. Filmwerbung und Propaganda in Demokratie und Diktatur (12.04.
bis 18.08.2019) widmete sich über das Medium des Plakats einer Epoche der deutschen Filmgeschichte
von 1930 bis 1950. Die Schau zählte 3.500 Besucher.
Der 60. Geburtstag des Sandmännchens war und ist Anlass für die neue Familienausstellung „Mit dem
Sandmann auf Zeitreise“ (10.11.19 bis 30.12.2020) im Filmmuseum Potsdam, die in enger Kooperation
mit dem rbb Fernsehen entstanden ist und noch bis zum Ende des Jahres 2020 mit einem
umfangreichen Begleitprogramm zu sehen sein wird. Eingebettet in die Erzählung einer Zeitreise gibt
es ein Wiedersehen mit beliebten Figuren und legendären Fahrzeugen aus der ersten, analogen
Lebenshälfte des Sandmanns und die Begegnung mit seinen allerneuesten Freunden. Die Reise beginnt
für die Kinder in einer Raumstation, führt durch einen Märchenwald mit Schatzkisten, Traumnestern und Kuschelhöhle und endet in einer Geburtstagswerkstatt. Für Erwachsene ist die Zeitreise eine kleine
Rückschau auf die DDR, die sich in den Sandmann-Rahmengeschichten in ihrem besten Licht zeigt. Die
begehbaren multimedialen Sets, Puppen, Hörstücke, Lieder, Geschichten und Sandmannfilme regen die
verschiedenen Generationen dazu an, Geschichten und Erinnerungen auszutauschen. Die Ausstellung
hat einen überaus erfolgreichen Start hingelegt: vom 10.11.19 bis Mitte Dezember 2019 haben bereits
ca. 9.000 Gäste die Schau besucht.
Das Kino des Filmmuseums setzt in seinem Programm weiter auf einen Mix aus Vermittlung von
Filmgeschichte in thematischen Reihen und Veranstaltungen und einer Auswahl herausragender
aktueller Filme. Häufig laufen Filme in untertitelten Originalversionen, die ansonsten aufgrund der immer
kurzlebigeren Auswertungskette nur für kurze Zeit oder gar nicht in Potsdam zu sehen wären.
Begleitende Filmreihen zu den Ausstellungen und Stummfilmvorführungen, live begleitet am Klavier
oder an der denkmalgeschützten Welte-Kinoorgel aus dem Jahre 1929, gehören zum monatlichen
Angebot. Mit vielen Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche an den Vormittagen ist das Kino des
Filmmuseums Potsdam auch ein lebendiger Lernort für Schulen und Kitas.
Besonders Veranstaltungen mit prominenten Gästen füllen regelmäßig den Kinosaal. 2019 zählten zu
den Künstlern, die im Filmmuseum auftraten, Regisseur/-innen wie Margarethe von Trotta, Dominic Graf,
Volker Koepp, Rosa von Praunheim und Marcel Ophüls sowie Schauspieler/-innen wie Jörg Schüttauf
und Iris Berben. Neben den bewährten Filmfestivals „Ökofilmtour“, „Jüdisches Filmfestival Berlin &
Brandenburg“ und „Berlinale Spotlight – Perspektive Deutsches Kino“, ging das Festival „Moving
History – Festival des historischen Films Potsdam“ in seine zweite, sehr erfolgreiche Auflage. Mit
dem Schwerpunktthema „Als wir träumten – Revolution, Mauerfall, Wiedervereinigung“ fand eine große
Zahl von Film- und Diskussionsveranstaltungen sowie Previews mit unterschiedlichsten Gästen statt.
Sehr erfolgreich kooperiert das Filmmuseum Potsdam mit dem Museum Barberini und zeigt begleitend
zu den dortigen Ausstellungen Spiel-, Dokumentar- und Experimentalfilme und präsentiert
Künstlergespräche. Besucher/-innen erhalten dafür wechselseitig ermäßigten Eintritt. In diesem Jahr
begleitete das Filmmuseum die Ausstellungen „Picasso. Das späte Werk“, „Wege des Barock“ und „Van
Gogh. Stillleben“.
Im Rahmen der „rbb filmlounge“, eine Kooperation mit dem rbb Fernsehen, waren folgende
Persönlichkeiten zu Gast: die Regisseure Volker Schlöndorff und Rudolf Thome sowie der Autor
Christoph Hein. Die Kooperation wird am 16. Januar 2020 mit dem Schauspieler Günter Lamprecht
fortgesetzt.
Die vielfältigen Kinoveranstaltungen wurden 2019 von ca. 27.500 zahlenden Gästen besucht.
Das Kinojahr 2020 beginnt im Januar mit der umfangreichen Film- und Veranstaltungsreihe
„Fassungslos! Ein anderer Blick auf Filmklassiker“ und der neuen Filmreihe „OstSofaKino – Filme
des DDR-Fernsehens neu gesehen“.

Am 20. Januar wäre Federico Fellini 100 Jahre alt geworden. Bevor wir im April und Mai eine umfangreiche Retrospektive zeigen, feiern wir den großen Autorenfilmer und visionären Kinomagier am
31.1.2020 mit der Aufführung von »La Strada – Das Lied der Straße«.
Im März startet eine ganzjährige Veranstaltungsreihe mit paralleler Foyerausstellung zu „125 Jahre
Kino“ und feiert mit Live-Musik, Performances und Soundcollagen unterschiedliche Kinoformen und
historische Aufführungspraktiken – vom Variété bis zum Multiplex – seit Erfindung des Kinos.
Der Förderverein des Filmmuseums Potsdam unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Dieter Wiedemann
unterstützt das Filmmuseum bei der Ausrichtung seiner Ausstellungen und Veranstaltungen und ist im
Kinoprogramm mit dem „Dokfilm-Nachmittag“ vertreten. Gemeinsame Kinderfilmveranstaltungen mit
DDR-Kino- und TV-Filmen und Gästen sind für 2020 geplant.
Die Themenpalette der Filmbildungsangebote war mit der Analyse von Literaturverfilmungen, Kurz- und
Musikfilmen, Propaganda oder auch Stummfilmen der im Jahr 2019 angebotenen Workshops begleitend
zu den Ausstellungen, auch unabhängig davon mit praktischen Filmübungen sehr vielfältig. Insgesamt
wurden über 70 Workshops durchgeführt.
Beim „MiniFilmclub“ gingen Vorschulkinder auf eine spannende Entdeckungsreise mit experimentellen
Kurzfilmen. Das Filmmuseum Potsdam übernahm dieses vom Deutschen Filmmuseum Frankfurt/Main
entwickelte und von der Robert-Bosch-Stiftung im Rahmen des Programms „Kunst und Spiele“ geförderte
Format als Tandempartner. Damit verknüpft ist eine weitere Kooperation: die bundesweit agierende
Initiative app2music bietet digitale Musik-Workshops an. Wie man mit Tablets spielerisch Sounds,
Rhythmen und Melodien erzeugen kann, können Familien in der Sonderausstellung „Mit dem
Sandmann auf Zeitreise“ am 14. März 2020 erleben.
Begleitend zur Sandmann-Ausstellung können wochentags Kindergruppen und an Wochenenden
sowie in den Ferien Familien ein abwechslungsreiches Workshop-Angebot wahrnehmen:
Erzähltheater, Trickfilm-, Weltraumhelm- oder Klangwerkstatt. Immer willkommen sind kreative
Bastler*innen!
Erstmalig angeboten wurden Führungen für Menschen mit und ohne Demenz. Auch dieses Angebot
wird es im kommenden Jahr wieder geben.
Das Filmmuseum konnte auch 2019 wieder schöne Sammlungen erwerben: So die Farbfilm-Sammlung
von Gert Koshofer, Bestände von Hannes Stöhr (Regisseur), Ernst-Georg Schwill (Schauspieler u.a. in
„Berlin, Ecke Schönhauser“) und Wolfgang Schwarze (Dokumentarfilm), verschiedenste Foto-,
Drehbuchbestände und einen bedeutenden Kostümbestand des Films „Marie Grubbe“.
Der frühe Tod von Ulrich Illing – dem „Tonmeister von Babelsberg“ und langjährigen Abteilungsleiter
Tontechnik bei der DEFA -, im Dezember 2018 führte 2019 zu Verhandlungen zwischen dem Studio
Babelsberg, Ute Illing und dem Filmmuseum zur Übernahme seines Tonfilmmuseums und seiner
Sammlung zur Tonfilmgeschichte. Der Ankauf konnte durch eine Drittmittelfinanzierung durch das Ministerium für Wirtschaft und Energie realisiert werden. Ein Teil der Sammlung soll künftig im
Schaudepot des neuen Archivdepots zu sehen sein.
2019 beschäftigte sich die Sammlungsabteilung intensiv mit den Planungen für den neuen Archivbau,
einer Gesamterfassung der Sammlungen sowie der umfassenden Bedarfe für den Sammlungsumzug. Im
ersten Halbjahr 2019 wurden die Vorplanungen nach einem Entwurf des Architekten Christoph Kohl
(Berlin) zum neuen Sammlungsgebäude des Filmmuseums Potsdam an der Marlene-Dietrich-Allee in
Babelsberg abgeschlossen. Ende August 2019 erfolgte die Unterzeichnung des Mietvertrages zwischen
dem Bauherrn Friedhelm Schatz (Vermieter) und der Brandenburgischen Liegenschaftsverwaltung (BLB).
Mit diesem Archiv-Neubau erhält das Filmmuseum Potsdam, Institut der Filmuniversität Babelsberg
KONRAD WOLF, dringend benötigte Magazinbereiche.
Über zwei Drittmittelprojekte konnten 2019 die gesamten Arbeitsdrehbücher des Regisseurs Günter
Reisch (MWFK) und die Restaurierung des Hofkleides aus dem Film „Das Herz der Königin“
(Kulturstiftung der Länder) umgesetzt werden.
Mit der neu aufgelegten Filmreihe „BRANDENBURGS FILMERBE ENTDECKEN“ im Dezember 2019,
gibt es nun auch eine Plattform aktueller Digitalisierungsprojekte wie Dokumentar- und Amateurfilme.
Der zweite Home Movie Day fand unter dem Motto „Jeder Mensch ist ein Künstler“ im Oktober statt.
Die enge Verbindung zum Studio Babelsberg führte zur erneuten Leihgabe von historischer
Filmtechnik für die erfolgreichen Produktionen „Babylon Berlin“ und „Traumfabrik“.
Insgesamt kamen im Jahr 2019 ca. 71.000 Besucher ins Filmmuseum Potsdam. Im Vergleich zum
Vorjahr (70.000). Wir freuen uns auf Stammgäste und hoffentlich viele neue Besucher aus nah und fern
in 2020.
Seit Mai 2019 hat sich auch die Arbeit des neuen Leitungsteams mit Prof. Dr. Ursula von Keitz
(Gesamtleitung, Lehre, Forschung), Christine Handke, als stellvertretende Leiterin, Dorett Molitor als
Sammlungsleiterin und Markus Zeeb als Verwaltungsleiter bei der Bewältigung der wachsenden
Herausforderungen des Museums bewährt, auch im Hinblick auf den entstehenden Sammlungsbau. An
einer stärkeren Verknüpfung der verschiedenen Standorte mit der Filmuniversität in Babelsberg, dem
Marstall in der historischen Innenstadt und dem noch bestehenden Standort der Sammlungen in der
Pappelallee – perspektivisch in der Nachbarschaft der Filmuniversität – wird beständig gearbeitet.
Das Filmmuseum Potsdam wird weiterhin Wissenschaft, Forschung, Vermittlung und Unterhaltung zu
einem attraktiven, kulturellen Publikumsangebot in der Potsdamer Mitte verbinden.

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