Schockanruf! – Betrüger ergaunern erneut hohe Bargeldsumme

#Potsdam, Hegelallee – 

Montag, 07.06.2021 – 

 

Erneut wurde ein Senior Opfer von Telefonbetrügern. Der 68-Jährige aus dem Landkreis Potsdam-Mittelmark erhielt am Montagmittag den Anruf seiner angeblichen Tochter, die schreiend und weinend von einem Unfall berichtete, bei dem sie jemanden totgefahren habe. Dann übernahm eine angebliche Polizistin das Telefon und erzählte, dass die Tochter beim Autofahren mit dem Handy beschäftigt gewesen sei, ein Stopp-Schild übersah und dann einen Radfahrer bei dem Unfall tödlich verletzte.  Die Tochter müsse nun in den Strafvollzug, könne jedoch gegen eine Kaution von 50.000,- Euro freikommen. Die schockierten Senioren teilten mit, welche Summe sie aufbringen können und es wurde mit der angeblichen Polizistin das weitere Vorgehen besprochen. So wurde das Opfer aufgefordert, sein Handy anzuschalten und die gesamte Zeit die telefonische Verbindung mit der „Polizistin“ nicht zu unterbrechen. Als Übergabeort wurde das Justizzentrum und ein angeblicher Staatsanwalt in Potsdam benannt.  Der Senior begab sich nach Potsdam und parkte in der Hegelallee, was er wiederum der Betrügerin am Telefon mitteilte. Diese sagte nun, dass er nicht in das Justizzentrum dürfe, aber ein Mitarbeiter zu ihm zum Auto käme, das Geld hole und eine Quittung ausstellen würde. Dann kam ein bislang unbekannter Mann zum Auto des Geschädigten und nahm das Geld, mehrere zehntausend Euro, in Empfang.

Der Geldabholer wurde wie folgt beschrieben:

–          ca. 175- 180 cm groß

–          dunkle Augen, schwarze, kurze Haare

–          stämmige Statur

–          trug ein blaues/ bläuliches Oberteil

–          gepflegtes Äußeres

–          trug einen Mund-Nasenschutz

 Der Betrüger entfernte sich anschließend, woraufhin der Senior jedoch misstrauisch wurde und ihm kurz folgte. Jedoch an der Kreuzung Hegelallee/ Jägerlalle verlor er ihn aus den Augen. Die Betrügerin, immer noch am Telefon befindlich, forderte ihn nun auf, sich in sein Auto zu setzen und zu warten.

Zufälligerweise hielt sich zu diesem Zeitpunkt ein Beamter der Revierpolizei in der Hegelallee auf. Der 68-Jährige sprach den Beamten an und erzählte den Sachverhalt. Die Polizei leitete daraufhin Fahndungsmaßnahmen ein, die jedoch erfolglos verliefen. Die Polizei ermittelt nun wegen Betruges und Amtsanmaßung und bittet Zeugen, die am Montag, gegen 13:15 Uhr – 14:30 Uhr, im Bereich der Hegelallee Beobachtungen tätigten, die hiermit in Verbindung stehen könnten, sich bei der Inspektion Potsdam unter 0331-55080 zu melden.

Bereits im Mai lockten Betrüger eine Seniorin zum Justizzentrum, wo ein Betrug jedoch durch einen aufmerksamen Mitarbeiter verhindert wurde, siehe beigefügter PM vom 17.05.2021:

Potsdam – Freitag, 14.05.2021 – 

Am Freitag erhielt eine Potsdamer Seniorin den Anruf ihrer angeblichen Tochter. Diese gab weinerlich an, einen Unfall verursacht zu haben, bei dem eine andere Frau zu Tode gekommen sei und sie nun bei der Polizei sei. Anschließend wurde das Telefon zunächst an einen angeblichen Polizisten weitergegeben, der den Sachverhalt bestätigte und dann das Telefon an einen angeblichen Staatsanwalt weiterreichte. Dieser wiederum teilte nun mit, dass für die Tochter ein Haftprüfungstermin anstünde und er der Tochter nur helfen könne, wenn eine Kaution für sie bezahlt würde. Mit ihm einigte sich die besorgte Dame auf einen fünfstelligen Bargeldbetrag, den sie in der weiteren Folge von Ihrer Bank abhob. Dann ging sie zum vereinbarten Übergabeort beim Amtsgericht. Hier fragte sie nach dem angeblichen Mitarbeiter, der das Geld in Empfang nehmen sollte. Diesen gab es dort aber nicht, was ihr von einem Mitarbeiter auch so mitgeteilt wurde. Der aufmerksame Angestellte wies die Frau darauf hin, dass es sich um einen Betrug handeln würde und sie solle doch ihre Tochter anrufen. Das tat die Dame dann auch und es stellte sich schnell heraus, dass die Tochter keinen Unfall hatte. So landete das Geld glücklicherweise wieder auf dem Konto der Frau und die Polizei ermittelt nun wegen versuchten Betruges und Amtsanmaßung.

Der beschriebene Sachverhalt beschreibt eine bei der Polizei hinreichend bekannte Form des Telefonbetruges.

 

Bei diesen so genannten „Schockanrufen“ nutzen die Täter die Schreckmomente aus, indem sie ihre Opfer anrufen und sich als Angehörige (Tocher, Enkeltochter) in einer dramatischen Situation ausgeben. Meist geben Sie weinend an, dass es einen Verkehrsunfall gegeben habe, bei denen ein Mensch ums Leben gekommen sei und sie nun bei der Polizei seien. Sie würden eine Untersuchungshaft oder ein Strafverfahren nur vermeiden können, wenn das Opfer Ihnen eine meist hohe Summe (i. d. R. mehrere zehntausend Euro) als Kaution hinterlegen würde.

Für gewöhnlich wird das Telefon dann an einen angeblichen Polizisten weitergegeben, um durch eine akustische Drohkulisse den Druck weiter zu erhöhen. Die Kombination aus Schock, Drohungen und Mitleid gegenüber dem vermeintlichen Angehörigen soll die oftmals älteren Opfer dazu bringen, den Wahrheitsgehalt nicht zu hinterfragen und Geld herauszugeben. Die Täter sprechen oft akzentfrei und agieren rhetorisch begabt.

Anbei finden sich Hinweise, die Bürger bei allen Formen des Telefonbetruges beachten sollten. Diese so genannten „Schockanrufe‘“ reihen sich neben Enkeltrickbetrügereien und Anrufen falscher Polizisten ein, die alle das Ziel haben, an Wertgegenstände und oder Bargeld der meist älteren Opfer zu gelangen und können in ihrer Form auch stark variieren. (Verschiedene Sachverhalte sind unten nochmal angefügt)

Die Polizei rät in diesem Zusammenhang:

  • Lassen Sie sich am Telefon nicht ausfragen. Geben sie keine Details Ihrer familiären oder finanziellen Verhältnisse preis!
  • Lassen Sie sich von einem Anrufer nicht drängen und unter Druck setzen. Vereinbaren sie einen späteren Gesprächstermin, damit sie in der Zwischenzeit die Angaben z.B. durch einen Anruf bei Ihren Verwandten oder bei der örtlichen Polizei überprüfen können!
  • Notieren Sie sich die eventuell auf dem Sichtfeld Ihres Telefons angezeigte Nummer des Anrufers!
  • Bevor Sie jemandem ihr Geld geben wollen: Besprechen Sie die Angelegenheit mit einer Person Ihres Vertrauens. Wenn Ihnen die Sache „nicht geheuer ist“, informieren Sie bitte ihre örtliche Polizeidienststelle!
  • Übergeben Sie kein Geld an Personen, die Ihnen nicht persönlich bekannt sind!
  • Haben sie bereits eine Geldübergabe vereinbart? Informieren Sie noch vor dem Übergabetermin die Polizei! Sie erreichen sie unter der Nummer 110.
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